Jochen Schmidt's Blog

February 3, 2017

Auf Zeit-Online habe ich einen Text über die komischen, r...

Auf Zeit-Online habe ich einen Text über die komischen, rührenden und im Sinne von Nachhaltigkeit zukunftsweisenden Basteltips in der Leserbrief-Rubrik des DDR-Bastelmagazins "Practic" geschrieben. Wer würde sich heute noch eine "externe Cursorsteuerung" bzw. "Maus" für den Computer basteln, und zwar aus hölzernen Möbelknöpfen und einer Butterdose? Nebenbei wird verraten, daß Alf im Osten erfunden wurde! Das Titelbild ist etwas irreführend und stammt, im Gegensatz zu den anderen Fotos, nicht von mir. Warum sollte man seinen alten Trabi an die Wand kleben? Man kann doch ein Regendach für die Hühner daraus bauen (wie es im Text gezeigt wird.)Beitrag bewerben
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Published on February 03, 2017 23:31

July 27, 2016

Spielplatz in Neubrandenburg












Neubrandenburg liegt am Tollensesee, Tollenser hieß im Osten seit 1961 der Tilsiter Käse, die ostpreußische Stadt Tilsit war ja 1946 in Sowjetsk umbenannt worden. Unweit von diesem See habe ich gleich zwei Spielplätze entdeckt, die die Spielplatzforschung interessieren dürften. Auf dem Spielplatz "Am Stier" im Kulturpark steht ein einzigartiger steinerner Stier, der mich mit seiner wunderschönen, geschwungenen Form und dem bekletterbaren, hohlen Innenraum an "Tufsen" erinnert, die amorphe Spielplatzskulptur von Egon Møller-Nielsen. Dazu die mit Mosaiksteinen besetzte Oberfläche, die mein ortskundiger Führer "portugiesisch" nannte. Welcher namenlose Gestalter hat dieses Kunstwerk geschaffen? Gab es im Osten noch mehr davon? Gleich daneben steht der Steinelefant, den ein paar Neubrandenburger auf einem Bauhof gefunden und mit Geldspenden restaurieren lassen haben. Er ist 1969 bei der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau in Dresden in Auftrag gegeben worden. Die neue, bunte Mosaikoberfläche finde ich ausgesprochen gelungen. Noch ganz beseelt von diesem Fund kam schon die nächste Sensation, etwas weiter im Park befindet sich ein Spielplatz mit gut erhaltenen Stahlrohrklettergerüsten, und zwar mit Figuren, die ich noch nie gesehen habe, ein Kamel und ein Bulle. Aus welcher Werkstatt stammten die? Ein selten gewordener, vollständiger Kletterpilz mit Dach überrascht da kaum noch. Und auch die Blockhütten stammen noch von vor der Wende, in die große kann man nur steigen, wenn man die Stange hochkommt, das dürfte motivieren.
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Published on July 27, 2016 06:30

Neubrandenburg liegt am Tollensesee, Tollenser hieß im Os...












Neubrandenburg liegt am Tollensesee, Tollenser hieß im Osten seit 1961 der Tilsiter Käse, die ostpreußische Stadt Tilsit war ja 1946 in Sowjetsk umbenannt worden. Unweit von diesem See habe ich gleich zwei Spielplätze entdeckt, die die Spielplatzforschung interessieren dürften. Auf dem Spielplatz "Am Stier" im Kulturpark steht ein einzigartiger steinerner Stier, der mich mit seiner wunderschönen, geschwungenen Form und dem bekletterbaren, hohlen Innenraum an "Tufsen" erinnert, die amorphe Spielplatzskulptur von Egon Møller-Nielsen. Dazu die mit Mosaiksteinen besetzte Oberfläche, die mein ortskundiger Führer "portugiesisch" nannte. Welcher namenlose Gestalter hat dieses Kunstwerk geschaffen? Gab es im Osten noch mehr davon? Gleich daneben steht der Steinelefant, den ein paar Neubrandenburger auf einem Bauhof gefunden und mit Geldspenden restaurieren lassen haben. Er ist 1969 bei der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau in Dresden in Auftrag gegeben worden. Die neue, bunte Mosaikoberfläche finde ich ausgesprochen gelungen. Noch ganz beseelt von diesem Fund kam schon die nächste Sensation, etwas weiter im Park befindet sich ein Spielplatz mit gut erhaltenen Stahlrohrklettergerüsten, und zwar mit Figuren, die ich noch nie gesehen habe, ein Kamel und ein Bulle. Aus welcher Werkstatt stammten die? Ein selten gewordener, vollständiger Kletterpilz mit Dach überrascht da kaum noch. Und auch die Blockhütten stammen noch von vor der Wende, in die große kann man nur steigen, wenn man die Stange hochkommt, das dürfte motivieren.
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Published on July 27, 2016 06:30

