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Deutschboden: Eine teilnehmende Beobachtung

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Moritz von Uslar geht in eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, er bleibt drei Monate und kehrt mit dieser großen Erzählung, einer Geschichte der Gegenwart, die gleichzeitig Reportage und Abenteuerroman ist, zurück.

Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt.

Draußen, vor der Großstadt, wo Hartz IV, Alkoholismus, Abwanderung und Rechtsradikalismus angeblich zu Hause sind: Hier beginnt diese Geschichte. Der Reporter sucht nach einem Ort mit Boxclub und Kneipe und findet ihn im Landkreis Oberhavel, gut eine Autostunde nördlich vor Berlin. Pension Heimat, Franky’s Place, Gaststätte Schröder: Pils am Tresen, Diktiergerät am Mann. Der Reporter hört zu, guckt zu, trinkt mit, trainiert mit, labert mit, und am nächsten Morgen steht er wieder da. Es erscheinen der Kneipenchef Heiko, der Geschichtenerzähler Blocky, der tätowierte Punk Raoul, und damit ist der Zugang eröffnet: zu den Proben der Band »5 Teeth Less«, zu Grillfesten mit Deutschlandfahne, zum Abhängen am Kaiser’s-Parkplatz und an der Aral-Tankstelle – und zum Alltag junger Männer, die vielleicht keine großartige Zukunft haben, aber einen ziemlich guten Humor.
Die präzisen Beobachtungen, im Wortlaut mitgezeichneten Gespräche, die Gags, Sprüche, Märchen und Blödeleien und die Fülle absurder, rührender und furchterregender Alltäglichkeiten entwickeln einen Sog, der den Leser hineinzieht in das Leben in der ostdeutschen Kleinstadt. Das ist klassisches und das ist modernes Reportertum.
Moritz von Uslar besitzt den Mut, die Ausdauer und das Einfühlungsvermögen, um zu zeigen, dass Wirklichkeit immer jener Ort ist, der jenseits der Erwartung liegt. In diesem Buch ist Platz für allerhand Abstrusitäten, bloß für keine Trostlosigkeit. Deutschboden leuchtet – es ist das Licht der Tankstelle an der Ausfallstraße nachts um halb eins.

379 pages, Hardcover

First published September 20, 2010

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About the author

Moritz von Uslar

11 books5 followers
Moritz von Uslar, geboren 1970 in Köln, war Redakteur beim Süddeutsche-Zeitung-Magazin und beim SPIEGEL und arbeitet heute als Reporter und Interviewer bei der Zeit.
Ausgewählte Veröffentlichungen: Theaterstücke »Freunde« (2000), »Freunde II« (2001), »Lulu« (2004), gesammelte Interviews »100 Fragen an …« (KiWi 829, 2004) und »99 Fragen an …« (KiWi 1381, 2014), Roman »Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005« (2006, Kiepenheuer & Witsch), gesammelte Kolumnen »Auf ein Frühstücksei mit …« KiWi 1579, 2017). Der Reportageroman »Deutschboden/ Eine Teilnehmende Beobachtung« (2010, Kiepenheuer & Witsch) wurde mit dem Fontane-Preis der Stadt Neuruppin ausgezeichnet und von André Schäfer fürs Kino verfilmt (2014).

(Quelle: https://www.kiwi-verlag.de/autor/mori...)

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Displaying 1 - 24 of 24 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,024 followers
December 7, 2023
Moritz von Uslar, pop lit hero and reporter for Die Zeit (here's an almost 2 minute long ad basically just showing him), leaves his hipster haven of Berlin to venture into the unknown: The East German province. The author spends three months on and off in Zehdenick, Brandenburg, which in the book is called Oberhavel, hanging out at the local pub and the boxing club, making new friends and some enemies, listening to the stories of small business owners, unemployed punks, and average people just trying to get by, all in pursuit of some knowledge about the lives of those people in the ex-GDR who are often talked about in the media, but not often enough listened to. What is happening in rural East Germany, this, for Wessis, often enigmatic place, where small dying towns are associated with alcoholism, racism, unemployment and despair, a part of the country built on a state that has disappeared right before our eyes?

