Kay Noa's Blog

April 5, 2017

Bücher auf den zweiten Blick - Der Klappentext


Über den berühmten ersten Eindruck bei einer neuen Buchbekanntschaft haben wir uns ja schon unterhalten (und auch, worauf es dabei ankommt).

Wenn man es also geschafft hat, mit der richtigen Bildsprache den Leser zu einem zweiten Blick zu bewegen, so wird er sich in den allermeisten Fällen als nächstes dem Klappentext widmen, um genauer zu erfahren, um was es in dem Buch geht.

Damit ist also schon einmal geklärt, was ein Klappentext sein soll: Eine kurze, möglichst die Leselust stimulierende Beschreibung des epochalen Werkes, das dem Leser da gerade durch eine glückliche Fügung des Schicksals in die Hände gefallen ist.

Er soll also im positiven Sinne neugierig machen und einen guten Eindruck hinterlassen, zum Kauf stimulieren, ein spontanes aber heftiges "Haben will" beim Leser hervorrufen. Und das in ein paar wenigen Sätzen? Information und Spannung in perfekter Balance? Oh Gott. Es hat Gründe, warum die meisten Autoren Klappentexte von Herzen hassen.

Als Warm-up kann ich nur jedem folgende Übungen empfehlen:
einmal auf Amazon die Beschreibungen der aktuellen Toptitel eures Genres zu lesen. Das sind die Klappentexte, die ihren Zweck offenbar erfüllen. Und zwar allein deshalb, weil sie der Leser mit diesen Büchern in Verbindung bringtschickt den Künstler in Urlaub, Klappentexte sind Gebrauchstexte mit dem einzigen Zweck, den Verkauf eures Buches anzukurbeln. Sie sind und wollen keine Kunstwerke sein. macht mehrere, ganz bewusst sehr verschiedene Entwürfe und bastelt dann ein "Best of". 

Gute Klappentexte arbeiten nur mit wenigen Figuren. Sie sind leicht verständlich und enthalten eine klare Botschaft.

Doch jetzt schauen wir, woraus ein Klappentext im Einzelnen besteht:

1. HeadlineMit einer knackigen, "Wow" auslösenden Headline hat man schon die halbe Miete. Blöd nur, dass so eine Headline so schwer zu finden ist. Überlegt euch, womit ihr das Interesse eines gelangweilt durch das Angebot scrollenden/schlendernden oder blätternden Leser wecken könntet. Versucht, wie die Bild zu denken, die ungeachtet dessen, was man sonst von ihr halten mag, jedenfalls weiß, wie man Schlagzeilen schreibt. Was macht neugierig? Was löst Emotionen aus?
2. Angaben zum Inhalt Ich schreibe bewusst nicht Inhaltsangabe, denn eine echte Inhaltsangabe hat bestimmte Kriterien zu erfüllen, die in einem Klappentext ein absolutes No-Go wären, das Verraten des Schlusses etwa oder ähnliche Spoiler.

So ein "Anriss" verrät nur soviel, wie erforderlich ist, um dem leser einen ersten Eindruck vom Inhalt zu erlauben. In der Kürze liegt die Würze, Profis in den Verlagen verwenden hierfür selten mehr als 150 bis 200 Worte. Der Leser soll mit dieser Information lediglich
die Geschichte in Bezug auf das Genre einordnen können, also z. B. ein Krimi oder eine Liebesromanze ist, erfahren, in welcher Zeit eine Geschichte spielt,ein Gespür dafür entwickeln, ob er die Protagoniste und ihre Geschichte interessant findet. idealerweise wird er Lust zum Lesen oder Schauen bekommen, indem er die Handlung „kurz anlesen darf Mir hilft es sehr, wenn ich versuche, einfach zu denken. Vergesst all das Drumherum, das euer Buch zu einem Besonderen, zu eurem,  macht. Um was geht es im Hauptplot? Nebenstränge und das Setting sind nicht so wichtig. Was ist für den Leser vertraut, womit bedient ihr seine Erwartungen? Und womit gedenkt ihr ihn zu überraschen? 

Hilfreich ist es, sich selbst zu fragen, an welchem Haken der Plot hängt. Was riskieren die Protagonisten, was haben sie zu gewinnen oder zu verlieren? Bietet den Protagonisten als Identifikationsfigur an. Also nennt nicht (nur) dessen Namen, sondern beschreibt ihn auch (das lebenslustige Münchner Partygirl Lexa).

Unabhängig von Tempus und Erzählperspektive ist es bei der Inhaltsangabe in Klappentexten absolut üblich in der 3. Person Gegenwart zu schreiben, denn das erweckt bei dem vorhandenen Platzangebot am meisten Spannung.

In Klappentexten für belletristische Werke sollte man auch vor emotionsstarken Verben und Adjektiven nicht zurückschrecken.  
Beispiele für solche gefühlsauslösenden Ausdrücke wären etwa: Liebe, Hass, Rache, Freundschaft, Geheimnisgeheimnisvoll, erstaunlich, leidenschaftlich, erschreckend, besessen, charismatisch, rätselhaft, attraktiv, abweisend, außergewöhnlich …Googelt mal nach "Power Words". Hilfreich ist auch diese Liste hier.




3. Leseproben oder ZitateAusführliche Leseproben verbieten sich aus Platzgründen, aber es kommt gut an, wenn man mit einem spannenden Absatz den künftigen Leser "anfixt", indem man ihn mit wenigen Sätzen in die Geschichte hineinzieht. Auch ein gelungenes kurzes Zitat, ein Dialog etc. können diese Wirkung erfüllen. Solche Elemente haben dieselbe Funktion wie der berühmte und nicht minder berüchtigte erste Satz eines Buches, mit dem Vorteil, dass man ihn auch aus der Mitte nehmen darf.

4. Referenzen oder BlurbsPositive Rezensionen - am besten von bekannten Kollegen, Bloggern, sonstigen Zeitgenossen sind natürlich immer ein guter Kaufanreiz. Eine Empfehlung ist unbezahlbar. Von daher kann und sollte man sich nicht scheuen, solches Lob mit Quellenangabe im Klappentext aufzuführen. Das steigert die Glaubwürdigkeit der Qualitätsbehauptung.

5. Angaben zum AutorDass nur selten eine Angabe zum Autor bei einem Klappentext fehlt, hat mehrere Gründe. Einmal interessiert es viele Leser, was für ein Mensch hinter dem Buch steckt, das sie in Händen halten. Also der ganz einfache Wunsch nach Begegnung. Dann aber kann es auch - je nach Thema durchaus von Interesse sein - ob der Autor aufgrund seiner Lebens- oder Berufserfahrung weiß, wovon er schreibt.- Es geht also um Glaubwürdigkeit. Darum kommt auch ein kleines Bildchen vom Autor sehr gut an.

6. Angaben zur Reihe, zu anderen WerkenZuletzt ist es natürlich ratsam, gleich zu sagen, ob es ein Einzelband oder Teil einer Reihe ist. Dazu kann man dann auch gleich entweder auf die weiteren Bände der Reihe hinweisen oder auch auf andere Bücher des Autors. Schadet ja nicht. Bei Reihen ist es sehr sinnvoll darauf hinzuweisen, ob man das Buch auch allein (also ohne Vorkenntnisse und ohne Cliffhanger) lesen kann oder ob man sich auf die Serie einlassen sollte.

Förderlich ist natürlich auch der konkrete Vergleich: "Für alle Fans von Dan Brown."

7. Schlüsselworte Für die Online-Suche (speziell bei E-Books) sollten unbedingt potentielle Suchwörter im Klappentext enthalten sein. Also Worte, mit denen Leser nach Büchern wie den euren suchen würden. Hier ist ein bisschen Marktforschung unerlässlich. Aber es lohnt, denn nur wer gefunden wird, kann auch gekauft werden.




Kontrolle Mit der aus der Werbeforschung bekannten AIDA-Formel kann man ganz gut den Aufbau seiner Buchwerbung überprüfen. Sie kann aber nicht den Praxistest ersetzen, dass man den fertigen Text potentiellen Lesern vorstellen und sie um Feedback bitten sollte. Was erwarten sie nach der Lektüre des Textes vom Buch? Würden sie es kaufen? Warum (nicht)? Und fragt nicht die Mutter oder andere Menschen, die auf eure Gefühle Rücksicht nehmen wollen. Fragt Fremde.
Attention
Es geht als erstes um die Aufmerksamkeit des Buchkäufers.
Diese Phase gehört nicht zwingend zur Buchbeschreibung, sie wird ja schon durch das Banner der Promo, das Cover, etc.durchlaufen.
Ziel ist es, unseren kaufunentschlossenen Leser zu einem Blick auf die Buchbeschreibung zu bekommen.Interest
Im zweiten Schritt wird das Interesse für das Buch geweckt.
Dies gelingt am besten durch eine gelungene Headline der Buchbeschreibung, manchmal auch schon durch den Titel des Buchs, ein prägnantes Logo etc..Desire
Desire steht für den Wunsch des Lesers das Buch JETZT zu lesen. Hier spielt die Buchbeschreibung die wichtigste Rolle, das ist die Domäne des Klappentextes. Das klappt am besten mit kurzen, klaren Sätzen, ohne Füllworte und Floskeln, ohne Wiederholungen.
Action
Am Ende soll - natürlich - der Buchkauf ausgelöst werden.



