Als viertes und (vorerst letztes) Beatles-Buch binnen kürzester Frist, muss man schon sehr gut sein, um bei mir fünf Sterne abzustauben und nicht ein müdes Gähnen zu ernten.
Doch Peter Doggett bringt die wirtschaftlichen Probleme und die persönlichen Differenzen in dieser Zwangsgemeinschaft auf den Punkt, belegt durchweg zuverlässig, woher er sein sein Wissen hat.
Das allein markiert schon den entscheidenden Unterschied zu Ames, der sich in ausführlichen Analysen von Pauls Beatles-Beiträgen verliert und bei Magical Mystery Tour schon Halbzeit feiert, dafür kaum Interesse an der Post-Beatles Musik McCartneys zeigt, sondern bevorzugt die persönlichen Defizite des einzigen noch aktiven Beatle aufzeigt. Oder auch zu einem Drecksammler wie Goldman, der alles ungeprüft aufliest, was zu Ungunsten von John Lennon oder Yoko Ono vorgebracht werden kann. Ein typisches Beispiel: Dogget schildert jenen Prozess, in dem McCartney seine ehemaligen Bandkollegen vor den Kadi zerrte, um dem verhassten Manager Allen Klein die Verwaltung des Vermögens zu entreißen auf 12 Seiten und widerlegt am Ende den Backsteinwurf der drei unterlegenen Beatles in McCartneys Fenster als Legende, Goldmann walzt den Backsteinwurf über den Großteil der Seite aus, lässt den Prozessverlauf und die Hintergründe aber im Dunklen, weil er den vermeintlichen Friedensapostel John Lennon bei jeder Gelegenheit als Heuchler bloßstellen muss.
Damit soll nicht gesagt sein, dass Doggett, dessen Darstellung zeitlich dort einsetzt, wo Ames Halbzeit feiert, bzw. den Wendepunkt zum Schlechteren setzt, die dunklen Seiten seiner vier Helden auslässt. Tatsächlich verlieren alle, gerade im kleinlichen Mit- und Gegeneinander viel von ihrem Nimbus, obwohl mehr als deutlich wird, dass eine Wiedervereinigung, aufgrund der Vorgeschichten und charakterlichen Defizite, die große Illusion der Siebziger gewesen ist. Als größte, da unerwartete Enttäuschung erwies sich für mich der stille Beatle George, dem ich weder derartige Alkohol- und Drogenexzesse, noch ein derart nachtragendes Verhalten zugetraut hätte. Sein Leidensdruck gegenüber dem sehr von sich eingenommenen McCartney muss über alle Maßen gewesen sein.
Aber in dieser, trotz des unterschiedlichen Umfangs und Wertes des weiteren Wirkens der Ex-Beatles, sehr ausgewogenen Darstellung kommt kein Aspekt zu kurz, auch wenn sich Doggett in keinem Thema verliert, selbst wenn er auf die Vielfalt der Perspektiven achtet.
Doggett erzählt die Geschichte von Apple bis 2009 konsequent durch und verliert dabei weder die langjährige Weggefährten noch die technische Entwicklung oder die oft enttäuschten Erwartungen oder Reaktionen der Fans aus den Augen.
Durchaus möglich, dass die durchweg erfreute und erfreuliche Rezeption durch das unlängst in nicht ganz so befriedigenden Darstellungen befördert wurde, trotzdem gab es kaum Momente des Überdrusses, wenn schon, dann eher vor dem Ansteuern eines hinlänglich bekannten Themenkomplexes, doch nach den ersten paar Sätzen stellt sich eine stärkere Sogwirkung als bei vielen Thrillern ein, wenn Doggett in knappen aber bezeichnenden Worten das volle Ausmaß der Problematik aufzeigt und dabei keinem zu viel Gerechtigkeit zuteil werden lässt.
Zum Auslaufen werde ich wohl noch ein bisschen in dem märchenhaften Bilderbuch „Beatles-Anthology“ blättern. Aber, nach aktuellen Stand der Dinge werde ich eher noch einmla „You never give me your money“ lesen, als ein weiteres Beatles-Buch anfangen.