Uslar features in his own book as "reporter with a hat", and the main character he befriends is called Raoul - and yes, the whole thing is a New Journalism trick mirror, mainly reflecting a distorted image of Fear and Loathing in Las Vegas, but enriched with colonial discourse: Did the West colonize the East after the wall came down? As Uslar is rooted in pop lit, it's both serious and hilarious: The colonizer from the West, arriving straight from the Berlin culture bubble, is the narrator himself, and the colonized, the "others", are the people in rural Brandenburg. It oscillates between social reportage and the fiction that is also called the Western gaze.

This text is alive with vibrant characters, quirky dialogue, and hilarious adventures, all carried by Uslar's distinct voice - so much so that Manja Präkels, a writer born in Zehdenick, accused Uslar of making former Nazis seem cool and exciting (here's the article entitled "Real Men, Cool Fear"). I personally did not read the book like that (although Uslar of course consciously plays with the concept of dude culture, because it's a East German stereotype), and Uslar also denied the allegations.

You can watch Uslar read from "Deutschboden" here and see the movie trailer here.
Profile Image for Torsten.
101 reviews41 followers
November 25, 2023
Auf Radreisen zur Ostsee verweilte ich schon sehr oft in brandenburgischen Gefilden nördlich von Berlin, in Joachimsthal, Neuruppin, Prenzlau etc. Meinen Erfahrungen nach trifft von Uslar die Atmosphäre und Stimmung der Gegend ziemlich gut. Bei den Beschreibungen der Gaststätte Schröders oder der Gegend um die ehemaligen Ziegelwerke habe ich mich an Aufenthalte in der Gegend zurückerinnert. Leider auch teilweise wenn es im letzten Teil um die (ehemaligen?) problematischen politischen Einstellungen der Protagonisten geht.

Den Vorwürfen, das Buch würde diese verharmlosen und die Protagonisten in besserem Bild dastehen lassen, würde ich jedoch nicht in Gänze zustimmen. Sicher, von Uslar unterlässt es oft, nachzubohren, auch eingeschränkt durch seine über Monate aufgebaute Nähe zu den Protagonisten. Genau diese Nähe ist für mich aber auch die Stärke des Buchs, da dadurch Dinge freigelegt und geäußert werden, die der "Wessi" von Uslar ansonsten möglicherweise nie zu Hören bekommen hätte.

"Überall, so merkte ich, hatte ich die Leute von Oberhavel quasi spielend kennengelernt, ich hatte diese ganze Kleinstadt, so sah ich es im Rückblick, mit dem Bierglas in der Hand aufgestellt."
Profile Image for awesomatik.de.
362 reviews16 followers
January 14, 2015

Die Kleinstadt – Der Alptraum jedes Berliners. Und wenn sie dann noch in Brandenburg liegt, dann rasen einem nur so die Vorurteile durch den Kopf. Nazihochburgen, No-go Areas, DDR Verherrlichung, Harz 4, Tattoos, getunte Autos und grau-in-graue Immobilien.

Dieser Angst wollte sich Moritz von Uslar stellen. Todesmutig ließ er sich für einige Monate im Landkreis Oberhavel nieder. Wie ein Sozialanthropologe studierte er die Spezies Brandenburger und notierte minutiös alle noch so kleinen Eigenarten der Einheimischen.

Damit die Reportage nicht zu deprimierend wird, bringt er dem Leser seine präzisen Beobachtungen auf humorvolle Weise nahe.
Bei einer Fahrt im Regionalexpress begeistern ihn z.B. die üblichen Verdächtigen:

…beide Mädchen [..] boten derartig topfitte, mit grandioser Präzision gestylte, getunte, polierte Anblicke – nesquik-farbene Gesichter, viel Liedstrich und Kajal, schreiend Rosa Lippenstift dazu weißer Glitzer in den Wimpern. Sie trugen Jeans und Sportkleidung in den Farben Kreischweiß, Brüllgelb und Jaulrosa …

viel “Weeßte” und “Wa” in ihrer Unterhaltung, aber auch merkwürdig altmodisches Heinz-Rühmann-Film-Vokabular mit Worten wie “Hinz und Kunz”, “Firlefanz” und “Fisematenten”….

Neben modernen Nazis und Prolls fällt von Uslar auch noch der World-of-Warcraft-Mittelalter-Gaukler-Kiff-Öko-Schluff-Schüler auf.


