KRIMINALROMAN - Nach MEIER (Glauserpreis 2020 und Krimibestenliste) der neue harte Krimi von Tommie GoerzDie Polizei, dein Freund und Helfer? Nicht für Frenzel . Verkorkste Jugend, Kleinkriminalität, Drogen, schließlich Körperverletzung mit Todesfolge und sieben Jahre Knast . Seitdem haben sie ihn auf dem Schirm. Überall und immer. Frenzel wird kein Freund der Polizei mehr. Er lässt aber auch keine Gelegenheit aus, sich mit ihr anzulegen. Als sich in seinem Umfeld irgendwann Dinge ereignen, über die er anders denkt als die Hüter des Gesetzes, will er es wissen. Denn vier Leichen sind kein Zufall mehr. Er beginnt zu ermitteln – auf eigene Faust und mit ganz eigenen Methoden. Und er kann anders arbeiten als die Polizei. Schneller, direkter und vor jenseits des Gesetzes. So gerät er immer tiefer in den Sumpf der Vergangenheit und bringt Dinge ans Tageslicht, die längst unter der Erde waren ...
Die Geschichte ist recht linear angelegt, der Protagonist ist als „Outlaw“ mit allen Wassern gewaschen, hat mehr Tiefen als Höhen erlebt und ist wirklich eher jemand, der (selbstgewählt?) etwas im Abseits steht. Natürlich gibt es gute Gründe für seine Reserviertheit, und die werden auch plastisch und anschaulich beschrieben (und viele Fußballfans werden viele Motive wiedererkennen). In gleicher Weise werden seine Mechanismen beschrieben, sich „in seiner eigenen Welt“ gut zurechtzufinden und seine „Fäden zu ziehen“.
Dass er (für mich) entgegen der Erwartung dann doch in die Aufklärung der (zunächst) Vermisstenmeldung einsteigt, war für mich nicht zwingend, aber letztlich braucht‘s natürlich ein Motiv, und vielleicht liegt das dann halt einfach in den losen Kneipen-Bekanntschaften.
Etwas wilder wurden dann die „Ermittlungs-“Methoden, die Frenzel an den Tag legt, und ebenfalls konnte ich nicht so sehr mitgehen, dass die Kooperation der entsprechenden Personen so weit ging. Hier hinkte die Geschichte an einigen Stellen. Auch das Auftauchen (und wieder zufriedene Weggehen) diverser Polizisten war für mich nicht restlos schlüssig.
Das (allerletzte) Ende fand ich etwas enttäuschend. Vielleicht ist‘s schlüssig und konsequent, für mich hätte es gut einfach eine Seite vorher mit der Geschichte beendet werden können.
In der Summe ist‘s (wie z.B. „Unternehmen Vendetta“) ein nett zu lesender „Action-Krimi“, in dem wenig Rückschläge, dafür aber ein Protagonist mit Superkräften und Supermöglichkeiten vorkommen.
Gut zu lesen, hier und da aber für mich noch nicht auserzählt.
Der titelgebende Protagonist "Frenzel" ist ein unvergesslicher Charakter. Er könnte auch eine Figur von Jörg Fauser sein. Mit diesem kurzen Roman über den Sonderling hat sich Tommie Goerz nach dem großartigen "Meier", dem Gewinner des Friedrich-Glauser-Preises 2021, noch einmal gesteigert. Das Buch aus dem Jahr 2022 ist einer der ungewöhnlichsten und interessantesten deutschsprachigen Kriminalromane der letzten Jahre.
Korrupte Provinzpolizisten, bayrisches Spießertum, Hängengebliebene und mitten drin ein Ex-Knacki, der in den 12 Jahren, in welchen er nicht frei über seinen Aufenthaltsort bestimmen konnte, einiges gelernt hat.
Eine kurze Geschichte, die zwischen Regensburg, Kitzingen, Kulmbach und Nürnberg angesiedelt ist, ein gutes „Der Alte“-Drehbuch hergeben würde und den Machtmissbrauch bei der (bayrischen) Polizei thematisiert.