Das Buch "Organisation - Von Avantgardepartei bis Organizing" von Alexander Neupert-Doppler ist ein eigenwilliger und interessanter Deep Dive in linke Organisationsdebatten. Dabei werden Perspektiven und Debattenstränge zu Parteien, Gewerkschaften, Betriebsorganisationen, Basisorganisationen, Bewegungsorganisationen, Community Organizing oder Solidaritätsnetzwerken aufgezeigt. Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die hier in dem Buch genannten organisationstheoretischen Versatzstücke gehen im Wust (teils sehr interessanter) Schilderungen geschichtlicher Ereignisse und politischer Debatten weitgehend unter.
Hätte ich dieses Buch vor 7 Jahren gelesen, wäre mir so manche Dummheiten erspart geblieben. Alexander Neupert-Doppler lädt uns ein verschiedene Organisationsformen genauer anzuschauen. Dabei sticht heraus dass sich verschiedene Gewerkschaften, Parteien, Genossenschaften oder andere Organisationsformen durch die Zeit gewandelt haben. Durch verschiedene Krisen und Ereignisse wurden diese geschwächt. Dadurch dass die Rechte sich allmählich entwickelt bleibt und die Frage nach Bündnissen und Zusammenarbeit offen.
Das Buch gibt einen guten geschichtlichen Überblick über verschiedene politische Ansätze der Linken. Leider werden die einzelnen Organisationen hauptsächlich an ihren konkreten politischen Inhalten und ihren zeithistorischen Versuchen, Veränderungen herbeizuführen diskutiert. Was das Buch - anders als ich erwartet hatte - kaum liefert sind organisationstheoretische Überlegungen, welche Rolle der jeweilige Organisationsformen bei Erfolg oder Misserfolg spielt. Über das Eigenleben, die Möglichkeiten und Schwierigkeiten denen sich Parteien, Gewerkschaften, Genossenschaften, etc aufgrund ihren Organisationstyps (!) ausgesetzt sehen, erfährt man reichlich wenig bzw nicht mehr als man in jedem anderen historischen Abriss von SPD, FAU oder Konsumgenossenschaften erfahren würde. Der Ankündigung des Klappentextes die Frage zu klären „Was Stärken und Schwächen dieser Organisationsformen“ sind, wird das Buch leider nicht gerecht.