Auch in Oberhavel geht es lustig weiter. Doch um wirklich teilnehmend Beobachten zu können, muss der Reporter erst mal jede Menge saufen. …Na Stadtmensch, noch ne schöne Molle?

So lernt er schnell seine Protagonisten kennen. Kneipenchef Heiko, Geschichtenerzähler Blocky und vor allem die Punkband “5 teeth less”.
Die führt ihn auch in das Nachtleben von Oberhavel ein. Das besteht meistens darin vor der Aral-Tankstelle zu saufen. ...Los geht’s wir fahren nach Aral. …zur blauen Lagune...
Und alle dummen Klischees werden bestätigt. Die meisten Einwohner beziehen Harz 4, sind tätowiert, fahren getunte Autos, haben eine Nazivergangenheit und den ganzen Tag nichts zu tun. Freizeit als tragisches Geschenk (habe ich mal irgendwo gelesen).

Doch nach und nach stellt sich heraus, dass die Lage gar nicht so dramatisch ist. Hinter der rauen Fassade, verstecken sich meist intelligente und sympathische Menschen, die sich eben nicht nur an der DDR Vergangenheit festhalten. Man verfolgt wie der Autor langsam zwischen Euphorie und panischer Langeweile den Kleinstadtgroove für sich entdeckt, Freundschaften schließt und sich beim Anblick von Touristen schon wie ein Ureinwohner fühlt. Alles also halb so wild.

Nach Ende seiner Recherchen zieht er das Fazit, dass sich nie auch nur die kleinste Kleinigkeit abspielt. Alles immer aufregend, dabei alles ein großes, alles umfassendes, allmächtiges, alles überstrahlendes Nichts.
Auf der Hauptstraße: nichts los.
Auf der Aral-Tankstelle: nichts gewesen.
In der Kneipe Schröder, im Gasthaus zur Alten Eiche, bei Franky’s, im Haus Heimat, in den Autos, die Tag und Nacht durch die Kleinstadt bumsten, im Proberaum der Band 5 Teeth Less: Nie war etwas gewesen, nie war je irgendetwas passiert.
Es würde auch in in Zukunft: nichts passieren.


Und doch ist es Moritz von Uslar gelungen, genau dieses Nichts unterhaltsam in Worte zu fassen und laut süddeutsche Zeitung …eines der besten Bücher über Deutschland nach der Wiedervereinigung… zu schreiben.

Fazit – Eine Reportage über Nichts
Ob es das Beste ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Auf jeden Fall ist ihm ein vielschichtiges Portrait der Brandenburgischen Provinz gelungen, das zu einer weiteren Annäherung zwischen Ost und West ermutigt. Trotz Zynismus seitens von Uslar (und obwohl der Autor im Boxclub mit dem Kommentar “Westsau” ausgeknockt wurde) könnte man “Deutschboden” als Beitrag zur deutsch-deutschen Völkerverständigung verstehen.
Die Reportage fügt sich dabei nathlos ein, in die Reihe großartiger Kleinstadt-Epen wie “Fleisch ist mein Gemüse” von Heinz Strunk oder “Die Beschissenheit der Dinge” von Dimitri Verhulst. Nur, dass der Autor hier nicht selbst aus dem Milieu stammt, sondern auf sozial-anthropologische Entdeckungsreise geht.
Nicht nur für Berliner ein gruseliger Lesespaß aus dem man mit versöhnlichen Gefühlen für seine Nachbarn hervorgeht.