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Published on April 05, 2017 04:42

May 23, 2016

Gastbeitrag: Mein Interview in der Reihe "Autoren hautnah" bei Elke Aybar

http://elke-aybar.com/autorenhautnahkaynoa/




Heute hab ich die Autorin Kay Noa auf dem imaginären Sofa neben mir sitzen. Besonders die Frage danach, welches Tier sie sein wollte, gibt mir zu denken.

Liebe Kay, wenn man verfolgt was du alles auf die Beine stellst und vor allem, zu welchen Uhrzeiten du noch arbeitest, ist es ein Wunder, dass du noch Zeit für so etwas wie ein Interview findest. Und trotzdem kamen deine Antworten bisher am allerschnellsten zurück. Ich würde sagen, wir legen auch hier gleich zügig los. Zum Warmwerden stelle ich meinen Interviewpartnern erst mal einige einfache Fragen. Antworte spontan, so rasch wie möglich.

Welche Superkraft hättest du gerne?
Gedanken lesen

In welchem Kinofilm warst du zuletzt?
Deadpool; Dschungelbuch musste ich leider berufsbedingt absagen.


Für welchen Nachtisch würdest du einen Mord begehen?Für keinen. Das Gefängnisessen schmeckt nicht

Bist du ein Tag oder Nachtmensch?Nachtmensch

Trägst du lieber Hosen oder Röcke?Kommt auf den Anlass an. Der englische Ausdruck „Dressed to kill“ ist schließlich situativ unterschiedlich zu interpretieren.

Welche Eigenschaft eines Menschen nimmt dich sofort für ihn ein?Ehrlichkeit, auch gegen sich selbst

Hast du einen Tanzkurs gemacht?Mehrere

Wenn ich dich jetzt in ein Flugzeug setzen würde, was wäre das Ziel?Da würde ich mich überraschen lassen wollen. Das wäre aufregend.
Bei den nächsten Fragen darfst du gerne ein wenig länger nachdenken und auch ein paar Worte mehr schreiben.

Wenn du ein Tier sein könntest, welches wäre es und warum?
Schwierige Frage. Angesichts dessen, wie wir Menschen mit Tieren umgehen, domestizierten wie wilden, möchte ich kein Tier sein. Darum bin ich froh, ein Mensch zu sein, der einen beträchtlichen Teil seiner Zeit und Kraft darauf verwendet, dafür zu sorgen, dass andere nach mir diese Frage einmal anders beantworten können.
Stell dir vor, du kämst durch eine Verkettung glücklicher Zufälle an die Weltherrschaft. Was wäre deine erste Amtshandlung?
Puh, die Frage ist auch nicht einfacher. Es gibt so viel zu tun, aber ich unterstelle, dass es am Ende doch nicht so einfach ist, sonst würde es getan. Weil ich nicht an eine zentrale bzw. globale Lösung glaube, würde ich erst einmal die Welt bereisen, um mit den Menschen vor Ort zu reden. Also mehr so die Politik der kleinen Schritte. Und dazu würde ich vermutlich zuerst einmal die Mega-Konzerne zerschlagen. Ja.Beim letzten Punkt bin ich dabei. Und ich würde das Fernsehen abschaffen.

Da ich deinen engen Zeitplan kenne, auf zur nächsten Frage: Mit welchen drei Worten würde dich deine beste Freundin beschreiben?
Zuverlässig, Durchgeknallt, pragmatisch
Eine nette Mischung. Und mit welchen drei Worten würde dich jemand beschreiben, der dich gerade erst kennengelernt hat?
Durchgeknallt, lustig, hartAha! Ich sehe schon, ein Wort wurde doppelt genannt. [image error]
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Published on May 23, 2016 02:47

April 30, 2016

5 verrückte Dinge, mit denen ein Autor den Frühling beschwört

Meine Autorenfreundin Elke Aybar hat diese Frage aufgeworfen und mich damit tatsächlich hinter dem Ofen und unter einem Berg von Wärmflaschen und Decken hervorgelockt.

Normalerweise meckere ich nicht übers Wetter. Nie. Aus Prinzip. Ich hab das früher versucht und festgestellt, dass es keinen interessiert - und Petrus am Allerwenigsten. Also kann ich mir die Mühe sparen. Heuer allerdings möchte ich mein Scherflein zur Verbesserung der meteorologischen Gesamtsituation, mit der wir alle irgendwie unzufrieden sind, beitragen.

Wie sagt man so schön? Es ist besser, auch nur eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen. So gesehen, kann man ja mal versuchen, den Frühling anzulocken. Schaden kann es nicht.



Aber wie?

Meine Freunde machen das so:


Elke Aybar, die diese Initiative gestartet hat und es ansonsten wie ein Braunbär hält.Kathi V. Rittermanz setzt auf traditionelle Dinge Vanessa Carduie die sich dem Thema aggressiv passiv nähertCatron Autorin die gleich einen Film gedreht hatSandra Florean  die sich todesmutig aufs Fahrrad schwingtLiane Mars die es mit Maibaum-Hypnose versuchtHope Cavendish die sich nicht entscheiden kann, ob sie brandstiften oder eine Zeitmaschine bauen sollSo, und was mach ich? 

1.  Tiere bürsten.  Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Fell auf ein trotz zugegebenermaßen barocker Formen doch flächenmäßig überschaubares Haustier passt. Wenn man hier ein Zeichen setzt und nicht nur die eigenen Winterjacken schlotternd in den Keller räumt, sondern auch den Privatzoo ausbürstet, muss doch der Frühling kommen.



Unterstellt, der Frühling ist tierlieb. Mindestens aber hat man damit den Frühjahrsputz eingeläutet.



2. Frühjahrsputz Gutes Stichwort. Wenn die Tage wieder länger und zumindest in unserer Vorstellung auch heller werden, sieht man erst, was man so an Staub und Dreck in der Winterhöhle angesammelt hat. Klar, ohne Sonne fallen die Milchglasscheiben gar nicht auf. Draußen gibt es eh nichts zu sehen.

Da wir aber von Autoren sprechen, nutze ich die Gelegenheit und räume auch Schreibtisch und wichtiger Festplatte auf. All die drölfzigtausend Vorversionen des aktuellen Skripts, Fragmente, Schnippsel, Notizen ... vieles kann man löschen, manches sollte man archivieren, auch eine Sicherungskopie der Festplatte ...

Was das mit Frühling zu tun hat? Nichts. Aber es lenkt vom Winter ab. Und gesetzt der Fall, der Frühling kommt, kann man wieder draußen arbeiten. Da ist aber wegen der Unbill der Natur in Form von Windstößen, verdauungsbereiten Vögeln, Insekten, herumtollenden Reservewerwölfen, neugierigen Eichhörnchen und dergleichen mehr das Verletzungsrisiko für meinen Laptop deutlich höher. Mit Sicherungskopie sitze ich entspannter.

Frühling, ich bin bereit, du musst mich nicht schonen.


3. Beschwörungsrituale Zunächst kann man es im Guten versuchen und ein Vorbild anbieten. Also verschiebt man das Schreiben am aktuellen Manuskript und fährt ins Gartencenter, um die Töpfe aufzuhübschen. In der Hoffnung, dass die Wühlmäuse genug Blumenzwiebeln übrig gelassen haben, damit der Frühling es dann im Beet nachmachen kann.

Aber weil ich feige (oder realistisch) bin, wähle ich frostfeste Sorten. Vor der kalten Sophie, der letzten der Eisheiligen traue ich den verlockenden Sonnenstrahlen nicht, die ja gerade oft genug durch die diesige Wolkendecke brechen, dass man die Hoffnung auf wärmere Zeiten nicht vollends aufgibt.

Kollegen erwogen, den Frühling herbeizusingen, da aber angesichts meines Gesangs die Raumtemperatur sich unter günstigeren Vorzeichen spürbar abkühlt und alle hörfähigen Wesen fluchtartig das Weite suchen, ist dies in meinem Fall aller Voraussicht nach nicht zielführend. 

Ich habe mich stattdessen todesmutig im Bikini ans Fenster gestellt, um dem Wettergott zu zeigen, dass die Binikifigur soweit passt (Übergrößen sei Dank!) und es nicht erforderlich ist, mich zu weiteren Schneeschipp- und Eiskratz-Workouts zu zwingen. Spätestens, seit ich Arte, meinen temperaturbesorgten Friesen von seinem Winterpelz befreit habe, ist mein Krafttraining abgeschlossen. Puh!

