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A sociedade autofágica: capitalismo, desmesura e autodestruição

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O mito de Erisícton nos fala de um rei que se devorou porque nada satisfaria sua fome, punição divina por ultrajar a natureza. A partir dessa metáfora potente, Anselm Jappe analisa o que chama de "pulsão de morte do capitalismo": uma explosão de violência extrema gerada pela perda de sentido e pela negação dos limites, características de uma sociedade regida pela mercantilização. Para tanto, Jappe propõe retomar o diálogo com a tradição psicanalítica e desistir da ideia, forjada pela razão moderna, de que o sujeito é um indivíduo livre e autônomo; ao contrário, é fruto da internalização das restrições impostas pelo capitalismo e portador de uma combinação letal entre narcisismo e fetichismo da mercadoria. Neste contexto, "desenredar os infinitos fios da meada que leva os indivíduos a colaborar — em diversos graus — com o sistema que os oprime" seria a palavra de ordem para uma verdadeira "mutação antropológica", capaz de reinventar a felicidade, livre das categorias capitalistas.

348 pages, Kindle Edition

First published September 1, 2017

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About the author

Anselm Jappe

47 books44 followers
Anselm Kappe grew up in Cologne and in the Périgord. He studied in Paris and Rome where he obtained, respectively, a master's and then a doctorate degree in philosophy. His advisor was Mario Permiola. A member of the Krisis Groupe, he has published numerous articles in different journals and reviews, including Iride (Florence), Il Manifesto (Rome), L'Indice (Milan) and Mania (Barcelona). In his writings, he has attempted to revive critical theory through a new interpretation of the work of Karl Marx. He is currently teaching aesthetics at the Accademia delle Belle Arti di Frosinone.

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Profile Image for A YOGAM.
3,011 reviews18 followers
May 14, 2026
Anselm Jappe liefert mit La société autophage eine düstere und zugleich faszinierende Diagnose der kapitalistischen Moderne. Als Vertreter der Wertkritik geht Jappe weit über den traditionellen Marxismus hinaus: Nicht nur die Verteilung des Reichtums, sondern die Grundkategorien des Kapitalismus selbst – Ware, Wert, Geld und abstrakte Arbeit – erscheinen bei ihm als historisch spezifische und destruktive Formen gesellschaftlicher Organisation.
Der Titel verweist auf den Mythos von Erysichthon, jenem König, der einen heiligen Baum fällte und dafür mit unstillbarem Hunger bestraft wurde, bis er schließlich begann, sich selbst zu verschlingen. Für Jappe ist dies das perfekte Bild des Kapitalismus: ein System, das seine eigenen materiellen Grundlagen zerstört, um den abstrakten Selbstzweck der Wertvermehrung endlos fortzusetzen.
Besonders eindringlich ist Jappes Verbindung von Wertlogik und klinischem Narzissmus. Beide beruhen, so seine These, auf einer Verweigerung der Welt. Wie der Wert alle konkreten Eigenschaften einer Ware auf abstrakte Arbeitszeit reduziert, erkennt auch das narzisstische Subjekt den Anderen nicht als eigenständige Realität an. Die Welt wird zur bloßen Projektionsfläche eigener Bedürfnisse und Fantasien.
Historisch verfolgt Jappe die Entstehung dieses modernen Subjekts bis zu René Descartes und Immanuel Kant zurück. Descartes habe mit der Trennung von Geist und Materie den Grundstein für ein Subjekt gelegt, das sich als „Herr und Besitzer der Natur“ begreift und zugleich von seinem eigenen Körper entfremdet bleibt. Kant wiederum vollende dieses autonome Subjekt, indem Freiheit als Gehorsam gegenüber einem rein formalen Gesetz definiert werde. Dieses transzendentale Subjekt entspreche strukturell dem „automatischen Subjekt“ des Kapitals.
Besonders bedrückend wirkt Jappes Analyse der Gegenwart als Epoche der Regression und Infantilisierung. Der moderne Konsument verbleibe in einem Zustand permanenter Abhängigkeit – ähnlich einem Säugling, der zwischen unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung und Ohnmacht schwankt. L’expérience (Erfahrung) werde zunehmend durch bloße Erlebnisse (Erlebnis) ersetzt. Technologie verstärke diesen Prozess, indem sie ein magisches Gefühl der Allmacht vermittelt, während die reale Abhängigkeit von komplexen Systemen unsichtbar bleibt.
Einen düsteren Höhepunkt erreicht das Buch mit der Analyse der „Todespulsation des Kapitalismus“, die sich in nihilistischer Gewalt, Amokläufen und destruktiven Identitätskrisen äußere. Der coureur d’amok und der Dschihadist erscheinen bei Jappe als Symptome derselben zerfallenden Moderne: Scheitert die Integration in Arbeit und Konsum, schlägt die unterdrückte Wut in reine Selbst- und Fremdzerstörung um.
Jappes Schlussfolgerung ist radikal: Weder Reformen noch eine Demokratisierung des Marktes reichen aus. Notwendig sei ein Bruch mit dem kapitalistischen Realismus selbst – das Verlassen eines Systems, das längst begonnen hat, sich und die Welt gleichermaßen zu verschlingen.