Mehr Rezensionen und abenteuerlichen Content gibt's auf
http://awesomatik.com
Profile Image for Anika.
967 reviews323 followers
December 23, 2023
Diese "teilnehmende Beobachtung" ist nicht nur ein Lehrstück in Sachen Literarischer Journalismus inklusive Reporterfigur mit Hut, sondern eine äußerst unterhaltsam, dabei aber nie flache Erzählung. Von Uslar schafft ein großes Gefälle zwischen der scheinbar elitären, aber dennoch nichtssagenden Großstadt und dem brandenburgischem Dorf mit Boxclub und Gemeinschaftssinn und führt beide in seiner beobachtenden und lernenden Rolle zusammen. Ein Buch, das Spaß macht und über das sich ganz hervorragend diskutieren lässt - so geschehen im Papierstau Buchclub, in dem wir über Aspekte der Darstellung, Verfremdung und vor allem Parallelen zu Kolonialverhältnissen gesprochen habe - es gibt also viel zu entdecken!
Profile Image for Totarota.
112 reviews8 followers
December 4, 2023
Moritz von Uslar begibt sich im Jahr 2009 als autofiktionaler Reporter auf ein absurdes Abenteuer in den „wilden Osten“, indem er drei Monate in einer brandenburgischen Kleinstadt verbringt. Diese liegt zwar eigentlich in Pendlerentfernung zu Berlin, aber die Unterschiede zur westdeutschen Großstadtbubble könnten nicht größer sein. Für den Autor geht es darum, etwas anderes zu sehen, sich mit seinen eigenen Klischees zu konfrontieren.
Im Fokus steht der sogenannte „Proll“ als Bildnis des männlichen tätowierten Kleinstadtbewohners, der boxt und mit dem getunten Auto spazieren fährt.
„Der Proll könne gar nicht böse, widerlich, asozial, beinhart und abstoßend genug sein.“ (S. 21)
Diese Begeisterung für ein fragwürdiges Männlichkeitsbild lässt sich zumindest hinterfragen. Die Frauen der Kleinstadt spielen in der Beobachtung leider eine untergeordnete Rolle, von Uslar beschreibt sie als „verhärtet“ und vermutet als Ursache den Alkoholismus der Männer.
Schon früh stößt der Reporter auf Antisemitismus und Rassismus in Form von Witzen. Später erzählen die vom Autor gewählten Protagonisten von ihrer Skinhead-Vergangenheit als vermeintlich notwendiger Teil einer Jugendkultur. Den Vorwürfen, der Autor würde das rechte Gedankengut verharmlosen, würde ich mich im Ergebnis nicht anschließen, da es sich eben nur um eine „Teilnehmende Beobachtung“ handelt, welche die Interpretation den Lesenden überlässt.
Es bleibt ein besonderes Lesevergnügen durch von Uslars unterhaltsamen Schreibstil.
Profile Image for Christian Müller.
133 reviews2 followers
March 15, 2019
Wenn es nicht so lustig und unterhaltsam zu lesen wäre, wäre es wohl ein sehr trauriges Buch. Von Uslar findet in jedem Moment den richtigen Ton, um seine Beobachtungen für den Leser erlebbar zu machen. Ich war begeistert. Zum Ende des Buchs geht ihm ein wenig die Luft aus, zumindest was den Witz betrifft. Oder ist man am Ende bereits Teil der beschriebenen Kleinstadtwelt und anfängliche Kuriositäten, werden nicht mehr als solche wahrgenommen? Dieses Buch werde ich definitiv nochmal in die Hand nehmen!
Profile Image for Niklas.
30 reviews1 follower
April 30, 2018
2,5 *
Drei Monate verbringt Moritz von Uslar in der brandenburgischen Provinz und möchte in dieser Zeit den Menschen vor Ort so nahe kommen wie möglich. Zumindest dieses Vorhaben gelingt.
Mit Einheimischen spricht er über die Tristesse in der Kleinstadt nördlich Berlins, berichtet vom industriellen und sozialen Verfall, Alkoholismus und Abgehängtsein, wehenden Deutschlandfahnen und den Neonazivergangenheiten seiner Bekanntschaften. Dazwischen bleibt nicht viel außer bierseligen Abenden in der Kneipe, an der Tankstelle, im Garten von Blocky oder im Proberaum der Band, deren Mitglieder zu den primären Geschichtengebern in von Uslars Erzählung werden.
Genau diese pure Nacherzählung der Trostlosigkeit ist es, die dem Buch seine Authentizität verleiht, es nicht wie eine erzwungene Geschichte wirken lässt. Und eben dieses bloße Nacherzählen birgt auch den größten Kritikpunkt. Von Uslar betont im einleitenden Kapitel selbst, dass es ihm mit Deutschboden nicht um irgendeine eine Form von Sozialkritik geht. Stattdessen wolle er alles erfahren über "Hartz IV" und des "Prolls reine Seele", wolle er dorthin gehen wo "Leute in strahlend weißen Trainingsanzügen an Tankstellen rumstehen und ab und zu einen Spuckefaden zu Boden fallen lassen". Es ist diese Art von Sozialchauvinismus, dieser abschätzige Blick des Hauptstädters auf die Bewohner der ostdeutschen Kleinstadt, der nicht nur als Aufhänger im einleitenden Kapitel zum Tragen kommt, sondern leider viel zu oft im Buch sichtbar wird. Nicht zuletzt, wenn von Uslar preisgibt, wie sehr ihn die "Penner" und "Alkoholiker" im Ort "auf den Sack gehen" (S. 236).
Dass von Uslar in den geführten Gesprächen gleichzeitig mehrfach auf die Schändung des jüdischen Friedhofs in der Stadt zu sprechen kommen möchte, sei an dieser Stelle zu seiner Ehrenrettung erwähnt. Doch zu mehr als diesen vorsichtigen Versuchen einer kritischen Annäherung an die Neonazivergangenheit der Stadt kommt es leider nicht.

