Wie weiterleben, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt? Mit seinem Tagebuch einer Krebserkrankung lässt uns Christoph Schlingensief teilhaben an seiner eindringlichen Suche nach sich selbst, nach Gott, nach der Liebe zum Leben.
Dieses Buch ist wirklich sehr bewegend. Gerade die Auseinandersetzung mit dem Tod bezogen auf das Künstler-Dasein fand ich sehr Interessant, auch die Passagen in denen er über Beuys schreibt (der ist ja eh der Wahnsinn) sind inspirierend. Er sagt bei seinem Job “bringen sie sich auf der Bühne um und gehen danach Pizza essen”. Das man, wenn man dann tatsächlich stirbt, nicht im Anschluss Pizza isst, wird leider allzu deutlich klar. Er schreibt “Eins ist sicher, dass man zerstörbar ist”. Es ist so gruselig darüber nachzudenken, wie wahr das ist und ich dachte die ganze Zeit beim lesen, dass er das irgendwie noch überlebt (obwohl ich natürlich wusste, dass das nicht der Fall sein wird). Auch seine Religiösität und die Wut auf Gott fand ich sehr faszinierend. Ich glaube, er hat eine kluge Art damit umzugehen, auch wenn mir das Gerede von Maria und Jesus dann doch etwas zu doll war. Alles in allem schätzt man das Leben nach diesem Buch echt noch mal einen Schnuff mehr.
“Aber ich muss trotzdem sagen, diese Sache mit Gott ist echt noch offen. Würde mich sehr interessieren, warum Gott solche Radikalmaßnahmen von den Menschen fordert. Es passiert so viel Leid, dass ich mit Gott wirklich meine allergrößten Probleme habe”
“Will er mich operieren oder will er mich schlachten?”
“Also, es ist sehr positiv und geht jetzt auch so weiter. Gute Nacht und danke.”
Als ich vor ein paar Monaten mit meinem Vater zufällig auf einen Dokumentationsfilm von Christoph Schlingensief gestoßen bin, hat mich dieser Künstler sofort auf sehr vielen schönen Ebenen berührt und ich entschied mich dazu, mich seinen Gedanken in Buchform zu widmen und fühlte mich in einigen Passagen sehr verstanden und aufgehoben. Ich hätte am liebsten endlos weitergelesen und mir seine Gedanken weiter angehört! Ein sehr schönes Buch, was mich sehr zum Nachdenken bringt und nun zur Liste meiner Lieblingsbücher gehört.
“Ich weiß ab heute, wo es langgeht. Was ich im Moment konkret tun kann, ist langsam gehen. Langsam gehen, Bäume, Tiere, Kinder anschauen und Blödsinn machen beim Kaffee und Kuchenessen. Und dann wieder weiter-gehen. Und die Sonne spüren. Und kurz anhalten, atmen, langsam machen. Und wenn ich mal zu schnell bin, sage ich mir: Lass dir Zeit, Alter, die Entschleunigung hat begonnen. Das ist einfach, das ist ganz einfach. Ich werde zart mit mir umgehen und schauen, wie ich meine Ängste ein wenig regulieren kann. Aber im Nichts vergehen, das habe ich nicht vor, beim besten Willen nicht. Dazu habe ich noch viel zu viel Kontakt zu dieser Erde und zu den Gedanken, die da alle noch herumkreisen. Da gibt es noch so viel zu erzählen und so viel aufzuschreiben. Das werde ich einfach durchsetzen. Das werde ich beweisen.
[…]
Das Schlimmste ist diese Angst vor dem Unbekannten. Die macht mich fertig. Als mein Vater starb, hatte er dieses Lächeln auf den Lippen, sah wirklich glücklich und erlöst aus. Aber mich hat dieses Lächeln schon damals nicht richtig getröstet. Das war für mich ein Lächeln irgendeiner Geheimgesellschaft, die mich ausschließt. Ich bleibe zurück, und der lächelt schon mit anderen herum. Und demnächst muss ich dann selbst zu denen los. Dann rattere ich alleine wo auch immer hin. Ich habe aber keine Lust, die Toten und was weiß ich wen zu treffen, ich habe keine Lust, in so einen Geheimklub abzuhauen, wo man milde lächelnd auf die Erde guckt. Ich habe keinen Bock auf Himmel, ich habe keinen Bock auf Harfe spielen und singen und irgendwo auf einer Wolke herumgammeln.”