Anselm Jappes La société autophage (Die autophage Gesellschaft) ist kein Buch, das man liest, um sich gut zu fühlen. Es ist ein intellektuelles Seziermesser, das die Haut der modernen Zivilisation abzieht, um das metastasierende Geschwür darunter freizulegen. Während andere Kritiker noch über „gerechtere Umverteilung“ streiten, stellt Jappe die eigentliche Diagnose: Nicht die Verteilung ist das Problem – das System selbst ist der Tumor.

Der philosophische Abgrund
Die Verbindung, die Jappe zwischen der Logik des Wertes – die alles in abstrakte Arbeitszeit verwandelt – und dem klinischen Narzissmus herstellt, ist von verstörender Klarheit. Beide beruhen auf derselben Verweigerung der Wirklichkeit: Der Wert löscht die konkrete Qualität der Dinge aus, der Narzisst die Realität des Anderen. So erklärt sich auch die eigentümliche Leere unserer Gegenwart. Trotz technologischer Wunder und permanenter Vernetzung bleibt eine Gesellschaft zurück, die unaufhörlich konsumiert, aber immer weniger erfährt. Tiefe Erfahrung wird durch flüchtiges Erlebnis ersetzt.

Warum wir Jappe fürchten – und brauchen
Wer Jappe liest, erkennt die Absurdität jener „Armee der Experten“, über die wir immer wieder sprechen.

Die Experten als Symptom:
Ökonomen bei der Federal Reserve oder beim ifo Institut erscheinen im Jappe’schen Sinne nicht als neutrale Beobachter, sondern als Verwalter eines autophagen Kults. Sie analysieren nicht die Realität, sondern die Buchhaltung des Zerfalls. Wenn sie von „Wachstum“ sprechen, wirken sie bisweilen wie Ärzte, die bei einem Patienten, der beginnt, sich selbst zu verzehren, eine stabile Herzfrequenz loben.

Die Regression:
Jappes Analyse der gesellschaftlichen Infantilisierung trifft die Gegenwart mit erschreckender Präzision. Wir erwarten von Staat, Markt und Technologie die sofortige Befriedigung unserer Bedürfnisse und verdrängen zugleich die komplexen globalen Abhängigkeiten, die unser Leben überhaupt erst ermöglichen.

Die Gewalt als letzte Sprache:
Besonders radikal ist Jappes Deutung nihilistischer Gewalt. Amokläufe oder destruktiver Fanatismus erscheinen bei ihm nicht bloß als individuelle „Verrücktheit“, sondern als Symptome einer Gesellschaft, die Menschen nur noch über Arbeit und Konsum integriert. Scheitert diese Integration, kippt die unterdrückte Wut in reine Destruktivität – gegen andere und letztlich gegen das Subjekt selbst.