Obwohl das Buch an einigen Stellen für Lacher sorgen kann und der Autor das Handwerk des (Nach-)erzählers versteht, verspielt die durchaus vielschichtige Erzählung ihre Sympathie bei mir vor allem aufgrund der Werturteile des Autors. Eigentlich schade.
Profile Image for Matthias.
51 reviews
Read
June 5, 2021
Nachdem ich das literarische Quartet mit Thea Dorn vom 6. März gesehen hatte, in dem der Nachfolgeband "Nochmal Deutschboden: Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz" vorgestellt wurde, war ich neugierig und dachte, na, da fange ich doch erst einmal mit dem Vorgängerband an. Der las sich auch sehr flüssig, und die Idee zu seinem "Feldversuch" erschien mir auch recht reizvoll. Gefüllt ist das Buch dann zwar mit wirklich guten Kalauern und vollkommen absurden Situationen und Begegnungen aber auch jeder Menge Vorurteilen, die zum Teil bestätigt zum Teil aber auch widerlegt werden. Trotzdem blieb nach einer insgesamt amüsanten Lektüre bei mir ein bitterer Nachgeschmack, da sich das Ganze, und da kann der Autor alles noch so stark reflektieren und relativieren, doch sehr als von Oben herab präsentierte. Die Opposition: Berlin=ultracool, Brandenburg=asi bleibt, wenn auch die ein oder andere menschlich interessante Geschichte hinter verschiedenen Personen präsentiert werden, bis zum Ende unaufgelöst.
Profile Image for Kevin Leja.
22 reviews
June 30, 2024
Das Buch ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben und ein toller und umfassender Bericht. Das Leben in der Kleinstadt ist (auch im Forschungskontext) oft nicht richtig greifbar. Die Offenheit mit der der Reporter ins Feld gegangen ist hat mich sehr beeindruckt. Ebenso das Verständnis und das wenige Bewerten. Ich bin sehr begeistert gewesen.
Profile Image for Justo.
14 reviews
August 30, 2025
Ein stark männlich und westdeutscher Blick auf eine brandenburgische Kleinstadt. Immerhin: Der Autor macht daraus selbst keinen Hehl, spielt damit sogar. Trotzdem lassen sich damit weder die frauenverachtenden Passagen entschuldigen, noch die sich durchziehende Glorifizierung von Alkoholismus. Eines muss man dem Autor lassen: Er kann gut schreiben.
Profile Image for Patrick.
125 reviews57 followers
October 15, 2016
MvU zeichnet ein Bild des Frühsommers, in dem Michael Jackson stirbt, in dem andere auf Festivals fahren und an falschen Strandbars sitzen, mitten in der Großstadt, und sich am Meer wähnen, um dann noch schnell Sushi essen zu gehen



MvU tut das nicht; er tut das Gegenteil. Aber das, was er tut, ist gar nicht so wichtig. Eigentlich tut er ja nichts. Viel wichtiger ist , wie er es tut. Nämlich beinahe grandios. MvU ist kein Erzähler, er ist ein Beschreiber (so und so und überhaupt). Da fließen die Bilder wie satte, gradierte Flüsschen, ganz leicht kommen sie. Manchmal verrennt er sich in diesen Bildern, oder er überzeichnet sie zu etwas Grellem. Er weiss das auch, versucht, die Notbremse zu ziehen, schießt aber übers Ziel hinaus. Was auch okay ist. Vielleicht ist es auch gewollt.



