2023 hat Jan Kuhlbrodt den Alfred Döblin Preis gewonnen, da wollte ich auch mal was lesen von dem mir unbekannten Autor und stieß auf die 2018 erschienene Novelle über das Stockholm Syndrom. Gut gemacht, Herr Kuhlbrodt, die knapp 88 Seiten über das Zusammentreffen des Lehrers Rudolph Kroll mit dem vor 20 Jahren entführten Jochen Fiedler. Auch Rudolph wurde eine Nacht lang entführt, eine Sache, die ihn komplett aus der Bahn warf. Auf der Suche nach seinem Entführer trifft er in einem Kellerverlies auf den Jochen Fiedler, der mit ihm interessante Gespräche über existentielle Dinge führt, sich an seine freie Zeit jedoch kaum mehr erinnern kann und mehr oder weniger freiwillig in Gefangenschaft bleibt, in Abhängigkeit zu seinen Entführern, die in der Novelle nie leiblich auftreten. Gut gemachte Studie, ein Schnäppchen für ein kurzes Lesevergnügen.