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A book that tries to fight cancer by exposing it in all its cruel reality. Very raw and unfiltered, personal thoughts of Christoph. I liked it, I admire his honest style. It obviously is nothing close to a novel or an entertaining narrative, it is a very private account of fear, hope, memories and the struggle to find the right emotions, to decide whether or when to cling on to life or to succumb to fear and let go.
Schon allein der Titel hat mich umgehauen. Die Ehrlichkeit der Erzählung hat mir sehr gefallen. Die immer schwankenden Gefühle, von traurig, beklemmend bis hoffnungsvoll und das Leben feiernd. Einfach toll und so wahnsinnig echt!
Aufzeichnungen aus dem Jahr 2008, in dem bei dem bekannten Regisseur und Aktionskünstler Krebs ein Adenokarzinom diagnostiziert wurde.
Einige Zitate:
"Ich zweifle gerade viel, auch an meinem Glauben. Und ich habe Angst, auf der Flucht vor dem bösen Geist, der mich bedroht, meinen Schutzheiligen zu überfahren." (S. 43)
"Ich glaube, dein größtes Versäumnis ist dein Vertriebsnetz. Du hast nicht versagt bei meiner Krankheit oder bei anderen Krankheiten, oder bei all den Misständen auf der Welt, du hast versagt in dem Vertrieb deiner Ideen." (S. 53)
"...dass es im Kern um eine Beziehung zum Leben geht, die auch den Tod integriert, die auch das Scheitern mit einbezieht, die nicht nur von Schönheit und Erfolg ausgeht, sondern auch mit Hässlichkeit und Misserfolg rechnen lernt. Dass man sich dem Zöllner und der Hure näher fühlen sollte als dem Pharisäer." (S. 56)
"Warum konnte ich mich und meine Sachen nicht einfach mögen, egal, was die anderen gesagt haben? Warum habe ich nicht einfach das Leben genossen?" (S. 246)
"Du musst aus dem, was du jetzt hast, Fülle spüren, aus dem Weiterwurschteln und Basteln. Und zwischendurch sagst du dir: Ich kann jetzt nicht mehr, ich muss mich hinsetzen. So muss es dann eben sein." (S. 234)
Ja also war ganz gut, ich hab auf jeden Fall mitbekommen, dass es sehr wichtig ist Leute im Krankenhaus zu besuchen und auch nicht damit aufhören und auch nicht nur 20min. Ich tu mal so und sag: hat mir die Augen geöffnet
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Can't go on, not even because it's depressing - it's not depressing at all, it's annoying, it's self-assertive, it's spiteful, it's not even gramatically correct. It is just a diary. And it's ok that someone kept a diary during his cancer treatment, maybe it could help others going through the same thing, at least it helped him - but this does not make a book. This is so far from a book that it turns into a journal of mere narcissistic, hateful thoughts and feelings, a log of whining and of what was for lunch in the hospital that day and how long it takes to fall asleep.
I am angry and disappointed, because "der Schlingensief" took up such a sensitive, difficult topic about which not many people have the courage and the strength to write - or to read, and messed it up with panache.
Ein Buch über einen Kampf um Leben und Tod. Das Buch lässt einen über sein eigenes Leben und die lebensführung nachdenken. Bis zum Schluss war dieses Buch lebensbejahend und man hat gemerkt wie sehr er leben möchte! Wie stark er den Krebs besiegen möchte. Nichts desto trotz hat er sich von den schlechten Tagen berichtet, in denen er sich aufgeben hat und nicht mehr wollte. Das Buch hat mich sehr berührt..
An dieser Stelle verzichte ich auf irgendwelche fast lustigen Worte und sage nur: Ein Tagebuch über den Tod und das Leben. Mit Tränen, Freude, Liebe und Hassreden. Mittendrin Christoph Schlingensief, als tragischer Protagonist seines eigenen Ablebens.
Was ich mitnehme? Das kann ich jetzt nicht sagen. Ich muss denken.