Dies ist rasche Unterhaltung für Kopfnicker, inklusive ein paar Grinsern. Und es macht wirklich Lust auf Sommer in Deutschland, wenn auch nicht unbedingt in Deutschboden.



Worum es thematisch geht, erfährt man auf den üblichen Seiten. Plot und so, hihi.

Profile Image for Alphapaka.
107 reviews
March 11, 2021
Irgendwie hat es sich der Autor sehr leicht gemacht. "Deutschboden" hält das Versprechen ein, eine "teilnehmende Beobachtung" im brandenburgischen Oberhavel / Zehdenick zu sein – viel mehr aber auch nicht. Erst auf den letzten 20 Seiten traut sich von Uslar aber an den Elefanten im Raum, Rechtsextremismus und den gärenden Alltagsrassismus im Ort. Dabei kann er es nicht lassen, aus Sympathie zu seinen neuen Bekanntschaften ihre Aussagen kumpelhaft zu relativieren und zu schönen. Mag sein, dass das so gewollt ist und in Teilen auch reflektiert wird, für mich als Leser wären jedoch andere Perspektiven wichtig gewesen. Das hätte auch ohne Moralkeule funktioniert.
Profile Image for Tobias Wirtz.
8 reviews2 followers
December 9, 2023
Der Autor betont stets aus der Berliner Vorurteilsblase entkommen zu wollen, schafft dies allerdings nur mit mäßig bis mangelhaftem Erfolg. Trotzdem drei Sterne, da das Buch sicher auch als Artikel seiner Epoche (prä-AfD) gelesen werden sollte und oft unterhaltsam erzählt wird.
1 review1 follower
March 27, 2021
Gut geschrieben und spannend zu lesen, aber leider sehr sexistisch, homophob und weiß.
Profile Image for Ton Hof.
Author 19 books25 followers
April 26, 2019
Begonnen in Deutschboden. Participerende observatie van de Duitse journalist Moritz von Uslar. Het origineel verscheen in 2010 en de Nederlandse vertaling bij het Leesmagazijn in 2013. Von Uslar bracht drie maanden door in het Oost-Duitse provinciestadje Oberhavel, zestig kilometer ten noorden van Berlijn. Van dat verblijf doet hij in Deutschboden verslag.

En wat zal ik er van zeggen … ik las de eerste honderd bladzijden in één ruk uit.
Stijl is alles. En dit boek heeft stijl. Heul veul stijl.

‘Dat komt naar het schijnt niet zo vaak voor, dat je direct weet dat je in de juiste plaats bent aangekomen; hier wist ik dat direct.’

En bier zuipen. Deutschboden gaat óók over bier zuipen. En eindeloos geouwehoer. En de oorzaken die dáár aan ten grondslag liggen.

Las bij de laatste zonnestralen in culthit & must-read Deutschboden en werd herinnerd aan dít nummer uit 1971: Schön ist es auf der Welt zu sein, Roy Black & Anita.

Waarom vind ik Deutschboden zo’n goed boek? Over die vraag buig ik me nu al enkele dagen. En ik mag maar één reden opgeven, de belangrijkste: het is uit het leven gegrepen.

Wat een nietszeggende reden is, eigenlijk.

De troosteloosheid dan, de verbijsterende mineurstemming die in Deutschboden de boventoon voert; mijn lachstuipen hebben ook iets ploertigs.

Ze duiken ineens overal op, literatuurwetenschappers die ontkennen dat ze prediken! Mij kan het niet schelen, hoor.

De moraal van Deutschboden? Geen idee, geen énkel idee.

En Deutschboden gaat uiteráárd ook over de diepte van de menselijke psyche, de verhouding tussen individu en maatschappij, vrijheid, liefde, engagement.

Als je het leven een beetje begint door te krijgen, is het al weer bijna voorbij.

Zeker, dacht ik, en misschien vergiste ik me ook wel, misschien zat het leven wel heel anders in elkaar.
2 reviews1 follower
March 29, 2015
Der Reporter mit Hut nähert sich der ostdeutschen Kleinstadt ...

