Schockierend ehrliches Buch, über das Muttersein. Das wilde Partyleben zwischen Techno, Clubs und dem Barkeeper Job endet schnell, als Neele bemerkt, dass sie schwanger ist. Ihr ganzes Leben ändert sich von heute auf morgen und zwischen Erinnerungen und Erwartungen versucht sie, ihrer neuen Rolle gerecht zu werden.
Ungeschöhnt und ehrlich, so erzählt dieses Buch vom Muttersein. Es erzählt nicht nur von der Liebe für das eigene Kind, sondern auch von Erschöpfung, Einsamkeit und Langeweile und dem nicht gesehen werden als Mutter. Von einer Gesellschaft, die von Müttern immer Perfektion erwartet und die Leistungen dahinter doch nicht sieht, die harte Arbeit nicht anerkennt. Genau diese Aspekte bringt der Roman wie kein anderer auf den Punkt und zeigt dabei die hässliche Seite, die gerne verschwiegen wird. Denn wer gibt schon gerne zu, dass er als Mutter überfordert ist?
Ich glaube genau dieser Aspekt kann für viele heilend sein. Zu spüren, dass sie nicht alleine sind. Schwierig hingegeben ist für mich der sehr unreflektierte Drogenkonsum im gesamten Buch. Mag das zu Beginn der beschriebenen Partyära noch eine freie Entscheidung gewesen sein, hängt als Mutter dann eben doch ein anderes Leben mit an dieser Entscheidung. Für mich sehr schade, auch wenn natürlich das Bild der schonungslosen Ehrlichkeit damit aufrecht bleibt.
„… es ist die Unsichtbarkeit von Familie in der Gesellschaft. Es ist das starre Bild einer Mutter, welchem es sich zu beugen gilt. Welche keine Schattierungen erlaubt. Der Irrglaube, das ein Mensch mit Uterus nur dann Glück erfährt, wenn er sich fortpflanzen kann. Wenn er sich kümmern darf, bis zur letzten kompletten Selbstaufgabe. Der Glaube an Gene & Instinkte. Das Absprechen der Individualität eines jeden Kindes. Das Übertragen der eigenen Erwartungen an eine fremde Familie. Und letztendlich auch der eigenen, an sich selbst.“