Sollte das alles nicht funktionieren, kann man es noch mit Bannflüchen gegen den Winter und Zwangzaubern für die Frühlingsfee versuchen.

Ich bin ein abgesehen vom Berufsverkehr überwiegend pazifistischer Mensch und will hier niemand zur Gewalt auffordern, aber ehrlich ... wenn es Ende April schneit, möchte ich schon die Verantwortlichen verhauen.

Mal sehen, ob das funktioniert. Sollte sich die Frühlingsfee auch nur kurz blicken lassen, ich bin bereit. Fallstricke, Ketten, Fesseln und Knebel liegen bereit, nochmals entkommt die Bitch mir nicht.  Und da heute Walpurgis ist, gehe ich davon aus, dass die Zauber wirken!


4. DIY - Eigeninitiative Da wir oben ja schon so ein bisschen mit der Vorbildsfunktion herumgesponnen haben, Also nehme ich ein Frühlingsbild als Banner für meine Fanpage auf Facebook, wähle einen frischen hellgrünen Bildschirmhintergrund und baue auch in meine Bücher Frühling ein, wann immer ich zwischen der Umsetzung der Vorschläge 1. bis 3. dazukomme. Ob das jetzt in den Szenen zur Schwerttanz-Saga ist oder im Vampire Master Guide, der ja schon vom Plot her förmlich nach Frühling schreit. Frühlingsfee, hörst du? Lexa muss in die Isar. Bitte, bitte lass sie nicht erfrieren!!!
Dazu höre ich ganz bewusst jene Musik, die ich persönlich mit Frühling verbinde. Das beginnt bei mir, als hörtechnisch sehr breit aufgestelltem Wesen bei Vivaldis Frühling aus den Vier Jahreszeiten, dem Springtime Hustle oder auch Feel von Robbie Williams und Vogue von Madonna, führt dann weiter zu The River von Bruce Springsteen und Entre dos Tierres von Heroes del Silencio bis hin aus mir unerfindlichen Gründen für mich fest mit Frühling verbundenen Songs wie Paranoid von Black Sabbath und Keep the Faith von Bon Jovi.  (Ja, meine Playlists sind unter mehreren Aspekten ungewöhnlich).


5. Frühlingsgefühle wecken
Musik? Genau! Die Wise Guys sangen in einem vergleichbar attraktiven Wetter einmal sehr treffend "Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert, Sommer ist, was in deinem Kopf passiert."

Das gilt auch für Frühling und hey - während es keine klar definierten Sommergefühle gibt, gibt es sehr wohl Frühlingsgefühle... Daraus lässt sich was machen.
Mit Kissen und passender Deko für die Romantiker und wer es lieber ... na ja, sportlicher oder sagen wir zielstrebiger ... mag, der kann ja die ohnehin unter Ziffer 3 bereitgelegten Fesseln anderweitig einsetzen. Fifty Shades of Grey ist für den Winter.

Wir arbeiten jetzt mit 60 Shades of Green!


Und wenn alle Stricke reißen und diese Initiative wider Erwarten nicht erfolgreich sein sollte, ist es beim Ausleben der Frühlingsgefühle zumindest gleich kuschelig warm.



Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das mit so viel Power hinbekommen, den Frühling anzulocken und auf die eine oder andere Weise auch zum Bleiben zu bewegen. Ihr müsst uns nicht danken. :) 


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Published on April 30, 2016 06:14

April 15, 2016

51 Facts about me

Seit ein paar Tagen geht das auf Facebook um wie eine Seuche. Unter dem Hashtag #51factsaboutme gibt es da allerlei Wissenswertes, Erinnerungswürdiges und Vergessenesgerechtes über alle möglichen Leute zu lesen. Und ja, ich lese das echt gerne. (das ist ein Zusatz-Fakt, den gab es umsonst).  Okay, und nachdem ich jetzt gefühlte 51 mal getaggt wurde ...
‪#‎fiftyonefactsaboutme‬ ich heiße Kay, meistens.Manchmal auch "Miststück". oder "coole Socke". oder "die Irre"das verstehe ich, denn tatsächlich bin ich etwas durchgeknalltvielleicht auch mehr, das weiß ich nicht so genau - die Frau ist ein Rätsel. ich lese gerneich lese vielund damit ich das in meinem Leben auch unterbringe, lese ich schnell.eigentlich lese ich alles.außer Horror da schreit mein Kopfkino immer "challenge accepted" und legt nachts, wenn ich nicht schlafen kann noch einen drauf. Oder schlimmer noch, überfällt mich hinterrücks, wenn ich schlafe. (Bitte beachtet, wie genial ich diesen Alptraum-Fakt auf die 13 gepackt habe *grins*)um sicherzustellen, dass der Lesestoff nicht ausgeht, schreibe ich auch selbst. im Vampire Beginners Guide über die Frage, was passiert wenn es passiert, und ob man zB Vampirismus und Beruf heutzutage miteinander vereinen kann?oder auch mal Erotik, aber da ist Drucie Anne Taylor schuld, die hat mich überredet. aber am liebsten High Fantasy, und das beweise ich demnächst mit der Schwerttanz Saga, also sobald ich mich traue, sie zu veröffentlichen. Außer Mella Dumont redet mir noch ein bisschen zu (Jeder andere Zuspruch ist natürlich auch willkommen)Manchmal bin ich nämlich feige, nicht nur bei Horror (siehe oben 11-13)Sonst lese ich viel in GesetzenIch bin nämlich Anwalt. Aber mit einem grottenschlechten Gedächtnis (deshalb 19. Und nein, ich bin durchgeknallt (05) aber nicht pervers. Also nicht sooo sehr)Auf jeden Fall bin ich bei uns in der Kanzlei die Einzige mit einem Thermo-Trinkhorn für ihren Kaffee (Durchgeknallt eben, siehe oben). und einem Vampir-Minion auf dem Schreibtisch. Direkt neben den Steuergesetzen (Zufall?)Eigentlich will ich mich nicht vor dem Schreiben drücken (ehrlich) Aber irgendwie passiert das doch (ständig)Hänge ich viel auf Facebook herum und beantworte komische FragenWenn ich mich auf nützliche Weise ablenken will, (ja das geht!), arbeite ich an SkoutzMache dort Interviews, Buchbesprechungen und Blogvorstellungen oder organisiere den Skoutz-Award. und würde mich freuen, wenn ihr alle mitmacht! Kommt, seid auch skoutzig. Ist lustiger als nur so "durchgeknallt" (Und ich weiß, wovon ich spreche - siehe oben, 05). ich bin Sklavin meines Zoos
Reservewerwolf Bruno, der immer Hunger hat.Reichsbedenkenträger Arte, meinem mächtigen Ritterross, das sich vor einfach allem fürchtetRodeoross Josy, das täglich testet, wieviel Schlamm auf so ein Pferd gepackt werden kann, wenn man sich richtig, richtig Mühe gibt Habe ich erwähnt, dass ich Pferdeputzen hasse?Barockkater Martel, täglich mit jeder Kiste, jeder Ritze und dergleichen mehr aufs Neue beweist, dass nicht nur die Tardis innen größer istKater Pavarotti, der so heißt, weil er solange singt, bis er beachtet wird. Bevorzugt nachts, weshalb ich auch eine veritable Schlafstörung habe, die es mir erlaubt, all das in einen normalen 24h-Tag zu packen. Obwohl ich intensiv nach einer Möglichkeit forsche, dem Tag ein paar Zusatzstunden abzugewinnen, was ich aber noch nicht geschafft habe. Deshalb würde ich gerne einen Lear-Jet haben, um gegen die Datumsgrenze zu fliegen und so in der Zusatzzeit doch noch schreiben zu können. Denn der Vampire Master Guide wird dieses Monat (APRIL!) noch erscheinen. 44. sagt mein lieber Schreibbuddy Gundel Limberg45. die ich bald mal in Frankfurt besuchen muss (nach Möglichkeit zu einem Stammtisch-Wochenende??)a propos Stammtisch: Obwohl ich in Bayern wohne, trinke ich kein Bier. und auch sonst keinen Alkohol. Mir wird schlecht, bevor ich blau bin (<=Blöd!) das gleiche ich mit viel Kaffee aus (könnte auch ein Grund für Nummer 39. sein) und mit Schokolade. Obwohl mein Mann keine Schokolade mag. Und keine Pummelfrauen (da muss er sich entscheiden, bevor er mich dann mit dem Süßkram immer alleine lässt, oder mir Schoki in Form von Osterhasen schenkendie kann ich nämlich peinlicherweise nicht essen, wenn sie mich mit ihren Kulleraugen so anschauen. Puh.
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Published on April 15, 2016 02:59

