Klaus Wagenbach, founder of Wagenbach Verlag, is a specialist on Kafka. In 1994 he was made Honorary Professor of Modern German Literature at the Free University of Berlin, and has been awarded numerous other honors.
Hmpf. Ich bin leider extrem enttäuscht was diese Biographie angeht. Zu aller erst geht die eigentliche Biographie nur bis Seite 185. Alles andere sind Anmerkungen :/ Ich habe das Gefühl mein Wissensdurst über Kafka durchaus gestillt zu haben aber nichts darüberhinaus. Gefallen hat mir, dass die Biographie in 4 Lebensabschnitte eingeteilt war. Nur hätte ich es gern gehabt, wenn der Inhalt auch zu den jeweiligen Überschriften gepasst hätte. Wenn die Überschrift „Die ersten Berufsjahre“ lautet dann erwarte ich auch Einblick in die ersten Berufsjahre zu bekommen, ohne total vom Thema abzuweichen. Natürlich muss man die Entstehungszeit der Biographie beachten, jedoch denke ich, dass es einem durchaus hätte besser gelingen können, ein Werk über das Leben Kafkas zu schaffen.
Zum ersten Mal 1958 veröffentlicht und 2006 erweitert, restauriert Klaus Wagenbach in Biographie seiner Jugend Kafkas frühe Jahre, indem er die Überbleibsel zu einem umfangreichen Puzzle zusammenfügt. Was wir erhalten, ist das kohärente Bild eines stillen, aufmerksamen Mannes, der schon in seinen jungen Jahren das Zeitgeschehen in klare, deutsche Prosa zu fassen vermochte.
Klaus Wagenbach nennt sich selbst "Kafkas dienst-älteste lebende Witwe" und beim Lesen seiner Rekonstruktion wird klar, warum. Mit einer Liste an Quellen und Anmerkungen, die einen beachtlichen Teil dieses Bandes ausmacht und zu denen Geburtsregister, Personalakten und Zeugenbefragungen gehören, erläutert er uns den jungen Kafka und seine Heimatstadt Prag, wie er sie damals erlebt haben muss.
Die Biographie selbst ist bündig ausformuliert und gibt einen guten Überblick über den Zeitraum zwischen 1883 und 1912. Während mir dieses Werk ein besseres Verständnis von dem Hintergrund gegeben hat, vor dem Kafka seine Geschichten schrieb, ließ mich das Buch emotional doch weitgehend kalt.
Während der Kontext um Kafka klar wird, erschien er mir im Rahmen des Geschilderten nur gelegentlich wirklich menschlich, was aber vielleicht auch an dem Alter des Werkes (immerhin hat sich auch die deutsche Sprache seit dem Ende der 50er verändert) und an den zur Verfügung stehenden Quellen liegt - beides Dinge, die ich dem Autor nicht vorwerfe.
Ich denke für Einsteiger und Neugierige ist dieses Werk dennoch empfehlenswert, ich selbst bereue das Lesen keinesfalls und fühle mich in meiner Neugier an Kafkas Hintergrund zunächst auch durchaus befriedigt. Für Leute mit größerem Wissensdurst gibt es dann schließlich noch weiteres Material, wie die beispielsweise vor einigen Jahren erschienene (und gefeierte) Biographie von Reiner Stach.