December 14, 2015

Knusper, knusper, Knäuschen


Irgendwo bei Walter Kempowski habe ich mal über das Geräusch beim Rausschneiden der "Augen" beim Kartoffelschälen gelesen: "Das kommt von weit her". So geht es mir mit dieser Hexe in einem Pfefferkuchenhaus, das ich in einem Berliner Schaufenster gesehen habe. Der Bäcker benutzt die Figur sicher seit Jahrzehnten, die kommt für mich "von weit her", ich glaube, aus dem Kindergarten. Dieser Plastekopf, die grusligen Augen und dieser grobe Kunstfaserstoff. Ein Pfarrer aus dem Westen hat mir mal erzählt, in seiner Jugend hätte man "Hänsel und Gretel" so interpretiert, daß sich darin die Angst der Immobilienbesitzer vor den Armen, die ihre Häuser anknabbern wollen, ausdrücke.
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Published on December 14, 2015 03:13

December 10, 2015

Alte Parteischule Erfurt





















Lesung in Erfurt, in der Buchhandlung Peterknecht, einem Familienbetrieb in dritter Generation. Das schöne Firmensignet hat der Erfurter Künstler und Grafiksammler Rudolf Franke entworfen. Da ich auch über meine Erfurt-Erkundungen erzählt und die Gagarin-Büste am Gagarin-Ring erwähnt habe (an dem das ehemalige Hotel Kosmos liegt, das leider nicht mehr so sinnig heißt), wies mich eine Zuschauerin darauf hin, daß es auch eine Gagarin-Dahlie gibt, die vor gar nicht langer Zeit in der Nähe der Büste wieder eingepflanzt worden ist. Die Züchtung ist im Rahmen eines Erfurt-Besuchs von Gagarin 1963 nach ihm benannt worden, 2011 hat eine Zeitung einen Suchaufruf gestartet, und tatsächlich hat sich eine Erfurter Rentnerin gemeldet, die die Pflanze seit Jahrzehnten bei sich im Garten pflegt, also die Knolle im Winter ausgräbt (mit ein bißchen Erde dran) und Ablegerknollen an Gartenfreunde weitergegeben hat. Ich bekam dann noch den Hinweis, mir die alte Parteischule in Erfurt anzusehen, und zum Glück habe ich das am Morgen gemacht. Die Gebäude dienen jetzt als Gästehaus, man kann sich dort einmieten. Im Foyer findet man die Ästhetik von damals wie in einem Bernstein konserviert. Die psychedelische Tapete, die wundervollen Wendeltreppen, das Wandbild mit den typischen Motiven: über Papieren brütende junge Ingenieure, musizierende Jugendliche, eine junge Melkerin. So wünschte man sich die Jugend, und dann wollten sie Beat hören und Röhrenjeans tragen.
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Published on December 10, 2015 04:18

