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Andernorts

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Weshalb polemisiert der israelische Kulturwissenschaftler Ethan Rosen gegen einen Artikel, den er selbst verfaßt hat? Erkennt er seinen eigenen Text nicht wieder? Oder ist er seinem Kollegen Klausinger in die Falle gegangen, mit dem er um eine Professur an der Wiener Universität konkurriert? Ethan Rosen und Rudi Klausinger: Beide sind sie Koryphäen auf demselben Forschungsgebiet, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Rosen ist überall zu Hause und nirgends daheim. Selbst der Frau, die er liebt, stellt er sich unter falschem Namen vor. Klausinger wiederum ist Liebkind und Bastard zugleich. Er weiß sich jedem Ort anzupassen und ist trotzdem ruhelos: Was ihn treibt, ist die Suche nach seinem leiblichen Vater; sie führt ihn schließlich nach Israel und zu Ethan Rosen. Dessen Vater, ein alter Wiener Jude, der Auschwitz überlebte, braucht dringend eine neue Niere. Bald wird die Suche nach einem geeigneten Spenderorgan für die Angehörigen zur Obsession. Und selbst der obskure Rabbiner Berkowitsch hat plötzliches Interesse an den Rosens. Herkunft, Identität, Zugehörigkeit – um und um wirbelt Doron Rabinovici in seinem neuen Roman "Andernorts" die Verhältnisse in einer jüdischen Familie, deckt ihre alten Geheimnisse auf und beobachtet sie bei neuen Heimlichkeiten. Am Ende dieser packend erzählten Geschichte sind alle Gewißheiten beseitigt. Nur eines scheint sicher: Heimat ist jener Ort, wo einem am fremdesten zumute ist. »Rabinovici gelingt das Kunststück, seine Prosa unterhaltsam, elegant und leicht, zugleich aber auch ausgesprochen artifiziell, genial und mehrdeutig darzubieten.« Tages-Anzeiger