February 15, 2016

Der Au-Tor IV: Die Suche nach dem heikligen Gral oder auf der Jagd nach dem perfekten Text



 Ich lese seit Tagen auf Facebook, auf diversen Blogs, auf Twitter und weiß der Henker wo sonst noch allerlei Sinn und Unsinn über die Schriftstellerei im Allgemeinen, über Abschreiben und Neu Schreiben, die ewig gleichen Grabenkämpfe zwischen Indie und Verlag und die Notwendigkeit von Lektoren. Und immer, wenn es endlich ruhiger wird, postet der nächste und das Karussell dreht sich erneut.Ich habe, weil ich die Aufregung verstehen will – und ja, weil es mich auch ein bisschen (ziemlich) aufgeregt hat – mir das Drama mal in Ruhe angeschaut und versucht, etwas Ordnung hineinzubringen. Ganz unaufgeregt und gründlich. In vier Teilen, weil der Beitrag sonst zu lang wird. 
-        1. Akt: Qualität kommt von Quälen!-        2. Akt: Auf der Jagd nach Perfektion oder Die Suche nach dem heikligen Gral
Nochmals möchte ich in Erinnerung rufen, dass keiner der Hauptakteure und Komparsen in diesem Drama zu irgendeinem Zeitpunkt behauptet hat, dass man schlechte und/oder geklaute Texte veröffentlichen soll. Niemand hat sich gegen Qualitätssicherung ausgesprochen. Wie diese QS dagegen aussehen soll – darüber kann es schon zu Mord und Totschlag kommen. Seltsam eigentlich. Man sollte meinen, das Ergebnis zählt. Und nur sicherheitshalber sei erwähnt, dass „heiklig“ eine bis heute noch zulässige altertümliche Form von „heikel“ ist, die ich bewusst wählte, weil sie das Wortspiel mit „heilig“ besser erlaubt.
 Was ist gut? Mein sehr szeneerfahrener und sturmerprobter Autorenfreund Thomas Knip hat eine sehr interessante Berechnung aufgestellt, die sich mit der anlässlich der immer noch tobenden Schlammschlacht umstrittenen Frage befasst, wie viele Fehler in einem Buch noch tolerabel seien:"Ich habe sehr viele Heftromane eingescannt, nach- und aufbereitet. Dabei habe ich mir zu Beginn 99% (Fehlerfreiheit) als Zielt gesetzt. Ein Heftroman hat durchschnittlich 180.000 Zeichen.
Dann habe ich nachgerechnet, und mir ist bewusst geworden, dass 99% bedeutet, im Text stecken noch 1.800 Scanfehler. Das geht natürlich nicht. Für mich ist eine einstellige Fehlermenge tolerabel, also maximal 9 (glücklich bin ich damit trotzdem nicht). Das heißt aber, dass ich bei meiner Bearbeitung eine Perfektion von 99,995% erreichen muss. Mindestens.
Bei der Zahl werden sich die meisten an den Kopf fassen. Weder Internetanbieter noch Stromlieferanten garantieren eine solche Quote. Vielleicht noch Betreiber von Kernkraftwerken (hofft man)."
Halten wir fest - in keiner anderen Sparte wird ernsthaft ein solcher Grad von Fehlerfreiheit gefordert. Das gibt es nur in der Literatur. Ich will da auch gar nicht widersprechen. Aber man sollte sich gelegentlich überlegen, was da eigentlich gefordert wird und ob man nicht übers Ziel hinausschießt.Aber unabhängig von der Frage, welche Fehlerquote tolerabel ist, ist damit in jedem Fall Qualitätssicherung erforderlich. Soweit besteht noch Einigkeit. Der Streit bricht los, wenn man beginnt über Art, Ziel und Umfang der QS zu sprechen.
 Autoren sind feigeEs ist erstaunlich, wie wenig selbstbewusst viele Autoren mit ihrer Kunst umgehen. Man las beim Schlammcatchen im 2. Akt Erstaunliches.
 Autoren behaupteten im Brustton der Überzeugung, dass sie allein außerstande seien, Texte zu fertigen, die nicht "mit Millionen Adjektiven", "Wortwiederholungen" und "Logikbrüchen" verseucht sind.
 Sie behaupteten weiterhin, solche Fehler könnte der Autor „unmöglich selbst beheben“, er sei auch bei Plotholes, Stil- und Charakterbrüchen oder erforderlichen Kürzungen völlig überfordert.Okay. Pause! Stellt euch vor, ein Chefkoch verlangt von seinem Arbeitgeber, dass er unbedingt einen Vorkoster und einen Nachwürzer benötigt, weil er echt beim besten Willen nicht selbst entscheiden kann, wie viel Salz in die Suppe gehört und was dem Leser schmecken könne. Im Gegenteil - Witzigmann, der Jahrhundertkoch (tatsächlich ein offizieller Titel) stürmte dereinst in der Münchner Aubergine aus der Küche, um einem Gast, der nachwürzen wollte, erbost zu erklären, in einen Picasso würde man schließlich auch nicht reinkritzeln. Nein, würde man nicht! Und auch nicht bei Beuys nachfeilen oder anmerken, dass man - um den Bogen zu mainstreamtauglicher Kunst zu schlagen - Adele dringend den Takt vorgeben sollte. Das erlaubt man sich nur in der Literatur.
 Wer also ist Herr über das Werk?Meine geschätzte Kollegin Isabelle Schmidt-Egner hat in der Debatte darauf hingewiesen, dass zuallererst einmal der Autor in der Lage sein sollte, ein anständiges Buch zu schreiben. Sie meinte damit, dass neben dem künstlerisch-kreativen Genius, eben auch Schweiß, Fleiß und - jep! - solides Handwerk gefordert sind. Auch ich finde, jeder Autor sollte fähig sein, einen guten Text zu schreiben (auch wenn er noch optimierungsfähig sein mag, ordentlich muss man es alleine können). Das relativiert sich, wenn sich (Verlags)Autoren damit brüsten, dass ihre Rohtexte mit "Millionen Adjektiven", "Logikbrüchen", "Schachtelsätzen", inkongruenten Charakteren und dergleichen mehr belastet wären, würde sich ihnen nicht ein Lektor annehmen und ein Buch daraus machen... Hier besteht meiner Meinung nach dringender Bedarf für eine Abgrenzung zwischen "Lektor" und "Ghostwriter" oder gar "Co-Autor". Ich denke wirklich, dieser Ruf nach einem Lektorat ist ein Stück weit Feigheit. Das erklärt auch die Emotionalität, mit der die Forderung verteidigt wird. Diese Hörigkeit gegenüber dem Lektorat ist Zeichen unserer bis zu Unverantwortlickeit verantwortungsscheuen Zeit. Wir wollen heute für alles Absolution, selbst für das, was wir uns von der Seele schreiben. Dumm nur, dass Lektoren auch nicht mutiger sind und deshalb vielerorts nach Checkliste vorgehen oder dem, was das Marketing sagt, soweit sie das nicht nebenbei auch machen. Der moderne Lektor ist vielseitig.
 Lektorat! Oder alternativlos ins Verderben?Ich persönlich schreibe meine Texte so gut ich kann. Ich korrigiere sie zweimal, filze sie auf meine geliebten Füllwörter und zähle Zeilen zwischen den Punkten auf der Jagd nach Schachtelsätzen. Dann lese ich sie mir möglichst am Stück laut vor. Und danach sind die gröbsten Schnitzer draußen. Lange bevor ich mein Werk irgendwem zum Lesen gebe."Trotzdem!", rufen die Lektorats-Fanatiker. Die Überarbeitung müsse unbedingt von professionellen Lektoren vorgenommen werden. Reservebankspieler wie etwa von den solcherart belehrten fahrlässigen Schreibern stammelnd vorgeschlagene andere Autoren oder Betaleser kämen nicht in Frage, weil die einen ja genauso unbeholfen und die anderen sowieso willenlose Nachplapperer seien, zumal sie zumeist aus der Familie rekrutiert würden.Ah ja. Ich meine, die Debatte wurde auf Facebook geführt, da liest man ja wirklich jede abgefahrene Meinung, wenn man sich nur die Zeit nimmt. Aber die hier wird geglaubt?
 Familie kann nicht kritisch sein. Sagt mal, habt ihr alle keine Geschwister? Jeder Großinquisitor würde beschämt in der Ecke stehen, während Tränen der Demut über seine Wangen kullern, wenn er meiner Schwester beim Kritisieren meiner Arbeit zusehen dürfte. Jeglicher Arbeit. Was vor ihrem Auge Bestand hat, überdauert auch den atomaren Vernichtungsschlag. Das übrigens ist ein Grund, warum ich nicht mit Verwandtschaft arbeite. Ich bin hart, aber nicht masochistisch. Die Behauptung, auch zartfühlendere Blutsverwandte seien nicht ehrlich, unterstellt jenen zudem, dass sie Sinn, Zweck und v.a. Tragweite ihrer Aufgabe nicht verstehen. Wer behauptet, ich würde einen Text nicht korrigieren, weil ich seinen Verfasser schonen wollte, unterstellt mir, dass ich ihn auch ohne Licht durch den Nebel fahren lasse würde, weil ich nicht möchte, dass er denkt, er könne nicht Autofahren.Allein die Aussage, ein Autor könne aus eigener Kraft nur auf Freunde und Verwandte zurückgreifen, unterstellt einen derartigen Grad an Dilettantismus und sozialer Isolation, dass mir nichts mehr einfällt. In meiner Welt jedenfalls haben Freunde das Recht und die Pflicht (!), die Wahrheit zu sagen.
 Autoren taugen nicht als Lektoren.Zunächst mal kenne ich einige Verlagslektoren, die durchaus selbst auch schreiben.
. Doch auch wenn es stimmen würde, dass ein Autor bei seinen eigenen Texten nur Vollschrott produziert, dann wäre er doch als fachkundige  Leser ein wunderbarer Ersatzlektor! Einer, der sich intensiv und kritisch mit Texten befasst.
 Hier verkennt man den Unterscheid zwischen "sehen" und "machen". Wenn Roger Federer, der lange Zeit unbestritten weltbeste Tennisspieler, natürlich einen Trainer bezahlt, so liegt das nicht daran, dass er es selbst nicht könnte (kann er, am Besten sogar), sondern daran, dass er betriebsblind ist.Dass er auf Feedback in Bezug auf sein Tun, seine Wirkung angewiesen ist, um sich zu verbessern. Bloß, weil ich sehe, was mein Kollege falsch macht, weil ich spüre, wie man es besser machen könnte, heißt das nicht, dass ich es von vornherein allein besser gekonnt hätte. Oder auch nur genauso gut.