„Die Angst ist gelandet.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 27)
„Da wurde ich ganz weich, mein Vater war auch irgendwie da, alles war warm, und ich habe mich aufgelöst in der Hitze und in der Feuchtigkeit.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 48)
„Sich selbst im Fallen zu begreifen... sich fallen zu lassen ist schwer.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 48)
„Sind wir denn ein unverständliches, an einem Regennachmittag auf eine beschlagene Fensterscheibe geschriebenes Zeichen?“ (Elizondo in Schlingensief 2012 [2009]: 50)
„Das ist ein unschlüssiges Leben hier, das genau aus dieser Unsicherheit seine Kraft bezieht. Und ich will, dass man das wahrnimmt: Es gibt genug Leute, die wissen, dass es für sie keinen schlüssigen Schluss geben kann.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 77)
„Zurzeit habe ich am meisten Angst davor, nicht im eigenen Bild sterben zu dürfen, irgendwelchen Fremdbildern ausgeliefert zu werden.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 86)
„Da hat sie mir einfach die Hand auf den Kopf gelegt. Und ich habe gespürt, wie gut mir solche Gesten der Wärme tun, wie schön es ist, einen Funken Liebe zu empfangen.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 111)
„Ich habe nun etwas zu erleben, was ich momentan nicht begreife.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 135)
„Über das Schöne kann ich mich nicht richtig freuen, weil ich immer an die Dornen denke, und wenn ich bei den Dornen bin, dann bleibt nur die Sehnsucht nach dem Schönen.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 159)
„Mein Papa hat am Ende, als er mit seinen letzten Atemzügen so langsam wegflog, diesen Frieden gefunden.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 168)
„Mein Herz muss das Gefühl bekommen, dass es sich mal wieder dehnen darf.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 195)
„Ich werde in mich reinhören, wie Patti gestern gesagt hat, etwas fühlen und mir sagen: Hör lieber weiter zu.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 200)
„Es geht rauf und runter, aber zarter als die letzten Wochen.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 268)
„Und dieses Leben, sei es auch noch so kurz, beinhaltet den Zweifel und das Glück, das Wissen und das Unwissen.“ (Schlingensief 2012 [2009]: 310)
So schön wie hier kann es im Himmel nicht sein war richtig traurig und hat mich emotional echt mitgenommen. Es tut weh, aber irgendwie hilft es auch, das Leben ein bisschen bewusster zu fühlen. Trotzdem – aua. Das hat definitiv meine Gefühle verletzt.
Tief bewegend und unglaublich persönlich, als Schlingensief weinte, weinte ich auch. Er zeigte seine Angst und seine Wunden, damit wir sehen können, um zu verstehen.
Gegen Ende wurde das Buch sehr bewegend und gut. Zwischendurch fand ich das Religionsgerede sehr sehr schwer und anstrengend, weshalb ich echt ewig für das Buch gebraucht habe.
SCHLINGENSIEF, Christoph: „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! Tagebuch einer Krebserkrankung“, Köln 2009 Der Titel des Buches sagt schon alles über den Inhalt. Der erfolgsverwöhnte Schlingensief kämpft mit der Diagnose Krebs zu haben und beschreibt seine Eindrücke und Gedanken. Er teilt sein Inneres mit der Lesergemeinschaft. Hadert mit der Kirche: „Nicht zuletzt wünsche ich der Kirche, dass sie aufhört, uns mit den Geheimnissen des Jenseits unter Druck zu setzen. Das Leben ist zu schön, um uns Menschen permanent mit kommendem Unglück zu drohen.“ (Seite 10) So wie jeder Mensch will er leben. „Natürlich möchte ich am liebsten noch einmal 47 Jahre leben. Ist doch klar. Wer den nicht?“ (Seite 100/101) Er beginnt die kleinsten Kleinigkeiten zu schätzen. „Es geht um dieses Gefühl, dass es in der Welt, direkt vor meiner Nase, so viele wunderschöne Sachen gibt. Das kann ein Baum sein, ein leckeres Essen, alles, was mir jetzt mehr bedeutet als jemals zuvor.“ (Seite 103) Und die Hoffnung lebt auch in den schlechtesten Momenten des Lebens. „Außerdem glaube ich, dass man sich Wünsche wünschen kann, Und diese gewünschten Wünsche gehen dann manchmal in Erfüllung.“ (Seite 112) Er findet wieder einen Weg zur Kirche und zur Religion. Drei Heilige sind es, die für ihn wichtig sind: Maria, Gott und Jesus. „..für mich steht Maria für Liebe, Wärme, Zuneigung, Geborgenheit, Mutter, Schwester …. Die Begleiterin durch den dunklen Gedankenwald.“ (Seite 127) „Bei Jesus liegen die Dinge schon komplizierter. Er ist derjenige, der das Leidwesen in die Welt gebracht hat…“ (Seite 127/128) „Gott ist für mich natürlich das Prinzip, das alles miteinander verbindet. Natürlich auch Christen, Buddhisten, Hinduisten und ich weiß nicht wen. Alle Kräfte gehören zusammen. Daher gibt´s auch keinen Anfang und kein Ende.“ (Seite 128) Er versucht herauszufinden, was der Auslöser seiner Krankheit war und gibt dann auf „…man muss nicht für alles einen Schlüssel finden.“ (Seite 173) Wie es ausgeht lässt das Buch offen. Nachdem der eine Lungenflügel entfernt wurde wird der zweite von den bösen Zellen befallen. Mit Tabletten versucht man zu reparieren. Ob es hilft? „Das Schlimmste ist die Angst vor dem Unbekannten.“ (Seite 247)
So kraftvoll seine Inszenierungen waren, so larmoyant ist dieser Text. Ja, die Diagnose Krebs ist kein Witz; und die schwere OP sowie nachfolgende Chemo, die Schlingensief in dem Buch beschreibt (das vornehmlich das erste Quartal der diagnostizierten Erkrankung und der ersten therapeutischen Maßnahme abdeckt), sind alles andere als ein Spaziergang.