November 27, 2015

Arche für Sensible und Effektgespinst

















Noch einmal Chemnitz, die schöne Leuchtschrift vom Omnibusbahnhof wird mit ihm verschwinden, denn er soll wohl abgerissen werden, obwohl das freischwebende Betondach einmalig ist. Der Rote Turm, nach dessen Form die Fitflasche gestaltet worden sein soll. Mein Gastgeber Jan Kummer ist in Besitz einer elektrischen Zahnbürste aus sowjetischer Produktion, mit Ersatzbürsten, nie hätte ich geglaubt, daß es so etwas gegeben hat! In der Galerie Borssenanger lief gerade Jans Ausstellung "Ohnmacht & Extase", in der auch eine Reihe Archen zu sehen waren, die er für den Weltuntergang gebaut hat, hier die "Arche für Sensible". Von einem anderen Künstler stammte ein vermummter Nußknacker, die Haßkappe hat eine Erzgebirger Oma gestrickt. Aus der Panorama-Bar des Hotels Mercure, ehemals Interhotel, wo es früher eine Jalta-Bar gab, in der man zu Ostzeiten schon Westzigaretten kaufen konnte (eine Stange HB für 70 Mark, zwei Monatsmieten), hat man eine gute Sicht auf Hubert Schiefelbeins herrliche Betonformsteinfassade der Stadthalle. In der anderen Richtung lugt die Spitze der Rakete vom Kosmonautenzentrum aus dem Wald hervor. In der Hotel-Lobby kann man eine Erzgebirger Stefan-Heym-Figur kaufen, zu solchen Ehren möchte ich auch mal kommen! Das ist doch mehr wert als ein Büchner-Preis. Mitten im Zentrum steht eine Skulpturengruppe, die kaum jemand beachtet, man kann hier Brechts "Lob der Partei" und das "Lob des Kommunismus" in Stein gemeißelt lesen. Man sieht auch, wie so häufig auf DDR-Kunstwerken, einen Lesenden (hier von seiner Freundin gestört), und glückliche Kinder (was tun glückliche Kinder? Sie tanzen um einen Baum.) Am Bahnhof dann ein Mahnmal für die Opfer der Aufstände von 1919. Weiter ging es nach Leipzig, wo ich in einem HO-Kaufhaus kleine Schätze gefunden habe, Abziehbilder (benutzt man so etwas noch?) z.B. vom famosen Rügen-Hotel in Saßnitz. Aber auch ein Krokodil vom VEB Plaho Steinach. Wie man sieht ist das Etikett schon in die Verpackung getan worden, der Beutel ist nur mit einer Metallspange gesichert, das war damals eine Sparmaßnahme, vorher hatte man den Beutel und das Etikett ordentlich geklammert. So ging es mit dem Land zuende. Und es gab auch wieder ein Wort zu lernen: "Effektgespinst".
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Published on November 27, 2015 04:10