Auch das Argument der Bezahlung vermag nicht zu überzeugen. Denn wenn wir unterstellen, dass Autoren grundsätzlich lektorieren können, spricht doch nichts dagegen, dass sie sich gegenseitig lektorieren und so Zeit statt Barmittel einsetzen.
 Betaleser sind kein ErsatzWirklich nicht? Nun ja, gewiss nicht auf dem Weg, wohl aber beim Ergebnis. Der Wert eines Betalesers hängt in hohem Maße von der Zielsetzung ab:Will ich ein Buch für mich schreiben (egozentrierter Ansatz)? Will ich damit Leser erreichen (kommunikativer Ansatz)? Will ich damit Geld verdienen (kommerzieller Ansatz)? Will ich die Literatur vorantreiben (künstlerischer Ansatz?) Beim ersten Ziel kann mir nur helfen, wer mich versteht. Beim letzten ist ein - entsprechend vorgebildeter - Lektor sicherlich das Mittel der Wahl. Bei den beiden anderen, würde ich zunächst immer auf Leser abstellen, denn ob ich mein Ziel erreiche, hängt von deren Entscheidung ab. Das ist auch nicht neu, sondern nennt sich in weniger emotionalen Branchen "Marktforschung" oder auch "Zielgruppenresonanz". Diese Fragen beantwortet meines Erachtens der Leser besser. Der nimmt nur den Text auf und überlegt nicht automatisch, warum das so oder so geschrieben wurde, was dies oder das zu sagen hat. Wohin damit der Plot gelenkt werden soll - oder aber nicht.Sein erster Eindruck ist der ehrlichste in Bezug auf mein Buch. aber ist der erste Ansatz - wenn ein "technischer Fehler" den Leser nicht stört, ist es womöglich keiner. Erst wenn mehrere Leser sagen, da stimmt was nicht, da hakt es - dann brauch ich den Fachblick, woran das liegen könnte... Speziell, wenn ich nicht weiterkomme. Ich persönlich bezweifle, dass ein Lektor noch so lesen kann, wie es ein Leser tut. Das ist so wahrscheinlich wie ein Erwachsener, der etwas mit den Augen eines Kindes sehen will. Kann klappen, ist aber die Ausnahme. Entweder ich bin Fachmann - oder eben nicht.Darum geht man ja auch nicht mit Fotografen, Physikern, Medizinern oder Gamern ins Kino. Die sehen Filme einfach ... anders. Aber ich schreibe doch für den Leser. Das ist bei Verlagen übrigens anders. Die lassen primär für den Buchhändler schreiben, dem sie im ersten Schritt ihre Ware verticken müssen. Und da hat sich ein Bild von Lesegewohnheiten und dem antizipierten Lesergeschmack verfestigt, das ... nun ja ... nicht unbedingt deckungsgleich mit den tatsächlichen, sich zudem laufend ändernden Lesegewohnheiten der Basis ist.Deshalb auch das Schielen nach ausländischen Lizenzen. Proof of concept. Wer hätte geglaubt, dass die Bücher von George R.R. Martin mit ihrem Handbücher füllenden Protagonistenaufgebot und dem steten Sterben von Identifikationsfiguren Bestseller werden? Kein Mensch. Aber mit einer US-Lizenz sieht das anders aus. Gut, der Erfolg der TV-Serie hat auch nicht geschadet. Während aber ein Lektor nicht weiß, was der Leser will, weiß er was der Zwischenhandel erwartet. Und von daher ist er - jedenfalls wenn man den Weg über die Buchhandlung nimmt - schon sehr, sehr wertvoll.