Vom Handtuch zum Selbstverzehr
Wir haben zuvor über The Hitchhiker's Guide to the Galaxy gesprochen. Douglas Adams verstand die Absurdität der Welt noch als kosmischen Treppenwitz, über den man lachen kann – solange man sein Handtuch dabeihat. Jappe hingegen zeigt eine Welt, in der das Handtuch längst verbrannt ist.
Während unsere Experten in Redaktionen, Zentralbanken und Instituten weiter über Inflationsraten und BIP-Prognosen debattieren, leben wir in einem System, das sich – wie Erysichthon – längst selbst anzufressen begonnen hat.
Am Ende bleibt daher eine quälende Frage: Wenn Jappe recht hat und der Kapitalismus ein automatisches Subjekt ist, das sich gegen jede menschliche Vernunft selbst verschlingt – sind Politik und Wirtschaftsberatung dann nur noch die choreografierte Begleitmusik für den letzten Akt?
Oder liegt gerade im Lesen solcher Analysen – bei Jappe, Justin Leroy The Lowest Freedom oder Anita Varma Solidarity in Journalism – bereits ein erster Schritt aus diesem autophagen Kreislauf, weil man erkennt, dass man in diesem System nicht bloß Konsument ist, sondern Teil der verwertbaren Substanz selbst?
Vielleicht besteht die eigentliche Freiheit des 21. Jahrhunderts nicht mehr im Konsum, sondern in der radikalen Weigerung, sich weiterhin widerstandslos in diese mathematische Buchhaltung des Untergangs einspeisen zu lassen.
Profile Image for Hugo Lefebvre.
29 reviews
October 20, 2025
« Si le fétichisme n’est pas extérieur aux sujets et si la forme-fétiche est la forme-sujet même, alors on ne peut pas mobiliser les sujets en tant que sujets contre l’ordre économique qui les contient. […] Il faut plutôt s’émanciper des formes sociales autonomisées et fétichistes en commençant par sa propre constitution psychique narcissique »

Voici à peu près la conclusion de cet essai sur la forme-sujet que créé l’aboutissement du capitalisme et qui mobilise plutôt bien philosophie et psychanalyse. C’est avant tout une continuation de la critique de la valeur formulée par l’auteur dans un autre ouvrage, qu’il n’est pas nécessaire de lire pour comprendre celui-ci.

Le sujet est devenu « l’autre face de la valeur marchande, son « porteur » vivant ». Tout comme la valeur est fétichisée en forme abstraite qui néglige le concret, qui devient une forme vide de marchandise, le sujet contemporain est l’aboutissement d’un développement initié au moins avec Kant et qui nie tout rapport réel avec le monde. Il gravite autour de la marchandise, médiateur social final. Pris dans lui-même, le sujet surchauffe - Jappe décrit l’évolution théories du narcissisme en psychanalyse pour analyser l’effet de ce repli.

L’oeil que l’auteur jette sur des figures comme Kant et Rousseau paraît parfois trop sélectif. On ressort souvent diverti mais peu élevé, par exemple dans la longue discussion sur les tueries, ou le réductionnisme dans la société marchande avancée. Trop plongé dans les théories d’autrui, qui sont par ailleurs, on en sort peu armé pour pointer du doigt ce qui va mal avec nos sociétés. Mais c’est la nature de ce genre de lecture. C’est au final un livre très intéressant qui aide à mettre des mots sur ces maux qu’on ressent instinctivement.

Profile Image for Eduardo Souza.
54 reviews5 followers
November 1, 2024
demorei mais de dois anos para escrever o review (hoje é 1º de novembro de 2024) desde que terminei o livro – e talvez já seja bem tempo de relê-lo. mas, a leitura foi impactante demais e guardo bastante da memória.

jappe é um arguto e amplo leitor da sociedade contemporânea e da teoria crítica. sua discussão é extremamente concisa e profunda, não deixando nenhuma dúvida ao longo do raciocínio incisivo. sua análise da teoria do valor aplicada à subjetividade foi de particular impacto para mim. além disso, o modo como ele aponta para os sintomas do capitalismo autofágico também é muito elucidativo.
Profile Image for Cobramor.
Author 2 books21 followers
July 6, 2021
Bem melhor que "As aventuras da mercadoria", mas não tão bom como os trabalhos anteriores
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