Das Buch zeigt sehr deutlich auf, daß jeder Mensch, den ein solcher Schlag trifft, auf seine Weise damit umgeht. Und nicht jeder ist derart mit sich selbst und der Jammerei darüber befaßt, daß sein Leben nun wirklich erkenntlich endlich ist, wie Schlingensief - der sogar so weit geht, dicke Tränen darüber zu vergießen, daß er seiner Frau vermutlich sehr fehlen wird.
Er war ein Egomane im Leben und ein Egozentriker im Sterben. Aus der Egomanie konnte Schlingensief, wie wir alle wissen, schöpferische Kraft ziehen. Aus der Egozentrik zog er offenbar nur noch Selbstmitleid und Dünnhäutigkeit.
Es steht mir nicht an, diesen Umgang mit der letztlich tödlichen Krankheit weitergehend zu beurteilen. Als Buch ist der Text aber leider nicht zu empfehlen. Wer sich damit auseinandersetzen will, wie Menschen mit so einer Diagnose und der entsprechenden Medizintortur umgehen, ist mit anderen Berichten besser bedient. Zumal Schlingensief auch sprachlich weit hinter dem zurückbleibt, was man von dem gesunden, eloquenten Schlingensief kannte. Nun ist nur noch alles "ganz, ganz schlimm" oder "ganz, ganz schön" oder "so richtig toll".
Schade um die Zeit, die ich mit diesem - zum Glück dünnen und flott zu lesenden - Bändchen zugebracht habe.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich vor diesem Buch mit dem Namen Christoph Schlingensief nicht besonders viel anfangen konnte. Und um ehrlich zu sein, hat dieses Buch mich auch nicht unbedingt dazu animiert mich tiefergehend mit seiner Person zu beschäftigen. Manchmal gelang es mir einfach nicht seinen Gedankengängen zu folgen. Das was mich an diesem Erfahrungsbericht fasziniert, ist dass man sowohl an den Höhe-, als auch an den Tiefpunkten teilhat, die eine Krebserkrankung für das seelische Gleichgewicht mit sich bringt. Der Leser bekommt zu dem mit, das es als Angehöriger nicht immer leicht ist, dem Betroffenem beizustehen und das man dessen Situation nur bis zu einem gewissen Grad nachempfinden kann. Ich konnte mich wie bereits erwähnt nicht unbedingt mit seiner Erzählweise anfreunden, aber dies ist nunmal kein Roman, sondern das richtige Leben und ich glaube auch, dass es nicht in Herrn Schlingensiefs Intention lag, damit Mitleid zu erwecken oder Effekte zu haschen.Vielmehr erscheint es mir wie eine Form der Therapie zwischen zwei Buchdeckeln. Ich habe jedoch sehr großen Respekt davor das er den Leser so tief in sein Seelenleben blicken lässt, in der wohl schlimmsten Zeit seines Lebens.
Wie alles in seinem Leben trägt Christoph Schlingensief auch seinen Kampf gegen den Krebs in der Öffentlichkeit aus. Er erlaubt dabei tiefe Einblicke in die Psyche eines Krebskranken, der nicht weiss, ob ihm noch Zeit auf dieser Erde bleibt. Besonders beeindruckend ist die Schilderung der sich in schneller Weise abwechselnden Hochs und Tiefs, die für Aussenstehende wohl nur schwer nachzuvollziehen sind. Krebskranken selber würde ich das Buch nicht als Lektüre empfehlen, Angehörigen aber sehr wohl.
Christoph Schlingensief hat mit diesem Buch eine schöne poetische (was wäre auch anderes zu erwarten von diesem großen Regisseur) Beschreibung einer der schlimmsten Krankheiten hervorgebracht. Durch tagebuchähnliche Einträge bekommt man einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt Schlingensiefs.