Als Alia an ihrem 16. Geburtstag nach wie vor keinerlei Elementbegabung zeigt, ist klar, dass sie eine Nehil, eine nutzlose Person ohne jede Begabung, ist. Wie jede Nehil wird sie als Dienerin an den Magierzirkel von Lormir geschickt, wo sie, fernab von ihrer Heimat und Familie, den Rest ihres Lebens verbringen wird. Doch kurz bevor sie geht, erfährt sie von ihrer Mutter eine schockierende Wahrheit, die ihr nach ihrer Zukunft nun auch die bislang bekannte Vergangenheit raubt. Zum Glück lernt sie im Zirkel neben der harten Arbeit als Dienerin aber auch schnell Freund/innen kennen, die ihr dabei helfen, mit der neuen Situation umzugehen.
Ach, war nicht so meins. Zugegeben, ich hätte einfach bei dem Verlag wissen sollen, dass das hier eine Liebesstory wird. Aber anhand des Klappentextes hätte ich doch erwartet, dass der Fokus auf Alia, ihrer neuen Situation und dem angeteaserten "Geheimnis" liegen wird. Stattdessen lernt sie quasi instant diesen mega gutaussehenden Elfen kennen und der Rest des Buches ist hauptsächlich Alia, die diesen toxischen Typen anschmachtet. Das Verhalten des Elfen ist derart "ürgs", dass es zwischendrin ein oder zwei Kapitel aus seiner Sicht gibt, damit man sieht, dass er es auch wirklich ernst mit ihr meint und er eigentlich voll der dufte Typ ist. Aus seinem Verhalten Alia gegenüber ergibt sich das nämlich nur bedingt.
Dass Alia 16 ist und alle Typen, denen sie hinterherhechelt, mehrere hundert Jahre alt, ist auch ... zweifelhaft? Ich mein a) was sind das für uralte Kerle, die sich urplötzlich unsterblich in die nächstbeste jugendliche Dienerin vergucken und daraufhin nur noch darüber sprechen, wie geil die in ihrem kurzen Röckchen aussieht, wie weich ihre Lippen sind und wie schade es ist, dass sie noch Jungfrau ist, weil man sonst gleich richtig rankönne und b) was ist mit Alia falsch, die sich einfach jedem an den Hals wirft, der ihr schöne Augen macht und sie nur lange genug von anderen fernhält? Warum benehmen sich alle "erwachsenen" hier wie echt eklige Teenager? Warum ist der ach so raffinierte Elf, der angeblich seit Jahrzehnten hier im Zirkel ist, so subtil wie ein Elefant aufm Marktplatz?
Warum hat Alia absolut keine eigene Agenda? Auf den ersten 50 Seiten wird so schön die Situation aufgebaut und irgendwie hätte ich mir gewünscht, dass wir sehen, wie Alia sich aus eigener Kraft mit der neuen Situation arrangiert, wie sie neue Zukunftspläne schmiedet, wie sie das beste aus dem macht, was ihr bleibt, wie sie überlegt, worauf sie wie hinarbeiten kann. Stattdessen kommt halt, noch bevor Alia überhaupt so richtig agekommen ist, sofort dieser Elf ums Eck. Dessen einzige Qualität offenbar ist, wie sexy er aussieht und wie gut er vögelt (angeblich). Dabei könnte ich nichtmal mehr sagen, wie genau er eigentlich aussieht? Ich mein nichts gegen eine flotte Liebesgeschichte, aber die hier ging mir dann doch zu flott und zu plötzlich und grundlos vonstatten. Ehrlich, die besten Teile des Buches sind die, wo der Elf nicht in Alias Nähe darf. Dann bleibt nämlich endlich mal Zeit für sonstiges und Alias Gedanken außerhalb der Schmachterei.
Wobei dann auch mehr Zeit blieb für Plotlöcher und booooyy ist das ein Schweizer Käse, wenn man genauer hinschaut. Schon angefangen bei dieser merkwürdigen "Menschen und Elfen tauschen Geiseln aus"-Situation. Die Elfen schicken ihren Königssohn und die Menschen schicken irgendwelchen menschlichen Abfall, den sie nicht mehr brauchen - und das finden die Elfen ok so, weil Menschen leben ja auch weniger lang? WTF? Eine Geisel soll was Wetvolles sein, damit die Drohung, dass man ihr Schaden könnte, auch eine Drohung ist. Wenn die Geisel wertlos ist, funktioniert das ganze Geiselprinzip nicht? :D Warum lesen dauernd irgendwelche Magier Alias Gedanken, aber keiner von denen erfährt irgendwelche Dinge, die dem Plot abträglich wären? Zum Beispiel von diesem merkwürdigen silbernen Kästchen, das Alias versteckt hält. Warum wird Alia immer als sooo selbstlos beschrieben, kümmert sich aber eigentlich pausenlos nur um sich selber, während um sie herum lauter tatsächlich selbstlose Personen einfach ignoriert werden (der junge Diener, der sich einen Sack Gold für seine arme Familie wünscht, eine alte Dienerin, deren Tochter als Geisel zu den Elfen geschickt wurde, eine Dienerin, die Alia geduldig bei der Einarbeitung hilft)? Warum wird dauernd betont, wie gut der Elf im Bett ist und dann bietet er Alia beim Sex an, sie magisch von den Schmerzen zu befreien, die ja ganz normal seien beim ersten Mal ... wtf, Alter wenn das wehtut, bist du nicht gut im Bett, sorry to break it to you, bro. o.O
Naja - wie gesagt. War auch meine Schuld, ich hätte es besser wissen müssen und war einfach gerade nicht aufgelegt für eine flache Schmonzette.
Was gut war, war der Schreibstil - das Buch liest sich gut weg und bleibt trotz der ollen Handlung und der zweidimensionalen Charaktere spannend. Auch wenn ich jetzt zwar immer noch nicht weiß, was in diesem silbernen Kästchen ist, werde ich wohl die nächsten Bände eher nicht lesen. Zumindest nicht in naher Zukunft. Vermutlich wird da irgendwas drinsein, was Alia verrät, dass sie doch total special und mächtig ist. Was aber egal sein wird, weil sie ja die ganze Zeit bloß an den nächstbesten gutaussehenden bad boys kleben wird. Geschenkt.