November 26, 2015

Neuruppin















Am Ortseingang von Neruruppin ein rostender Fortschritt-Mähdrescher, die großen Reifen platt. Das Erste-Qualität-Symbol. In der Pension hängen Werbewandkalender: "Huck - Hebebänder, Rundschlingen und Zurrgurte." Dieser tolle Spezialwortschatz der arbeitenden Bevölkerung. Im Neuruppiner Museum eine Ausstellung über ein Kinderferienlager des MfS in dieser Gegend, die Lageskizze des "Kinderspielplatzes" mit MG-Nest und Laufgraben. Da kann man froh sein, wenn die eigenen Eltern in einem normalen Betrieb gearbeitet haben. Nachts durch die Straßen, im Schaufenster eines Haushaltgeräteladens ein schöner, alter Omega-Staubsauger, von Wolfgang Dyroff gestaltet. Die Jugend trifft sich am Marx-Kopf, aber ob sie noch "Kofferheulen" haben, wie früher? Am nächsten Tag im Restaurant am Tempelgarten, mit historischem Wintergarten und sachlichem DDR-Anbau: "Auf den könnwa bei Feiern nicht verzichten." Eine Gruppe Rentnerinnen: "Nu sind die Blätter ja weg." "Also untern Birken lagen se so dick." "Ick hab janz schön zu tun jehabt." Auf der Karte steht: "Das Essen muß zuerst das Auge und dann den Magen erfreuen." Goethe, der war schon manchmal tiefsinnig. Hinter der Kulturkirche, der 1971 entwidmeten ehemaligen Pfarrkirche Sankt Marien, stehen noch drei Brandenburger Bushäuschen, von Schülern bemalt, wodurch die schönen Kacheln nicht mehr richtig zur Geltung kommen. Die Kirche ist nach dem großen Brand 1787 gebaut worden, der die Chance bot, die Stadt nach Prinzipien der Aufklärung, großzügige Straßen, Plätze für die Luftzirkulation, vielfältige Laubbäume, Bildung, Gewerbe, dezente Farbgebung, maßvoll zufriedene Bürger, zur "preußischsten aller Städte" wieder aufzubauen. Vitruv: firmitas (Dauerhaftigkeit), utilitas (Bequemlichkeit), venustas (Wohlgestalt). Alles heute bei Neubauten in der Regel vollkommen unbekannt. Katalog einer Moritz-Götze-Ausstellung mit Variationen des Peter im Tierpark-Bilds. "Ditt hing damals in jedem Kindergarten, in jedem Krankenhaus", wird mir versichert, aber ich weiß das ja noch, wir haben es in Zeichnen abgemalt. "In New York haben se dem die Bilder mit Haken aus de Wand jerissen, na ick hab zu Moritz jesagt, ditt is, weil die so bunt sind, und für die Amis sind ditt Comics", erfahre ich. Jemand hat ein Bild von einem blonden Mädchen am Strand gekauft, so mit rumliegender Coladose. "Für meine Tochter, wenn sie 18 wird, bei der im Zimmer siehts nämlich genauso aus", sagte der Käufer. Armin Müller-Stahl ist hier aufgetreten und hat Tom Hanks aus Berlin herantelefoniert. "Da mußte ick für den zum Bäcker, Tom ißt so jerne Streuselkuchen mit Füllung, wußtick ooch nicht." Nach Kyritz, ein Trabi auf einem Metallmast, offenbar mit einem Storchennest auf dem Dach, der muß noch nachsitzen. Herrliche Schweiß-Zäune. Sonnenblumenmotive. Eine freiwillige Feuerwehr, Kinder haben eine Robur-Feuerwehr an die Wand gemalt. Das Agrarflugmuseum Kyritz hat leider schon zu, auf dem Gelände zwei Leipziger Peitschenleuchten mit kühn gebogenem Mast, noch nie gesehen. "Pferdedeckenreinigung" wirbt ein Schild in Gottberg. Ein Haus mit auffälligem Wellendach, von welcher DDR-Baustelle der Besitzer das wohl abgezweigt hat? In Dabergotz im Antikhof. Eine Zuckerzange mit Greifer haben sie leider nicht. Wie ordentlich das hier ist … "Ja, manche fahren mit dem Laster hinten ran und kippen einfach alles aus." Leider ist der einbeinige, silberne Aschenbecher nicht zum Verkauf.
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Published on November 26, 2015 07:06

September 30, 2015

Berlin Frankfurter Tor




Berlin, Frankfurter Tor, Blick zum Fernsehturm im Jahr 1985 und heute. In der 9.Klasse haben wir uns hier im Zeichenunterricht wie einst Van Gogh unterm freien Himmel auf dem Mittelstreifen aufgebaut und die Henselmann-Türme getuscht. Immerhin hatte ich schon etwas von Zentralperspektive gehört, was mir wahrscheinlich eine 1 sicherte. Ob ich den Sonnenuntergang dazuerfunden habe? Die RFT-Werbung ist inzwischen von den Türmen verschwunden, es gibt keine Nadelbäume mehr auf dem Mittelstreifen und die Fensterhöhlen der Häuser sind nicht mehr so bedrohlich schwarz. Im Logo des Strahlentherapie-Zentrums, das heute an der Ecke sitzt, sind die Türme auch nochmal zu sehen.

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Published on September 30, 2015 05:44

September 1, 2015

Расскажите о большой стройке



Aus einem Russischlehrbuch: "Erzählt über die große Baustelle" und "Erzählt über das neue Viertel". Genau so sah es aus, als wir ins Neubauviertel zogen, nur daß nie ein Kino gebaut wurde.
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Published on September 01, 2015 03:23

August 24, 2015

Kunst im öffentlichen Raum













Ein paar Beispiele für übriggebliebene Kunst im öffentlichen Raum aus Bulgarien. Ob das dort von irgendwem dokumentiert und gesichert wird? In Gabrovo wird ein Plattenbau von drei Schmieden beschützt. Beim Denkmal für die russischen Befreier aus Sofia, mit den üblichen Verbrüderungsszenen, fiel mir auf, daß ein russischer Soldat auf einem Motorrad sitzt. In den Berichten vom Kriegsende in Deutschland liest man immer nur von Panje-Wagen und gestohlenen Fahrrädern.
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Published on August 24, 2015 11:11

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