Wolf Zieger alias York, aus der DDR stammend, stellt sich als Kundschafter in den besonderen Dienst seiner Republik. Im Westen arbeitet er nach Vorlage einer widerspruchsfreien Biographie in der Bonner Politikverwaltung, verheiratet mit Dorle, einer Sekretärin im Verteidigungsministerium; hinter ihm liegen neun Jahre fehlerloser Praxis als Spion. Doch Dorle wollte ein Kind, auch Wolf wollte es. Nur noch ein Auftrag war abzuwickeln, dann wollte er die Arbeit aufkündigen. Doch die wollten ihn nicht entlassen. Wolf entschied sich, seinen Dienst aufzugeben, er wollte sich stellen, Dorle gab ihm den Rat, "das Land, in dem er lieber vor Gericht geht, muß man vorziehen". Wolf entschied sich.
Martin Walser was a German writer. He became famous for describing the conflicts his anti-heroes have in his novels and stories. In 1998 he was awarded the Peace Prize of the German Book Trade in Frankfurt. He was also the father of authors Johanna Walser, Theresia Walser and Alissa Walser.
Noch nie hat jemand einen Macht unausgeübt gelassen. (S. 10)
Wie sehr darf eigentlich, was man denkt, dem, was man tut, widersprechen? Wie viel Unvereinbarkeit erträgt man in sich? (S. 14)
Er selber brauchte das zweihändige Spiel schon gar nicht mehr. Er hörte die andere Hand immer ganz genau mit. (S. 31) - der unsichtbare, allgegenwärtige Beobachter/Überwacher; immer mit einkalkuliert
Wolf merkte, dass Dorle eingeschlafen war, also las er stumm weiter. Er genoß die großen Wörter. Mit ihrer Hilfe konnte er sich fast komisch vorkommen. (S. 34)
Er hätte sich mit Sylvia nicht in einem kleinen schäbigen Hotel treffen können. Das Hotel durfte nicht wie eine Strafe wirken für das, was man darin tat. Betäubungskraft musste es haben. Eine höher verschwommene, also unangreifbare Legitimierungsqualität musste es ausstrahlen. (S. 40)
Aber je länger die Psychoanalyse dauerte desto nötiger wurde sie. (S. 41)
Er sehnte sich nach Gefühlen, denen er zustimmen konnte. Er konnte nicht ewig im Zustand der Selbstablehnung leben. (S.43)
Aber auch wenn sie die falschen Wörter hatte, sie hatte die richtigen Gefühle. Er dagegen.... (S. 50)
In seiner Verwaltungssprache, die das Verschwommene exakt aussehen ließ, dacht er, daß ihm endlich an zustimmungsfähigen Gefühlen gelegen wäre. Die anderen Reisenden auf dem Bahnsteig in ihrer Kompaktheit, Adrettheit Gepflegtheit, Zielgerichtetheit kamen ihm plötzlich vor wie halbe Menschen....Die anderen Hälften liefen in Leipzig hin und her. Die hier leuchteten, gleißten geradezu in ihrer Entwickeltheit und Fortgerissenheit. Er fühlte sich hingezogen zu allen. Wie richtig machten die alles, was sie machten. (S. 54)
Jetzt wohnten sie seit neuen Jahren in dieser Stundenhotel-Vorläufigkeit. Ihr Leben zerrann in einem abgewetzten Provisorium. (S. 62)
Einen Fleischschwung von Nase über einem vielfältig zerfledderten, überhaupt nicht mehr symmetrischen Mund. Die Oberlippe war auf der rechten Seite ein wenig aufgebogen. Vielleicht weil der General jahrelang etwas, das er sagen wollte, in ein Lächeln verwandelt hatte. (S. 72)
Bergman sagte, er schlage vor, ein ruhiges Gespräche mitWolfs Frau, unter vier Augen, wo das Privateste genauso zum Zug komme wie das Politische, eine Einbettung des Einzelschicksals in den Zusammenhang, was kann der Sozialismus von uns verlangen und was nicht, und warum kann er das.......Es blieb ein abgrundtiefer Freundlichkeitston. (S. 76)
Wolf kam zurück, grüßte militärisch, aber als er Dorles Schreckaugen sah, führte er seinen militärischen Auftritt in etwas absichtlich Ungelenkes, Nichtgelingenkönnendes über. Zu komisch durfte es nicht werden, das war ihm klar. (S. 81)
Ein Regierender, der heute ermordet wird, ein Opfer für eine Freiheit, mit der der Täter nichts anzufangen wußte.......Leute verstehen zu wollen, die andere umbringen können, ist quälend. Man begibt sich in deren Beweggründe hinein. Verliert sich. Wird Mörder. (S. 96)
Dorle würde ihm leid tun, wenn sie alles täte, was er gern hätte, daß sie's tue. Wen man liebt, will man schonen vor sich. (S. 115)
Alles durch und durch beschädigt. Die Illegitimität reicht überallhin. Jeder Bissen, jeder Schluck findet einen halb Betäubten. (S. 115)
Im Talar sah Buhl aus wie ein verkleideter Schurke.....Justitia sei eine Theatergöttin. (S. 121)
Dr. Bestenhorn hatte Wolf bei diesen Vorbereitungssitzungen immer behandelt, als sei Wolf ein Klassenkamerad von Dr. Bestenhorn, dem der Primus Bestenhorn, weil er ein guter Mensch sei, in allen Fächern Nachhilfeunterricht erteile. ...Dr. Bestenhorn sah im Talar aus sie ein Filmschauspielerstar, der eine Gerichtsszene spielen wird. (S. 122)
Wolf wollte verstanden werden und das Urteil dann dem Verständnis des Gerichts überlassen. Er wollte vertrauen dürfen. (S. 130)
Wolf wollte das Bestenhornsche Erfolgskonzpt nicht stören, er wollte es nur noch absichern, nach der menschlichen Seite hin. (S. 130- 131)
des durch Tod am Erscheinen gehinderte Zeugen (S. 132)
Das ist ganz neu! sagte der Vorsitzende in einem Ton, der nach dem schmerzhaften Damendiskant wie Paradiesmoos wirkte (S. 138)
Unhaltbarer Betrug Kindern vorzumachen, die, die dreißig Jahre älter sind, seien Erwachsene. (S. 139)
Nein, sagte die Verfolgerin. Sie betrachte eine Frau nicht nur als das Anhängsel eines Mannes, das zu allem Ja und Amen sagen muß. Die sentimentale Eheauffassung, die im Augenblick diesen Raum beherrsche, mache aus der Frau ein strafrechtlich gar nicht mehr zurechnungsfähiges Wesen. (S. 146)
Aus Familien, die sich von Haus aus immer mehr Rechtfertigung verschaffen können, als sie für sich brauchen, kommen die Verurteiler. Wenn man von Kindheit an mehr recht hat, als man zur eigenen Rechtfertigung braucht, benutzt man den Überfluß im Rechthaben dazu, andere zu verurteilen..... (S. 157)
Zum ersten Mal Privatmensch Eine vor Leere dröhnende Hülse. Er hatte Angst. (S. 158)
Es mag einer so entwickelt sein, wie er will, jeder von uns ist noch im Schatten einer Tradition, in der eine militärische Herrschaftsclique ihr mörderisches Metier zum Heiligtum der Nation stilisierte und jeden mit Tod und Abscheu bestrate, der sich gegen das chauvinistsiche Tabu verging (S. 160-161)
Der Vorsitzende hatte ihm gezeigt, wie man in einem Teil lebt, als wäre es das Ganze. ( S. 175)