Peter’s
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Peter’s
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from the Eine Odyssee group.
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Heute habe ich auch meinen Review des Buches eingestellt (auf Englisch, da ich es in dieser Sprache gelesen habe).Außerdem hatte ich noch diese Buchbesprechung gefunden. Hatten wir die schon verlinkt?
Melanie wrote: ".... Also wer mag...ich lese demnächst Aristoteles Metaphysik der Sitten :D"Das ist denn doch ein wenig starker Tobak für mich als Sommerlektüre. Aber wenn Du danach zu etwas mehr belletristischem greifst lass es uns wissen, Melanie.
Heute morgen habe ich die letzten Seite gelesen als meine Familie noch schlief. Und auch mir wurden die Augen feucht. Nachdem wir die beiden die letzten Wochen über recht intensiv begleitet haben, geht mir ihr Schicksal nahe, um so mehr als es sich ja um authentische Personen handelt.Ich glaube schon, dass Dan emotional von der Krankheit und dem Tod seines Vaters mitgenommen war, doch nimmt er im Buch eine doppelte Rolle ein, als Sohn und auch als (neutraler) Erzähler. Erst dadurch haben Jays letzte Wochen diesen nahezu die Rolle einer Apotheose eingenommen.
Was die Einschätzung angeht empfand ich das Buch zunächst als mittelmäßig. Das hat sich aber in der zweiten Hälfte deutlich verbessert, so dass ich ihm 4 Sterne verleihen werde.
Es hat mir große Freude bereitet, diese Buch mit Euch, Melanie und Alexandra, gemeinsam zu lesen. Unsere unterschiedliche fachliche Ausrichtung und Lebenserfahrung haben mir zusätzliche Motivation und Einsichten gegeben. Danke dafür. Ich hoffe, wir können dies demnächst einmal mit einem anderen Buch wiederholen.
Peter wrote: "Erst jetzt geht mir auf, dass das immer wieder auftauchende Bett, das Jay selbst aus einer Tür gezimmert hat, genau solch ein Zeichen "sema" ist, ..."Und noch mehr, ich denke das ganze Buch ist eine Art Grabhügel für seinen Vater, der die Nachwelt an ihn erinnern soll. Das ist ihm gelungen.
Erst jetzt geht mir auf, dass das immer wieder auftauchende Bett, das Jay selbst aus einer Tür gezimmert hat, genau solch ein Zeichen "sema" ist, von dem das letzte Kapitel handelt. Vermutlich hat der Roman noch viel mehr Anspielung und Verweise, die mir entgangen sind. Man müsste ihn wohl ähnlich analysieren wie Dan die Odyssee in seinen Vorlesungen.
Das Ende des Kapitels "Anagnorisis" gehört für mich zu stärksten und bleibendsten Stellen. Das hängt sicher auch mit meiner Tätigkeit als Lehrer zusammen. Die Selbsterkenntnis, dass I'd heard waht I wanted to hear. And I'd seen what I'd wanted to see, too - and failed to notice again, what had been right before my eyes. sollte jeder Lehrende ständig vor sich sehen.
Das ist schon allerhand. Danke, Melanie. Man kann also sehr verschiedene Ansichten haben, und aller mehr oder minder zu recht. Das fällt mir als an den exakten Wissenschaften Geschulter natürlich schwer zu verstehen. Andererseits macht das vermutlich auch den Reiz des philosophischen Denkens aus.
Melanie wrote: "...und dann die stelle mit den Attributen (männlicher Stecker/weibliche Steckdose/einführen). Diese Sexualisierung in diesem Kontext fand ich respektlos. hat mich richtig getroffen. ..."Melanie, für Techniker, insbesondere IT, ist dies im Englischen eine durchaus normale Bezeichnung ohne sexuellen Unterton, auch wenn die Terminologie ursprünglich der menschlichen Anatomie entlehnt ist. Vermutlich hätte der deutsche Übersetzer dies hier nicht wörtlich wiedergeben sollen.
Die antike Ansicht, dass der Sohn dem Vater sein Leben schulde, erinnert mich an eine Episode aus dem Leben Salvator Dalis, der seinem Vater einmal ein Plastiktütchen mit seinem Sperma schickte mit dem Kommentar, hiermit gebe er ihm alles zurück, was dieser in ihn investiert habe.
When the exterior, the face and body, have changed beyond recognition, what remains? Is there an inner "I" that survives time?Eine interessante philosophische Frage. Wenn unser selbst zweifellos (auch) durch unsere Erfahrungen geprägt oder zumindest mitbestimmt wird, gibt es dann überhaupt ein "Ich" das unabhängig von der Zeit existiert? Oder ist vielmehr das ich von gestern ein anderes als das ich von heute. Oder gibt es einen zeitindifferenten Kern (das was in der Religion "Seele") genannt wird. Melanie, Du bist doch "vom Fach", wie siehst Du das?
Ich frage mich, ob es richtig ist Informationen über seine Eltern auszugraben, die diese nicht von sich aus geben. Für mich fühlt sich das respektlos, ja beinahe schamlos an. Zumindest zu deren Lebzeiten, aber auch später. Was meint ihr, Melanie und Alexandra?
Noch etwas. Gerade fällt mir auf, dass das was wir tun, nämlich das Buch abschnittsweise zu lesen und Kommentare dazu zu posten, auch eine Doppelung des Geschehens im Roman ist? Dan doppelt Homer und wir doppeln Dan.
