Es ist wieder ein Serienkiller in LA unterwegs. Diesmal scheint es ein rastloser Täter zu sein, der seine Opfer – junge, aufstrebende Künstlerinnen und Musikerinnen – auf höchst brutale Weise sterben lässt und ihnen vorher bei lebendigem Leib Mund und Geschlechtsorgan zunäht.
Detective Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia werden darauf angesetzt, den Mörder zu finden – schließlich haben sie ihr Können in Bezug auf Serientäter schon mehrfach unter Beweis gestellt. Doch diesmal sind sie nicht die einzigen, die den kaltblütigen Verbrecher finden wollen: auch die Privatermittlerin Whitney Myers macht sich auf die Suche. Und das nächste Opfer wird schon eifrig vom Täter beobachtet…
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Ahja, Robert Hunter. Ich glaube, wir zwei werden keine Freunde mehr.
Einerseits habe ich das Gefühl, dass sich die Handlung in jedem Buch wiederholt. Muss es denn immer ein Serienmörder sein? Jetzt mal ehrlich, selbst in LA rennen nicht so viele Serientäter rum. Ich glaube, mal ein Fall mit EINEM Opfer, dafür etwas verzwickter, wäre eine angenehme Abwechslung. Dieses das-nächste-Opfer-verschwindet wird langsam alt.
Andererseits hat sich der Autor mit Robert Hunter auch einen ziemlich langweiligen Ermittler geschaffen. Er ist so glattgeschliffen und perfekt (durchtrainiert, liest viel, Doktortitel mit 23 Jahren, Doktorarbeit ist Pflichtlektüre an der Polizeiakademie, alle kennen ihn, alle bewundern ihn…). Es bleibt wenig Platz für Menschlichkeit bei dieser Figur, deshalb kann man (oder: ich) nur schwer einen Draht zu ihm aufbauen.
Dazu kommt, dass Carter eine Phrase hat, die er in JEDEM Buch mehrfach verwendet (zumindest gefühlt). Und die lautet: „Versprechen Sie mir, dass sie dieses Monster finden/stoppen/zur Strecke bringen!“. Echt, das kommt immer wieder vor. Dabei ist das eine ziemlich unsinnige Sache zu sagen. Wie kann man das versprechen? 1. Kann man doch gar nicht garantieren, dass man das Versprechen einhalten kann und 2. Tut die Polizei doch auch ohne dieses Versprechen ihr Möglichstes, den Täter zu finden.
Des Weiteren scheint Chris Carter davon überzeugt zu sein, dass Grausamkeit und Brutalität = Spannung ist. Let me tell you, Chris: it isn’t. Sich jeden Band an Blutrünstigkeit überbieten zu wollen, macht den Thriller nicht more thrilling. Arbeite lieber an den Vibes. Die sind nämlich nicht so scary. Man liest es halt so runter, ohne was zu fühlen. Und bei einem guten Thriller möchte ich schon etwas Spannung fühlen.
Der Titel passt im Übrigen irgendwie kaum zum Inhalt. Manchmal glaube ich, die deutschen Verlage würfeln bei der Übersetzung von Thrillern einfach irgendwelche gruseligen Wörter zusammen und bilden daraus dann einen Buchtitel.
Für mich war das Nervigste jedoch der kaum verschleierte Sexismus, der in jedem Kapitel des Buches mitschwingt. Die konkurrierende Ermittlerin wird von Hunter wiederholt „Tausendschön“ genannt, obwohl sie sich direkt mit ihrem Namen vorgestellt hat. Captain Blake, die Vorgesetzte von Hunter und Garcia, ist so doof und naiv, dass man ihr alles nochmal extra erklären muss. Ich weiß, der durchschnittliche Lohnarbeiter lästert gerne über seinen Chef, aber ganz ehrlich: die meisten Chefs sind Chefs, weil sie ziemlich gut in ihrem ursprünglichen Job sind. Warum dann also die Chefin hier so megadoof sein muss, kann ich nur schwer verstehen. Starke Frauenfiguren? Hat Chris Carter auch nach drei Büchern nicht gelernt.
Als positive Notiz zum Abschluss möchte ich sagen, dass das Buch bisweilen schon Spaß gemacht hat und zumindest so spannend war, dass man gerne weiterlesen mochte. Man kommt gut rein und es ist einfach zu lesen. Manchmal fast zu einfach – ein großer Literat isser halt nicht, der Chris.
Ich will jetzt auch gar nicht sagen, dass die meine Reise mit dieser Reihe hier vorbei ist, aber ich glaube, ich brauch jetzt erstmal ein bisschen Pause von Hunter und Garcia. Hoffen wir, dass Band vier dann wieder besser wird, wenn ich ihn irgendwann angehe.