Woran entbrennt dann die Debatte?
 Nicht jeder Lektor ist ein Lektor.Nein! Lektoren, müssen Profis sein. Gelegenheitslektoren und Amateure wie "normale Leser" oder "Autoren" könnten keinesfalls die hehre Aufgabe erfüllen, die letzte Bastion zum Schutze des Abendlandes vor den illiteraten Horden von radebrechenden Wortdung tippenden Autoren zu halten. Deren Auswürfe müssen erst fachkundig aufbereitet und veredelt werden, bevor man sie unter das Volk bringen darf.
 Leider war nicht herauszubekommen, was nun der vielfach vehement gefoderte "professionelle Lektor" ist. Professionell steht zuerst einmal für beruflich. Sagt der Duden. Das bedeutet, man macht es für Geld. Das ist natürlich zu kurz gegriffen. Der Autor braucht "gute Lektoren". Solche, die im Verlag arbeiten. Ah, da war es wieder, das Zauberwort. "Verlag"!
Dann sehen wir, was der Verlagslektor so im Gegensatz zum Dschungellektor treibt. Speziell in Bezug auf die Textüberarbeitung, denn wegen ihr sind wir ja unterwegs (sorry, ich hätte auch nicht erwartet, dass das so kompliziert wird).Interessant ist, dass diese Herkulesaufgabe tatsächlich im modernen Berufsbild des Lektors nach der verbandseigenen Definition doch gleich an vorletzter Stelle kommt. Direkt vor "Sonstiges".Selten habe ich einen "Beruf" untersucht, bei dem das Tätigkeitsbild so diffus ist. Wobei - das möchte ich betonen - die Anführungszeichen nicht mangelnden Respekt gegenüber der Tätigkeit ausdrücken sollen, sondern eben dem Umstand geschuldet sind, dass es Lektor als Beruf nicht gibt.Im Verlag macht er einen krassen Job, ist Trendscout, Psychologe, Marketingexperte, Projektmanager und Qualitätssicherung in einem.DAS kann und soll er natürlich im Umgang mit einem SP-Autor nicht tun. Der macht alles bis auf die QS selbst - oder sucht sich dafür andere Partner. So ein Rebell.Fazit daher: Es ist richtig, dass sich ein Verlagslektor von einem Indie-Lektor unterscheidet. Aber das betrifft Tätigkeitsfelder, die nichts, gar nichts mit Qualitätskontrolle in Bezug auf die Texte zu tun hat.  Letztlich ergibt sich auch aus dem Statement des Teams um Karla Paul nichts anderes, als dass Lektoren natürlich Texte bearbeiten, aber eben noch viel, viel mehr machen. Der Spagat auf der SchereDie Dynamik einer Facebook-Debatte folgt eigenen Gesetzen und leider wird dort mehr noch als anderswo vom Ergebnis her diskutiert. So auch hier. Zum Lektorat in Verlagen (weshalb Verlagsbücher die besseren Bücher seien):Auf das Argument, es gebe auch Verlage ohne Lektorat, hieß es sogleich, ein Verlag ohne Lektorat sei kein Verlag, sondern nur ein Dienstleister (damit wird einem missliebigen Argument durch Aussondern der Boden entzogen)ein schlechtes Lektorat im Verlag gebe nicht (da sind dann alles außer Tippfehler stilistisch nicht zu beanstandende Dinge in der Sparte "geht so" oder "nicht direkt falsch" - so angesehene Lektoren zu Textbeispielen)wenn's nicht geht, war es stilistisch gewollt (Kunst) oder aber der Autor unbelehrbar.Tippfehler können vorkommen. Niemand ist vollkommenUmgekehrt hieß es bei den Indie-Titeln: ein Lektor ist kein Lektor, weil er kein Verlagslektor istdein Stil ist schlecht (nix mit "geht so", "nicht direkt falsch"), weil du kein (gscheites) Lektorat hastKunst und Indie schließen sich ausTippfehler sind unverzeihlich und zeugen von mangelnden Deutschkenntnissen des Autors.Genug! Widmen wir uns der Frage aller Fragen:
 Was macht eigentlich ein Lektor im Lektorat?Zunächst mal: Lesen! Daher kommt der Begriff auch. Vom Lateinischen "lgere" Lesen. Wobei dieses Lesen eine deutlich appellativere Prägung hatte, so wie heute auch noch Professoren "Lesungen" halten. Mir hat bei Beck (jur. Lektorat) der Cheflektor gesagt, ein Lektor dürfe nur die Bälle ins Feld spielen. Verwandeln müsse sie der Autor selbst. Ich finde das sehr treffend. Und es zeigt, dass es eben auch andere Wege gibt. Ballmaschinen, Balljungen, andere Spieler ... mag alles nicht so gut sein, wie ein Trainer mit Ballgefühl, aber es geht und man kann zu guten Ergebnissen kommen.
 Korrektorat Ein Korrektorat ist die - da kann man wohl zaghaften Konsens feststellen - die elementarste Stufe der Textüberarbeitung. Es geht um das Ausmerzen von Tippfehlern, von Grammatikfehlern, die beim Umstellen passieren, um Wortwiederholungen und Endlossätze. Da der Autor weiß, was er geschrieben hat, liest er nicht mehr so gründlich. Es gibt Tricks, die eigene Textadaption auszutricksen, aber so gut wie einer, der den Text das erste Mal liest, wird er nicht sein. Ein Sprichwort, nicht nur in Autorenkreisen, besagt, dass man eigene Texte nicht korrigieren kann.Tatsächlich bekommt man zwar mit modernen Rechtschreibprogrammen und Autorensoftware ziemlich gute Texte hin, doch auch ich finde, ein gutes, sorgfältiges Korrektorat kann man nicht ersetzen.Und weiter?
 Sprachliche ÜberarbeitungSpeziell wenn der Auftraggeber ein notwendigerweise gewinngetriebener Verlag ist, ist die Gefahr groß, dass ein Werk publikumstauglich optimiert wird. Picasso hätte man auf die richtige Perspektive und die Sehgewohnheiten der Betrachter hingewiesen. Matisse gebeten, doch etwas mehr ins Detail zu gehen. Und die Maler hätten mit Blick auf ihren Traum. von ihrer Kunst leben zu können, vermutlich zugestimmt. Katastrophal, weil die Verbesserungen zwar handwerklich richtig, aber künstlerisch falsch gewesen wären. Die Gefahr besteht, dass das Buch "barbiefiziert" wird. Es wird wie ein Modepüppchen zu glatt, zu perfekt, zu optimal gemacht. Es wird ... beliebig - und da hat man sich dann rechts überholt. Bevor sich jetzt all die Grammatikschänder da draußen stolz in die Brust werfen und sich mit Großmeistern vergleichen - in den allermeisten Fällen verhungern Künstler mit einer gewissen Berechtigung. Kunst ist riskant. Aber Trash eben auch. Die Grenzen sind im Voraus schwer auszumachen.
 Logik und DramaturgieEs ist im Nachhinein ziemlich schwer, eine festgefahrene Geschichte wieder flott zu machen. Besser ist es, erst gar nicht in den Graben zu fahren. Da kann ein "Lektor" gute Dienste leisten. Könnte. Denn üblicherweise geht ein Buch ins Lektorat, wenn es fertig geschrieben ist, wenn die Karre festsitzt. Deshalb übernehmen diese Phase des Lektorats auch bei den mir bekannten Verlagsautoren regelmäßig Kollegen, die man um Rat fragt, mit denen man nächtens Krisengespräche führt, die verstehen, wie das Gerippe einer Story zusammengesetzt sein muss. Man bespricht sich mit der Familie, weil man stöhnt und seufzt und schlecht gelaunt ist - und das Umfeld wissen will, warum. Man könnte in dem Zusammenhang wohl auch besser von Coaching als von Lektorat sprechen.
 Lektorat - der Psychotherapeut der Geschichte?Gerade, weil es keine Definition gibt, kann Lektorat alles sein. Ich habe den Vergleich in der Überschrift mit Bedacht gewählt. Ein guter Therapeut wird versuchen, seinen Patienten mit den richtigen Fragen zu helfen, seinen eigenen Weg zu finden. Ein schlechter Therapeut wird ihn dadurch zu dem von ihm als richtig empfundenen Weg treiben. Ein sehr schlechter Therapeut wird dabei den falschen Weg einschlagen. Oder dem Patienten einfach sagen, was er zu tun hat. Wo ein Betaleser mir nur sagt, wie  der Text auf ihn wirkt, kann ein Lektor dies begründen (warum?). Er kann Tipps geben, wie man unerwünschte Wirkungen verhindern oder erwünschte herbeiführen kann. Das könnte ein Autor auch, aber er würde den Rat wohl mit "Ich an deiner Stelle..." beginnen und damit den Weg des schlechten Therapeuten einschlagen. Ein guter Lektor hingegen ist, um im Bild zu bleiben, ein Mediator zwischen der Geschichte und ihrem Autor. Der hierfür erforderliche Dialog setzt voraus, dass er auf einem gemeinsamen Verständnis in Bezug auf die Ziele und auch den Weg basiert. Die Kommunikation muss funktionieren. Und ich zumindest vertrete die These, dass der Lektor auch den Patienten und seinen Lebensraum, sprich in unserem Fall das Genre und die Zielgruppe, kennen muss, um wirklich zu optimieren. Hardboiled Science Fiction folgt anderen Leseerwartungen als Romantasy. Ich geh auch nicht zum Zahnarzt, wenn ich Schmerzen im Fuß habe. Und je mehr Erfahrung ich mit meinem Körper, anatomischen und physischen Zusammenhängen habe, desto eher werde ich den Fuß vielleicht auch nur hochlegen, kühlen oder mit einer Bandage stützen und am Ende nichts falsch gemacht haben. Kunst ist keine DIN-normierte Materie. Literatur lebt und Geschichten sind individuell. Es werden niemals zwei Menschen dasselbe Buch lesen. Ich halte daher die von Frau Nentwich vertretene These, wonach ein Text lektoriert werden müsse, um bestmöglich zu sein, für falsch.Ich glaube schon nicht, dass so die objektiv beste Geschichte entsteht, man kann auch über-überarbeiten und viele Köche verderben bisweilen den Brei. So wie ein guter Arzt heilen kann, kann ein schlechter Arzt töten. Manchmal kann sogar ein grundsätzlich guter Arzt Mist bauen. Es gibt also objektiv keine Garantie, nur statistische Wahrscheinlichkeiten. Individuell hingegen hängt das Ergebnis in hohem Maße von Art und Umfang der Einflussnahme des Lektors ab. Was in der Diskussion zum Teil vertreten wurde, wonach aus den "unlesbaren" Fragmenten der Autoren erst unter der Federführung des Lektors ein Text entsteht, ist für mich nicht mehr mein Erfolg.
Ich habe auch nie verstanden, wie man auf einem Reitturnier sich sein Pferd vor der Prüfung vom Trainer abreiten lassen kann, um dann in der Prüfung zu glänzen und sich über einen Sieg zu freuen.

Fazit:
Ein Lektorat ist, das bestreitet niemand, ein grundsätzlich guter Weg, um zu einem besseren Text zu kommen. Es ist nicht notwendig ein Garant für einen guten Text. Und es ist - davon bin ich überzeugt - nicht der einzige Weg zu einem guten Buch.
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Published on February 15, 2016 03:40

February 9, 2016

Der Au-Tor III: Leck mich, Lektor! Von Schändern und Schindern


Underworld - Cailleann (www.deviantart.com)

Ich lese seit Tagen auf Facebook, auf diversen Blogs, auf Twitter und weiß der Henker wo sonst noch allerlei Sinn und Unsinn über die Schriftstellerei im Allgemeinen, über Abschreiben und Neu Schreiben, die ewig gleichen Grabenkämpfe zwischen Indie und Verlag und die Notwendigkeit von Lektoren. Und immer, wenn es endlich ruhiger wird, postet der nächste und das Karussell dreht sich erneut.

Ich habe, weil ich die Aufregung verstehen will – und ja, weil es mich auch ein bisschen (ziemlich) aufgeregt hat – mir das Drama mal in Ruhe angeschaut und versucht, etwas Ordnung hineinzubringen. Ganz unaufgeregt und gründlich. In vier Teilen, weil der Beitrag sonst zu lang wird.

