Alex ist eine echte Weltenbummlerin und hat schon in allen möglichen Ländern Europas gelebt und gearbeitet. Wurzeln schlagen wollte sie nie, sie möchte sich weder an Orte noch an Menschen binden und hat auch nicht vor, in der Kleinstadt im Norden Frankreichs lange zu bleiben, in der sie gerade gelandet ist. Sie jobbt auf einer Hühnerfarm und wohnt bei einem ungleichen Ehepaar. Zum Haushalt der beiden gehört auch Gérard, der Bruder des Vermieters, der körperlich und geistig behindert ist und vor allem für Marlène nur eine lästige Verpflichtung zu sein scheint.
Alex hingegen findet bald einen Draht zu Gérard, der große Freude an Gedichten und Liedern hat, unternimmt mit ihm öfter kleine Ausflüge an den Fluss und trifft dort auf Cedric und seinen Zackenbarsch genannten Kumpel.
Die beiden sitzen häufig dort, trinken Bier, werfen Steine in den Fluss und tun sich selber leid. Cedric kann es seinem Vater nie recht machen, weil er seine Vorstellung von einem erfolgreichen Leben nicht teilt, und hat eine schmerzhafte Trennung hinter sich, die ihn ziemlich aus der Bahn geworfen hat.
Ich mochte die Geschichte über die androgyne, ziemlich autarke Alex, die hinter einer verschlossenen Fassade viel Einfühlungsvermögen besitzt und hier für einige Menschen zum Katalysator für Veränderungen in festgefahrenen Lebenssituationen wird. Dass man über Alex' eigenen Hintergrund eher wenig erfährt, hat mich gar nicht gestört, es passte sogar ganz gut zu ihrer Lebensweise.
"Der Poet der kleinen Dinge" ist eher modernes Märchen als realistischer Roman, aber wenn man das Buch unter dieser Prämisse liest, lässt sich durchaus hinnehmen, dass sich manches vielleicht ein bisschen zu gut ineinanderfügt. Ich könnte es mir auch gut als unterhaltsamen Film vorstellen.