Ich habe das Buch im Freud-Museum in Wien entdeckt und mich auf eine feministische Perspektive der Psychoanalyse gefreut. Die Autorin bewundert Freud, von daher passte es, das Buch dort anzubieten. Feministisch ist es allerdings überhaupt nicht und ich weiß auch nicht, ob das der Anspruch der Autorin war. Was mich ein wenig frustriert hat, war dass ein hoher Kenntnisstand der psychoanalytischen Theorien und Diskussionen vorausgesetzt wurde. Ich habs dann teilweise gegoogelt. Dann störte mich das Gefühl einer gewissen Redundanz. In jedem Kapitel wurde mindestens einmal wiederholt, was die Autorin erreichen will und was sie behauptet. Die psychoanalytischen einzelnen Deutungen fand ich teilweise extrem hanebüchen und an einigen Stellen nahm ich das Buch als transfeindlich und homophob wahr. Das biologistische Denken (Eine Frau denke integrativer, weil ihre Geschlechtsorgane größtenteils innen liegen, z.B.) hat mich empört und geärgert. So einfach ist es nicht. Man kann nicht alles mit Deutungen herleiten, insbesondere bei Geschlechterverhältnissen spielen patriarchale Machtstrukturen bedeutende Rollen, das geht hier komplett unter. Ich hatte erwartet, dass ich hier etwas über neue Theorien statt Penisneid und Ödipuskomplex erfahren kann, nachdem die Wissenschaft sich endlich der weiblichen Anatomie widmete, aber ich bleibe frustriert und verärgert zurück.