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Eugen Onegin: Ein Roman in Versen.
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Puschkin: Eugen Onegin > Onegin: Allgemeines

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Babette Ernst | 1670 comments Platz für alles, was sich nicht den Abschnitten zuordnen lässt.


Peter (slawophilist) | 607 comments Welche Übersetzung lest ihr? Ich habe mir eine (fast) kostenlose Version der Übersetzung von Theodor Commichau, die schon ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, sich aber recht flüssig liest. Parallel dazu schaue ich ab und an im russischen Original nach.

Bei Poemen ist ja die große Frage, ob man Versmaß und Reim nachbildet oder nicht. An Nabokovs Übertragung ins Englische scheinen sich darüber die Geister geschieden zu haben. Die Übersetzerin Sabine Baumann hat Nabokovs reimfreie, Übersetzung und Kommentare ins Deutsche übertragen, aber zu einem unerschwinglichen Preis.


message 3: by Armin (last edited Mar 22, 2023 04:38AM) (new) - rated it 5 stars

Armin (hellishome01) | 125 comments Kenne die Oper ja seit der Anschaffung eines deutschsprachigen Querschnitts vor bald 40 Jahren, kenne also die wesentlichen Handlungslinien in Sachen Liebe und Tod. Bin vielmehr fasziniert, wie brillant Puschikin die Konfliktlinien zwischen den Charakteren anlegt, wie offenherzig er mit den Schwächen seines Personals umgeht. Im unten verlinkten Video, das ich allen nur ans Herz legen kann, die nicht mehr gespoilert werden, meint der Dirigent, der Onegin wäre gar nicht so schrecklich romantisch, da würde auch viel Voltaire drin stecken. Im spöttischen Tonfall der Vorlage ganz sicher, da wird nicht geschmachtet und alle Gottheiten der aktuellen Moden wie früherer Generationen werden herrlich zerzaust.
Hier das Originalzitat, kommt ziemlich am Anfang des Videos:
Wir kennen es als ein romantisches Stück. Man kennt es vom romantischen Aspekt her. Aber, wenn man den Roman liest, merkt man erst die unglaubliche Süffisanz, für mich ist es näher an Voltaire.«
Mich hat die Stückeinführung mit Ausschnitten in hoher Qualität auf jeden Fall ordentlich angefixt, es besteht aber klare Spoilergefahr:
https://www.youtube.com/watch?v=Wq7mr...


message 4: by Peter (last edited Apr 02, 2023 07:33AM) (new) - rated it 5 stars

Peter (slawophilist) | 607 comments Die russische Kindle-Ausgabe enthält auch die von Puschkin selbst hinzugefügten Kommentare. Noch ausführlicher kommentiert ist die Prosa-Übersetzung von Maximilian Braun, die ich in einer deutsch-russischen Parallelausgabe im Internet gefunden habe:

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/a/200...


Babette Ernst | 1670 comments Den ersten Vers als Prosatext habe ich mit der Übersetzung in Versen verglichen und war erstaunt, wie nah sich beide Varianten sind. Für mich liest sich die gereimte Übersetzung durch den Rhythmus besser als die andere Variante.
Endlich habe ich auch bemerkt, dass mein Buch hinten jede Menge Anmerkungen hat, die sind wirklich hilfreich.


Peter (slawophilist) | 607 comments In Ergänzung zu unserer Lektüre habe ich heute die Verfilmung von Martha Fiennes mit ihrem Bruder Ralph aus dem Jahr 1999 angesehen (gibts auf Youtube). Das was den Reiz Puschkins ausmacht, sein Humor, sein Wechsel der Perspektiven, seine Gesellschaftskritik. All das kam erwartungsgemäß nicht zur Geltung. Bleibt die ursprünglich verschmähte Liebe und deren Widerspiegelung am Ende, sowie das verhängnisvolle Verhältnis zu Lenski. Nicht viel Handlung also. Das versucht der Film durch Stimmung (gedreht in England) auszugleichen, was sogar ein stückweit gelingt. Ralph Fiennes gibt Onegin glaubhaft wieder, auch Liv Tyler als Tatjana geht durch, gerade wegen der eingeschränkten Mimik dieser Schauspielerin. Lenski allerdings ist eine komplette Fehlbesetzung, zu alt, zu wenig bzw. nicht glaubhaft romantisch verklärt. Kurz und gut: interessant zu sehen, aber keine Offenbarung. Ich hoffe ich habe einmal die Möglichkeit Tschajkowskijs Umsetzung als Oper zu sehen.


Babette Ernst | 1670 comments Peter wrote: "In Ergänzung zu unserer Lektüre habe ich heute die Verfilmung von Martha Fiennes mit ihrem Bruder Ralph aus dem Jahr 1999 angesehen (gibts auf Youtube). Das was den Reiz Puschkins ausmacht, sein Hu..."

Die Oper von Tschaikowski würde ich auch gerne mal sehen.


message 8: by Armin (last edited Apr 16, 2023 01:04PM) (new) - rated it 5 stars

Armin (hellishome01) | 125 comments Ihr wohnt doch beide in Regionen mit drei oder vier Opernhäusern in relativer Nachbarschaft und kein Onegin auf dem Spielplan?

Hatte schon das Glück, als ich noch Musikkritiker war, die Ironie bleibt natürlich sehr auf der Strecke, die Ader dafür geht Tschaikowsky definitiv ab, die Eitelkeiten der Männer vor dem Duell trifft er ganz hervorragend, Lenskis Arie vor dem Duell ist ein Ohrwurm, gibt dem Charakter aber auch eine Dimension, die weiter über die Vorlage hinaus geht. Das trifft, im allerbesten Sinne, auf die Briefszene zu, eine schlechte Tatjana kann da viel versauen, im Gegensatz zu Lenskis Schmachtfetzen. Gibt herrliche alte Russenvideos in Schwarz-weiß auf Youtube.

@ Peter Liv Tyler Was erwartest Du von diesem Pop-Phänomen in dieser Phase der Karriere? Gerade noch mit Bruce Willis und Ben Affleck die Welt gerettet und dann schon Tatjana. Im später entstandenen Film Cookies Fortune hinterließ sie bei mir unter der Regie von Robert Altman einen starken Eindruck, trotz starker Konkurrenz von leading Ladies wie Glenn Close und Julianna Moore (damals mein persönlicher Publikumsmagnet). Den Onegin werde ich mir aber heute Abend mal genehmigen, wenn meine kreativen Säfte versiegt sind.


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