"War es nicht an der Zeit, dass wir [...] endlich anfingen, die Benachteiligten, die Randexistenzen der Gesellschaft als das zu sehen, was sie in Wahrheit wohl waren, keine Problemfälle, sondern die Mitte und Zukunft unserer Gesellschaft, die Avantgarde?"

"Hör uff!" (Bitte nicht!)

Ein tolles Buch, dass irgendwie auch wieder sehr aktuell wirkt.

Profile Image for De Ongeletterde.
396 reviews26 followers
June 10, 2015
Mooi verslag van het als Berlijnse stadsmens gaan leven voor een aantal maanden in een provinciestadje in de voormalige DDR. Onderhoudend wel, al gebeurt er nu ook weer niet zo heel veel. Voor mij duurde het boek wat te lang...
Profile Image for Marlene.
29 reviews2 followers
October 17, 2024
verherrlichung von (anscheinend wirklich wahren) ostdeutschen stereotypen war bisschen zu doll für mich, hätte mir etwas mehr einordnung der Lebensrealität von rené und seine kompanen gewünscht 👍kombi aus Berliner Arroganz und ländlichem Argwohn war aber auch bisschen lustig
3 reviews
Read
March 15, 2013
Gut beobachtet, aber zu wenig teilgenommen...
Profile Image for Giekes.
166 reviews5 followers
July 11, 2018
- bespreking van 13-09-2014 -

Ik vertel het u meteen: Deutschboden is echt zo goed als men u vertelt. Opgepast echter: sommige lezers verwachten misschien een politiek pamflet of aanklacht tegen het neo-liberale economische systeem na het lezen van enkele besprekingen – PvdA voorzitter Peter Mertens liet ook al weten dat Deutschboden op zijn leeslijst stond – maar zulke beschrijvingen slaan de bal mis. Deutschboden is puur existentialisme. De wondermooie maar eigenlijk niet correct te vertalen titel is tegelijk de queeste van schrijver Moritz von Uslar: eine teilnehmende Beobachtung.

Von Uslar wil aan den lijve ondervinden hoe de Ossies (verwijzend naar het voormalige Oost-Duitsland) leven en denken. En dan bedoelt hij wel degelijk die ranzige Ossies waarover in (voormalig) West-Duitsland en Berlijn vaak in clichés gesproken wordt: neo-nazi’s en sociaal profitariaat. Door samen met hen op te trekken wil hij ontdekken hoe zij denken over hun leven ‘in de DDR’, hun toekomst, de torenhoge werkloosheid etc. Von Uslar gaat op zoek naar een boksclub en een stamkroeg en wacht af wie zijn pad kruist en samen met hem dronken wil worden; het is het begin van een beklijvend verhaal waarin rustig voortkabbelende beschrijvingen van dagdagelijkse bezigheden zoals een ritueel ontbijt in de brasserie, een bokstraining of een avondje biertjes hijsen afgewisseld worden met erg grappige anekdotes. Met dank aan de inwoners van Oberhavel en met name de leden van de punkband Five Teeth Less.

Vooral de gesprekken van de schrijver met de overjaarse punkkids en voormalige skinheads van Five Teeth Less vinden steeds de juiste toon. Deutschboden leert de lezer hoe slechte muziek toch mooi kan zijn, waarom mensen houden van een stamkroeg waar ze iedere dronkenlap kennen en waarom ‘de kebabzaak’ de skinheads op de knieën kreeg. De intrigerende verhalen over de werkelijke gevolgen van het al dan niet ontspoorde arbeidsmarktbeleid van de Hartz-hervormingen onder Gerhard Schröder krijgt u er gratis bij. Als u Deutschboden toeslaat, hebt u een idee van een politiek beleid dat de correcte afwikkeling van cijferreeksen, streefdoelen en perceptie belangrijker vindt dan de sociale gevolgen die het veroorzaakt. En u zult waarschijnlijk voor eeuwig sympathie koesteren voor de Ossie-nietsnutten van Oberhavel. Voor het leukste effect wacht u best met het googlen van Five Teeth Less en hun muziek tot u het boek hebt uitgelezen!
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