"Königin der Meere" ist ein mitreißender Roman über das Leben der schönen und klugen Piratin Anne Bonny. Mit ihren unerschrockenen Raubzügen lehrt sie die Männerwelt der Karibik das Fürchten. Katja Dubek erzählt die Abenteuer einer Freibeuterin, die es Anfang des 18. Jahrhunderts wirklich gegeben hat.
Das Buch beruht auf der Lebensgeschichte der Anne Bonny, welche neben Mary Read (die auch im Buch vorkommt) die einzige bekannte Piratin der Geschichte ist. Anne Bonny verkleidet sich als Mann und nimmt promt Reiß aus als ihr Vater sie mit einem reichen Schnösel verheiraten will. Sie heuert auf einem Kaperschiff an und geht in die Geschichte ein. Der Charakter der Anne Bonny fand ich gelungen dargestellt. Eine starke Frauenpersönlichkeit, die jedoch nicht glorifiziert wird. Anne ist von Kind an sehr temperamentvoll und will sich nicht den Konventionen beugen. Dass dieses Temperament jedoch nicht immer sympathisch ist und sie teilweise unberechenbar macht, wirkt viel realistischer als wenn sie einfach nur ein wildes aber unschuldiges Mädchen wäre. Sogar Anne Bonnys furchtbarer Männergeschmack hat mich nicht sonderlich gestört. Natürlich musste ich über ihre Entscheidungen den Kopf schütteln, aber die Umsetzung war hier nicht wie in einem Schnulz-Teenie-Roman in dem die hormongesteuerte Protagonistin ihrem Love-Interest alles sofort verzeiht egal wie mies er sich benimmt und sich dabei selbst aufopfert. Anne Bonny wird nie unterwürfig, sie ist auch letztendlich in jeder Situation die Überlegene. Ihre Schwäche für miese Typen ist in diesem Fall eben nur eine menschliche Schwäche die sie realitätsnaher und nicht perfekt scheinen lässt. Man muss ihr zu Gute halten, dass sie sich nie unterkriegen lässt und weder sich noch sonst irgendetwas für einen Mann aufgibt. Dementsprechend gibt es hier glücklicherweise keine Liebesgeschichte, sondern eine spannende und gut recherchierte Darstellung der Piraterie.
Ich würde dem Buch gerne vier Sterne geben, allerdings wäre das gegenüber "Vom anderen der Welt" von Liv Winterberg nicht fair. Letztere hat bezüglich des Seemannsleben und welche Schwierigkeiten eine Frau überwinden musste um sich als Mann verkleidet auf einem Schiff einzuschleusen, deutlich besser recherchiert und ausgearbeitet. Vieles was Winterberg sehr detailliert beschreibt, wird von Doubek weg gelassen und teilweise auch etwas beschönigt. Daher nur 3,5 Sterne für wirklich gute und spannnende Unterhaltung.
Katja Doubek hat die Geschichte der Piratinnen Anne Bonny und Mary Read wahnsinnig gut erzählt (natürlich mit der entsprechenden künstlerischen Freiheit). Sie schreibt und wir als Leser erleben alles mit den Freibeutern gemeinsam. Ich lese es seit Jahren immer wieder und es wird ein Liebling von mir bleiben!
Wieviel Rassismus in Form von rassistischen Begriffen und für die filktionale Story völlig unnötigen Trauma Porn gegenüber rassifizierten Personen kann man in einem Buch unterbringen? Katja Doubek & Goldmann: JA!