-        1. Akt: Qualität kommt von Quälen!-        2. Akt:
Nachdem ich für mich zu dem Ergebnis gekommen bin, dass man bei "ähnlichen" Texten sorgfältig zwischen unvermeidlichen Ähnlichkeiten, zufälligen und den wenigen gewollten unzulässigen Plagiaten unterscheiden muss, nicht aber zwischen verschiedenen Autoren von Autoren (außer evtl. ehrlich/unehrlich) ging es weiter. Gerade als sich das Wasser wieder klarte und die Wogen geglättet waren, kam der nächste Bauchplatscher!
3. Akt: 
Leck mich, Lektor? Von Schändern und Schindern … Ein mir bis zu diesem Zeitpunkt namentlich nicht bekannter Kollege aus dem Verlagslager griff das Lamento der #Ichschreibeselbst-Indies auf und erklärte sinngemäß in einem Blogbeitrag hämisch, dass man verstehen müsse, warum Self-Publisher abschrieben, denn sie könnten es selbst ja nicht besser und seien ja noch nicht einmal lektoriert. Das führte, vielleicht weil sich alle müde gekläfft hatten, zunächst nur zu einem halbherzigen "Ja genau, böse Legasthenie-Indies" oder einem nicht minder matten "Das ist ja jetzt billig." Szenekenner wiesen schließlich unter Quellenangabe darauf hin, dass der Urheber dieses Posts selbst - und zwar als Verlagsautor - Urheberrechtsverletzungen wegen verklagt worden sei und ein Urteil nur ausgeblieben sei, weil man sich zuvor durch Vergleich geeinigt habe.

Das wäre ein toller Epilog gewesen. Doch dieser Seitenhieb in Bezug auf vorgeblich fehlendes Lektorat bei Indies ließ einer anderen Autorin keine Ruhe. Und so postete sie unter dem Titel "Ich weigere mich!", dass ihre ersten (noch) selbst verlegten Bücher zwar nicht lektoriert aber deshalb noch lange nicht schlecht seien. Sie vertrat die These, dass es auch andere Wege gäbe, um einem Buch den erforderlichen Feinschliff zu geben.

Was darauf losbrach ist mit "Sturm im Wasserglas" auch nicht im Ansatz bildlich zu beschreiben. Kein Wunder, denn zu dem Zeitpunkt war nur noch so wenig Wasser im Becken, dass das unweigerlich in Schlamm-Catchen enden musste. Und so kam es auch.

Und was da nicht alles von mir bis dato für einigermaßen differenziert und des Lesens mächtig gehaltene Menschen zum Besten gegeben wurde. Es ging drunter und drüber, rauf und runter, die arme Sau, die da von den Schändern der deutschen Sprache und den Schindern freier Künstler durchs Dorf gescheucht wurde, kann jetzt am Iron Man mitmachen, ohne auch nur ins Schwitzen zu kommen. Wer sich je vor einer tollwütigen Hundemeute gefürchtet hat, möge sich vor Buchmenschen hüten. Die tun nur so friedlich.

Erst einmal fiel auf, dass der Großteil der Empörten den Ausgangspost nicht gelesen oder jedenfalls trotz einer an sich einfachen Botschaft nicht verstehen konnte oder wollte. Denn binnen Stunden drehte sich die aus dem Beitrag herauszulesende Frage "Ist es wirklich so, dass nur ein lektoriertes Buch ein gutes Buch sein kann?", zu "Braucht man professionelle Lektoren?", und landete im Sumpf der üblichen, mich persönlich unendlich ermüdenden Self-Publisher vs. Verlag-Debatten.

Indie-Barbaren aus dem Wald belagern die Verlagsburgen der Literatur !!!!
Burg Niedeggen I - Polloux TS (www.piqs.de)Sollte man meinen. Seit den Hunnenüberfällen gab es kein solches Bibbern in den Skriptorien mehr. Wilde, wüst radebrechende Indies stürmen mit kruden Texten bewaffnet die Wälle oder entführen jungfräuliche Texte und geben sie als die ihren aus. Das Abendland gerät ins Wanken. Auch und gerade wegen des womöglich inflationären und zu einer dramatischen Interpunktions-Verknappung führenden Gebrauchs von Ausrufezeichen.

Woher kommt die Angst der Verlagsautoren vor den ohnehin nur langsam mutiger werdenden Indies? Ihr müsst euch nicht fürchten. Gehet hin und sehet - auch wenn ich persönlich es in den meisten Fällen nicht verstehe - so ist die weitaus überwiegende Zahl der frei herumspringenden SP-Autoren nur zu gerne bereit, es mit der anheimelnden Nestwärme zu versuchen, die ein Verlag immer noch verspricht. 

Auch die Herrin des 3. Aktes verkündet frohlockend und gewohnt vollmundig, dass sie inzwischen gleich mit mehreren Verlagen zusammenarbeitet und mit denen "geile Projekte" macht. Also auch sie ist gezähmt und eingeschert in den Kreis der Angepassten. Soll heißen, noch immer ist es aus Verlagssicht ein Nachfragemarkt. Wenn der Verlag einen Autor habenwill, wird er ihn in den meisten Fällen bekommen.


Verlag? Selfpublishing? Hybrid?

Es gibt gute und weniger gute Gründe für beide Modelle. Es ist wie mit E-Book und Print, Mac und PC oder Anstellung und Selbstständigkeit - immer haben beide Modelle ihre Vor- und Nachteile und am Ende ist es eine individuelle Entscheidung. Ich beobachte das bei Autoren seit Jahren und das Fazit meiner Überlegungen ist, dass es kein "entweder oder", sondern nur ein "kommt darauf an" geben kann. Es hängt von der Person des Autors, seinen Lebensumständen, seiner persönlichen Definition von Erfolg, seinem Buch und nicht zuletzt von den Konditionen beim Verlag ab. Es sollte eine Fall-zu-Fall-Entscheidung und keine Grundsatzdebatte sein.

Sicher ist aber, dass Verlag und SP sich nicht auf der Ebene der Qualität beharken müssen. Das ist, mit Verlaub, lächerlich. Es ist unter einem gewissen intellektuellen Anspruch meiner Meinung nach sogar peinlich, weil man damit unweigerlich der jeweils anderen Seite unterstellt, dass sie doof ist. Was - auch wenn das zu glauben angesichts der aktuellen Debatte schwer fällt - keine Partei ist.

Wir haben das gleiche Ziel: Gelesen werden. Von Lesern.
Von den Verkäufen und damit aus Lesersicht scheint die Unterscheidung zwischen SP und Verlag nicht getroffen zu werden. Dem Leser ist es im Großen und Ganzen schnuppe, ob sein Buch einen Stammbaum hat, solange es ihn unterhält. Der in beiden Lagern als seriöse Quelle anerkannten Selfpublisher-Bibel zufolge, sind die Amazon-Charts tendenziell von Indies und Verlagen gleichermaßen gut bestückt. Dabei ist die Kindle-Liste für E-Books klar von selbstpublizierten Titeln beherrscht, während die Prints in Verlagshand sind. Amazon ist - traurig aber wahr - derzeit die einzige Plattform, auf der SP und Verlagstitel gleichberechtigt gehandelt werden; E-Books sind bei Verlagstiteln nach wie vor sehr teuer, deutlich teurer jedenfalls, als vergleichbare Indie-Titel - Leser neigen daher dazu, bei einer nur geringen Ersparnis dann doch lieber zum haptisch hochwertigeren Print-Buch zu greifen; viele SP-Autoren bieten keine Print-Bücher an, sodass auch das zu einer Verschiebung in den Charts führt. Der Mehrheit der Leser ist es - das lässt sich herauslesen - herzlich egal, ob und ggf. welcher Verlag die Geschichte vorstellt. Und auch diejenigen, die vehement auf Verlagsbüchern bestehen, räumen ein, dass das auf die antizipierte Einschätzung zurückzuführen ist, bei einem Indie-Buch gutes Geld für handwerklichen Schund auszugeben. Oder dass sie eben bevorzugt Print aus dem Einzelhandel lesen und da sind einfach nach wie vor die Verlage vorn – aus logistischen, nicht aus qualitativen Gründen.Tatsächlich reagieren die allermeisten Leser genervt auf diese Schlammschlachten, die am Ende noch hässliche Spritzer auf ihre geliebten Bücher werfen. Die meisten Leser finden es schön, wenn sich Autoren mögen. Vielleicht, weil selbst so viel in den Buchgruppen und Blogger-Gemeinden herumgezickt wird, gibt man sich dem Autor gegenüber harmoniebedürftig. Man freut sich, wenn Autoren Gemeinschaftsprojekte machen, sich gegenseitig empfehlen oder zusammen bei einem Meet & Greet aufschlagen. Gerade weil viele Bücherwürmer in ihrem natürlichen Lebensraum eher zu Einzelgängern werden, freuen sie sich, wenn sie auch mal eine Gang haben – auch wenn die dann einem Buchclub ähnelt. Autoren nehmen sie dabei als Idole ebenso wie als Dienstleister wahr und der Spagat gelingt am besten, wenn sie Freunde sind. So wie wir im wahren Leben auch zumeist froh sind, wenn sich die Freunde auch untereinander verstehen, so freut sich auch der Leser, wenn sich seine Autoren mögen, wenn von ihm keine „Entweder oder“-Entscheidung verlangt wird, die er weder treffen will, noch sachlich treffen muss. Leser nutzen sich nicht ab. Die stehen mehreren Autoren zur Verfügung. Immer wieder. Das ist toll! Machen wir was daraus.
Sind SP-Autoren wirklich die Schänder der Literatur?
Eine speziell von Verlagsautoren vertretene These lautet, dass man einem Buch schon auf den ersten Seiten seine niedere Herkunft ansähe. Der SP-Titel sei von schmuddeliger Ausdrucksweise, adjektivisch überfrachtet und wisse sich auch sonst - ebenso wie sein Autor - nicht zu benehmen.

