Die Geschichte vom Schneiderlein, das die Welt hinauszieht, weil es sich zu höherem berufen fühlt, wird so manchem Leser bekannt vorkommen. Doch mit dieser Ausgangslage des Grimmschen Märchens erschöpft sich die Ähnlichkeit zu diesem Buch schon. Nachdem der Schneider Windig Zeuge einer äußerst märchenhafter Begebenheit wird, gelangt er an den Hof des machtgierigen Königs Skatho, wo er die Situation so gut zum eigenen Aufstieg nutzen weiß, dass schließlich sogar das Königtum selbst für ihn in greifbarer Nähe scheint. Doch was hat es mit der geheimen Prophezeiung auf sich, und welche Rolle spielen dabei die in einem mythischen Zeitalter entstammenden Geschöpfe des Einhornwaldes, von denen die uralte Chronik des Königs berichtet? Als der Schneider die wahren Zusammenhänge erkennt und er begreift, wie die dunklen Pläne des Königs und seine eigene schuldhafte Verstrickung darin die Welt aus dem Gleichgewicht zuwerfen droht, scheint es zu spät, um sich dem Unheil noch entgegenzustellen.
Die Geschichte vom kühnen kleinen Schneider, der "sieben auf einen Streich" erschlägt, kennt noch heute beinahe jedes Kind. Doch so, wie Maria Rosenmeyer es hier erzählt, nein ganz neu erfindet, kennt man Grimms Märchen kaum wieder. In einer im besten Sinne des Wortes altmodischen Sprache, die so gar nicht verstaubt klingt, um so mehr aber zu verzaubern weiß, entführt sie uns in ein magisches Reich von Königen, Prinzessinnen, Einhörnern und Riesen. Und fast nebenbei erzählt diese kleine Geschichte - für Große und Kleine - eine große Parabel über das Suchen und Finden des Glücks und die Konsequenzen des eigenen Handelns.