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270 pages, Paperback
First published January 1, 1459
Und sie, der einst ich treu ergeben
mit Herz und Sinn in Einfalt war,
bis dann hinfort mein ganzes Leben
zu Kummer ward und Schmerz sogar,
hätt sie zu Anfang gleich gesagt,
wie sie gesonnen, leider nein!
so hätte ich nicht lang gefragt,
aus ihrem Netz mich zu befrein.
Wovon auch mocht die Rede sein,
sie war zu lauschen stets bereit
und sagte weder ja noch nein,
sie litt es auch von Zeit zu Zeit,
dass ich ein wenig näher rückte,
und trieb so ihren Scherz mit mir,
und was ich sagte, sie entzückte,
sie machte mich zum Narren schier.
(...)
Die Liebe hat mich lang genarrt,
ich hab vor ihrer Tür getanzt.
Kein Mann ist je so schlau und hart,
wär er wie Silber fein gestanzt,
selbst Hemd und Wams gäb er noch her.
Doch keiner ward wie ich geprellt,
verspottet bin ich um so mehr:
ein abgeblitzter Liebesheld!
Drum schwör ich ab und fluch der Liebe,
in Glut und Blut verzehr sie sich.
Wenn sie auch in den Tod mich triebe,
sie schert sich keinen Deut um mich.
Die Fiedel leg ich auf die Bank,
ihr Buhlen, ich tanz aus der Reih,
wenn ich auch ehdem mit euch sang,
erklär ich jetzt: das ist vorbei.
(S. 85f)