258 pages, Hardcover

First published January 1, 2010

31 people want to read

About the author

Doron Rabinovici

30 books12 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Johann Guenther.
807 reviews28 followers
April 27, 2022
RABINOVICI, Doron: „Andernorts“, Berlin 2020
Durch eine Fernsehsendung mit dem Autor wurde ich angeregt dieses Buch zu lesen. Der in Israel geborene und in Wien wohnende Rabinivici kann – bedingt durch seine Herkunft und sein Leben – auf das Leben zweier sehr unterschiedlicher Kulturen blicken, die auch in diesem Buch zum Ausdruck kommen. Zwar in Israel, wo sich seine Eltern hin geflüchtet hatten, ist er – und auch der Protagonist dieses Buches – geboren, aber dann an vielen Orten der Welt aufgewachsen. „Jahre später seid ihr nach Paris, nach London und nach New York gezogen. Aber überall warst du der Israeli; nur in Israel wurdest du zum Wiener, zum Jekke, zum Franzosen, zum Amerikaner. Schon als Siebenjähriger bist du im Hebräischen und im Deutschen gleichermaßen zu Hause gewesen. Deine Aussprache war frei von jedem Akzent, und eben deshalb warst du nirgends bodenständig, bist es immer noch nicht, sondern wirkst überall abgehoben.“ (Seite 50) Ethan heißt der Proponent und nennt sich einen Mischmasch aus Wien und Tel Aviv. Auf den Reisen zwischen den beiden Ländern werden Mozartkugeln und Manner Schnitten von Wien nach Tel Aviv gebracht und Falafel, Humus und hebräische Literatur in umgekehrter Richtung als Gastgeschenke transportiert.
Die Familie war mehrmals geflüchtet. Der Sohn, der letztlich nur ein „halber Sohn“ war, wurde in Israel geboren. Übersiedlungen veränderten das Leben und die Gewohnheiten. Als sie von Israel nach Wien übersiedelten fiel dem Jungen auf, dass er, um aus dem Haus zu kommen, einen Schlüssel brauchte. „In Tel Aviv hatten die Türen offen gestanden. ... Nach dem Sechstagekrieg lagen noch Sandsäcke vor den Eingängen.“ (Seite 229) In Wien fehlten ihm auch die Spielkameraden, die er in Israel auf der Straße fand. „In Tel Aviv sagte ein einstiger Freund aus dem Kindergarten, die Rosens seien Abtrünnige und Verräter, aber in Wien erklärte ihm ein Klassenkamerad, der jüdische Staat in Zion sei doch nichts als Rassismus. Seine Existenz stand unter Misskredit.“ (Seite 231)
In diesem Zwiespalt wuchs der Junge auf und wurde ein, in Wien anerkannter, Wissenschaftler, der auch international lehrt. Seine Eltern wohnen in Israel. In der Funktion des Wissenschaftlers schreibt er einen Artikel über seinen verstorbenen Freund Dov Zedek. Zu seinem Nachruf kommt ein Gegenartikel von einem Kollegen, der sich um dieselbe Stelle an der Wiener Universität bewirbt.
Das Buch nimmt ab hier an Fahrt auf, als dieser, bisher unbekannter außerehelicher, Sohn auftritt, der gleichzeitig ein Mitbewerber für Ethan wird. Für eine Position, die auf ihn zugeschnitten ist. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Irgendwie könnte es auch das Konzept einer Biedermeierkomödie sein, aber es spielt in einer jüdischen Kultur und hat ein hohes Niveau. Der Vater hat eine Niere seiner Frau, die versagt und er erkrankt. Ethan reist nach Israel. Dort tritt auch der Bruder in sein Leben. Der Vater stirbt und hinterlässt ein Chaos. Ein Rabbiner sah im Vater einen Vorfahren des ungeborenen Messias. Die schwangere Mutter wurde im Zweiten Weltkrieg ermordet. Mit den Samen des Vaters könnte man – so die Ansicht des berühmten und konservativen Rabbiners – den Messias im Labor züchten. Aber der Vater stirbt, bevor die Idee des Rabbiners umgesetzt werden kann. Bei den Untersuchungen zu einer „Nachzüchtung“ über die Söhne stellt sich heraus, dass er für beide nicht der Vater ist. Es kommt zu Streit und Zank, das noch am Begräbnis des Verstorbenen anhält, obwohl der Rabbiner in seiner Rede sagt „Es ist unsere Pflicht, so steht es geschrieben, über einen Verstorbenen nur Gutes zu sagen.“ (Seite 280) Unabhängig vom Konstrukt dieses Romans wird der Leser in die Unterschiedlichkeit der jüdischen zur europäischen Kultur eingeführt.
Profile Image for Steffi Iron.
32 reviews
January 17, 2019
"Ohne Heimlichkeiten kein Heim" Wie wahr ist das. Wer kennt schon alles über seine Familie? Seine Vorfahren. Wie subjektiv gefärbt sind die Geschichten der Mutter, Vater, Oma oder Opa von "früher"? Nicht selten erfährt man erst kurz vor dem Ableben Geschichten, bzw. lebenslange Rücksäcke werden einem vor die Füße geworfen, weil vor dem endgültigen Abschied doch noch reiner Tisch gemacht werden muss. Eine wirklich gelungene Familiengeschichte, mit unglaublichem Sprachwitz erzählt. Überraschend, frisch und mit einer endlich anderen Perspektive auf die Glaubensfrage bzw. Judentum. "Sein Jersualem war immer andernorts und überall zugleich. Er war ein Zwischenraum zu Hause, wo ein Mensch auf den andern trifft". Wenn ich Maxim Biller treffe, muss ich ihm diese Buch schenken!
Profile Image for Margit.
Author 1 book4 followers
March 2, 2012
I think it was okay, and really quite liked it. Somehow it didn't seem to be able to fulfill its potential, getting bogged down in how everybody was miraculously related to everybody else, and how that came about which isn't that fascinating. Its real topic seems to be dialectics, and it would have been more interesting to develop that thread.
Profile Image for Sanju Hans.
33 reviews
May 28, 2013
Was erst einen nach einem Roman im engsten akademischen Kreis aussah und zuweilen etwas geschwätzig wirkte, stellte sich schlussendlich als sehr gefühlsvolle Familien- und Brüdergeschichte heraus. Spannend geschrieben und ausdrucksstark die Befindlichkeiten der heutigen israelischen Gesellschaft darstellend. Trotz tragischen Verwicklungen fehlt der vielgerühmte jüdische Humor keineswegs.
Profile Image for Flo Kraeftner.
14 reviews2 followers
Read
August 4, 2011
"hier musste jeder jedem seine nase in den arsch stecken, um ihm dann einfühlsamst mitzuteilen, es rieche da nicht nach rosenöl." und der messias kann leider doch nicht geklont werden.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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