Ha, manchmal ist Homer sehr plakativ. Antinous Klage, dass Eumaeus einen Bettler in die Halle gebracht habe, lässt sich 1:1 auf die Bewerber selbst anwenden. 🙃
In diesem Abschnitt geht es um "Männersachen". Mich hat es gar nicht erstaunt, dass Odysseus seinem Sohn nicht beim ersten Anblick um den Hals gefallen ist. Für einen Mann (auch für mich) wäre dies ein völlig untypisches Verhalten. Vielmehr würde ich mir in Ruhe diesen jungen Menschen anschauen, sein Verhalten beobachten und nach äußeren und inneren Ähnlichkeiten suchen. In umgekehrter Weise tut dies Dan nun bei Jay. Er sucht Ähnlichkeiten zwischen sich und seinem Vater (dem Alten, wie auch dem in seiner Erinnerung).Das Bedürfnis nach einer Lichtgestalt, zu der man als Jugendlicher aufblicken, oder noch besser als Mentor gewinnen kann, scheint mir auch stark männlich geprägt zu sein. Ich denke Mädchen bzw. junge Frauen sind in dem Alter schon stärker ihrer selbst bewusst und suchen eher nach einer guten Freundin im Sinne eines Spiegels.
In dieser speziellen Konstellation frage ich mich aber ob die Beziehung zwischen Dan und seinen offensichtlich ebenfalls schwulen Mentoren nicht auch erotisch gefärbt ist. Glücklicherweise scheint es seitens der Erwachsenen zu keinen Grenzverletzungen gekommen zu sein, oder schreibt Mendelsohn zumindest nicht darüber.
Melanie, ich meinte das nicht morbid, sondern metrisch. Wenn wir vom Lebensweg sprechen, endet dieser zwangsläufig mit dem Tod. „Ziel“ hat also wie im Roman eine doppelte Bedeutung.
Die Einsicht, dass der Weg das Ziel ist, gilt hier meiner Meinung nach in dreifachem Sinn, für die Odyssee selbst, für die Kreuzfahrer, aber auch - im allgemeinsten Sinn - für jeden Menschen, denn der Tod ist das Ziel und es ist der Weg bis dahin, der zählt.
Über die homoerotischen Erfahrungen des Vaters hatten wir ja schon ganz zu Anfang spekuliert. Jetzt wird das Geheimnis aufgelöst. Ich fand es doch überraschend, mit welcher Nonchalance Jay und seine Umgebung damals die Homosexualität des Nachbarsjungen akzeptiert haben. Dan hätte sich sicher einfacher getan mit seinem coming out, aber: Some stories just take longer to tell. Zeit hier im Sinne verflossener Zeit BIS die Geschichte erzählt wird.Anders als Dich, Melanie, hat mich Dans Stegreif Vortag interessiert. Die beiden Gedichte, die er thematisiert, muss ich allerdings noch lesen. Ich möchte zudem noch auf den Interpretationsstreit Dans mit seinen Stunden zurückkommen (ist der richtig hier in diesem Thread?). Muss der Leser eigentlich immer den Sinn des Textes suchen (your job as readers is to make sense of them, to figure out how they contribute to a larger meaning) oder kann man sich manchmal einfach nur an dessen Schönheit freuen? Interessant auch die Frage, ob es bei einem fiktionalen Text eine objektive "Wahrheit" gibt. Und die Einsicht, dass alle Fragen aus dem Text beantwortet werden müssen (The text is the text, it says what it says. - erinnert das nicht an Jay's x ist x? - The answers are there. You just have to read more closely.
Ich hoffe, dass dies der richtige Thread ist. Mich hat der Vergleich zwischen den Geistern der Toten im Hades und Jay's alzheimerkranken Mutter bewegt. She's already like a ghost, wobei ihr Geistertum im Gegensatz zu den Hadesbewohnern noch einen Körper, aber keinen Verstand mehr hat.Regelrecht überrascht hat mich Odysseus Gespräch mit dem Geist von Achill, der sein kurzlebiges Heldentum rückblickend in einem ganz anderen Licht sieht. Dies kannte ich nicht. Ich stimme Dan zu, wenn er in dieser Stellen einen zentralen Punkt sieht, der die Odyssee (a poem that celebrates the overriding drive to survive at all costs) über die Ilias (a poem that celebrates the dark glamour of early death) stellt.
Und auch vor dem Hintergrund seines eigenen Lebens und seiner strikten Überzeugungen erkennt Jay in dieser Passage zugleich eine Warnung nicht den falschen Zielen hinterherzulaufen: It reveals that you can spend your whole life believing in something, and then you get to a point when you realize you were wrong about the whole thing.
Vielen Dank für den Link, Alexandra. Eine sehr angenehme Gesprächsatmosphäre in diesem schweizer Literaturclub im Vergleich zu seinem deutschen Pendant. Interessanterweise ist den Diskutanten das gleiche aufgefallen wir uns. Die Zentralität der Szene beim Abstieg in die Calypso-Höhle, wie auch die manchmal durchscheinende allzu gewollte Anlehnung, ja Parallelisierung der Handlung an die Odyssee, auch wenn sie häufig nur wenig über das Banale hinausgeht. Trotzdem halten all Teilnehmer das Buch für lesenswert, was ja auch bei uns der Fall zu sein scheint.
Ich liebe die Szene, in der Ray Dans Hand nimmt und ihm hilft seine Klaustrophobie zu besiegen. Während die Außenstehenden denken, dass der Sohn den Vater stützt, ist es genau umgekehrt. Das muss für beide eine schöne Erfahrung gewesen sein.
Melanie wrote: "Abschnitt 9"Melanie, Kannst Du letzte Zeile diese Abschnitts zitieren, so dass ich weiß, ob ich hier oder schon im nächsten Thread schreiben muss? Vielen Dank