Demgegenüber wurde mit einer gewissen Berechtigung eingewandt, dass man im Glashaus nicht mit Steinen werfen sollte. Unbestreitbar gäbe es auch viele Verlagstitel, die weder das StGB noch den Duden kennen und bei denen auch bei laienhafter Durchsicht jederzeit reichlich handwerkliches Verbesserungspotential festzustellen sei.

Dieser Einwand wurde innerhalb der Facebook-Debatte als unzulässig zurückgewiesen, denn ein Verlag, der seine Bücher nicht sauber lektoriere, sei "kein Verlag, sondern ein Dienstleister" – und damit nicht mehr Teil der Vergleichsmasse. Es ging sogar noch weiter: Eine Verlagsautorin betonte gar sinngemäß, dass die Verlage ja sähen, dass die Schmuddelbücher der SP-Autoren sich gut verkauften und es allein deshalb nun mit der (Sprach-)Hygiene auch nicht mehr so genau nähmen. Der Qualitätsverlust der Verlage sei also auf die SP-Bewegung zurückzuführen. Nein, keine Frage, so wie weiland die Hunnen das Abendland geißelten, so wird nun der Literaturbetrieb von diesen SP-Autoren geschändet.

Ich bot an dieser Stelle einen Versuch an. Kann man wirklich, so wie vielfach behauptet, anhand der Leseprobe eines Textes zuverlässig sagen, woher er stammt? Mit oder ohne „professionelles Lektorat“ von einem Self-Publisher oder einem (großen) Verlag? Trotz deutlicher Interessenbekundung auf allen Seiten wollte sich am Ende keiner darauf einlassen.

Die geradezu gebetsmühlenartig immer wieder vertretene These, ein (professionelles) Lektorat sei ein Merkmal für Verlagsbücher, wurde dann tatsächlich schnell von bekannten Lektoren widerlegt, die ihre professionellen Dienste eben auch für sie selbst beauftragende Autoren erbrächten. Viele von ihnen schreiben übrigens auch selbst, weshalb mich nicht überzeugt, warum sich Autoren dann nicht gegenseitig durch Lektoratsdienste erfolgreich unterstützen können sollen.

Zumindest an der "Tatsache", dass es kein erfolgreiches unlektoriertes SP-Buch gäbe, sei nicht zu rütteln.
Das ist eine kühne Behauptung, von der ich weiß, dass sie falsch ist. Ich würde vermittelnd sagen, die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufserfolgs steigt mit der handwerklichen Qualität des Werkes. Bücher in den Top10 sind üblicherweise solide gearbeitet. Die Annahme, diese Qualität sei ein Beweis für ein Lektorat, ist ungefähr so richtig wie jene, dass ein schöner Kuchen von einem Konditor stammen muss. Möglich. Wahrscheinlich. Aber nicht unumstößlich.

Die Kontrahenten blieben schließlich an der Stelle im Schlamm stecken, an der es um eben jenes Lektorat ging. Ohne dieses soll ein Text unmöglich dem Leser zumutbar, geschweige denn gut sein. Ich möchte das im 4. Akt ausführlicher untersuchen.
Sind Lektoren die Schinder der freien Kunst?
Okay, das war jetzt Click-Bait. Diese provokante Frage wurde so nämlich gar nicht gestellt. Tatsächlich waren in diesem Teil des Dramas die Indies deutlich zahmer als die Verlagsleute. Vielleicht weil sie sich im ersten Akt, als es um Plagiate ging, ausgetobt hatten. Niemand hat ernsthaft das Potential eines seriösen (und ich schreibe bewusst seriös und nicht professionell!) Lektorat bestritten. Bestritten wurde jeweils die Behauptung,
es sei unmöglich (!) ohne Lektorat einen guten Text zu fabrizieren; ein Autor sei außerstande, seinen Text selbst zu überarbeiten;nur ein professioneller – verlagsbeauftragter – Lektor könne einem Text jenen Grad der Überarbeitung angedeihen lassen, den er benötige, um ein guter zu werden. Von der Gegenseite wurde "Team Lektorat" in der an dieser Stelle mit viel Gespritze und Gekreische geführten Debatte den Lektoren eine gewisse Übergriffigkeit vorgeworfen – und zwar speziell den Verlagslektoren. Klar, denn ein unzufriedener Autor wird den von ihm selbst beauftragten Lektor das Buch wegnehmen. Das kann er beim Verlag nicht, wo er dem Lektor günstigenfalls auf Augenhöhe begegnet. So sollte es nicht sein, aber so ist es vielfach.

Es wurde bemäkelt, dass ein Buch geradezu mit der Brechstange auf vermutete Verkaufsförderung hin optimiert werde, was aber nicht notwendig künstlerisch eine Verbesserung darstelle. Oder umgekehrt (aber das eher selten). Es wurde beklagt, dass der Lektor und nicht der Autor das letzte Wort für sich beanspruche, und auch, dass die Grenzen zwischen Coach, Ghostwriter, Korrektor und Lektor offenbar gar nicht mehr bekannt oder jedenfalls in dieser Debatte erkennbar seien.

Dies zeigt, dass sich Autor, Verlag und Lektor über die Aspekte, unter denen die Qualität vorrangig zu beurteilen sei oder auch platter ausgedrückt die Zielgruppe des Endprodukts einig sein müssen, um ein "seriöses" Lektorat durchzuführen. Ich vertrete - die umstrittene - Ansicht, dass ein Hard-SciFi Roman von einem Genrekenner besser lektoriert wird als von einem sonst Young Adult lesenden Bearbeiter. Wenn ich Gespräche mit Kollegen Revue passieren lasse, scheint das Verhältnis zwischen Lektor und Autor in hohem Maße Vertrauenssache zu sein. Die Chemie muss stimmen, das Verständnis für die Geschichte und das Sprachgefühl kompatibel sein. Je näher man sich hier vom Start weg ist, desto besser wird das Lektorat.

Ich komme zu dem vermittelnden Ergebnis, dass auch ein guter Lektor nicht für jedes Buch (und dessen Autor) gleich gut ist, dass es Blödsinn ist, beim Lektorat zwischen Verlag und SP zu unterscheiden, da Lektoren beide als Auftraggeber akzeptieren und schließlich dass, ein Lektorat ein bewährter Weg der Qualitätssicherung ist, für viele der naheliegendste und bequemste, aber objektiv betrachtet nicht der einzige.

Sachlich betrachtete Vor- und Nachteile eines Lektorats werden in dem Beitrag „Hic sunt lectores“ sehr schön vorgestellt.

Und so wenden wir uns ab von den besudelten Gestalten und sehen im nächsten - und vorerst letzten - Teil selbst, wohin uns die Jagd nach der Perfektion denn bringt.

Ich fürchte, die Ritter der Tafelrunde hatten es mit dem heiligen Gral einfacher.
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Published on February 09, 2016 10:07

Der Au-Tor II: Die Übereinstimmung – Zufall, Unfall oder Überfall?



Be unique - Thomas Leth-Olsen (www.piqs.de)
Ich lese seit Tagen auf Facebook, auf diversen Blogs, auf Twitter und weiß der Henker wo sonst noch allerlei Sinn und Unsinn über die Schriftstellerei im Allgemeinen, die ewig gleichen Grabenkämpfe zwischen Indie und Verlag, die Kunst der Einzigartigkeit und die Notwendigkeit von Lektoren. Und immer, wenn es endlich ruhiger wird, postet der nächste und das Karussell dreht sich erneut.

Ich habe, weil ich die Aufregung verstehen will – und ja, weil es mich auch ein bisschen (ziemlich) aufgeregt hat – mir das Drama mal in Ruhe angeschaut und versucht, etwas Ordnung hineinzubringen. Ganz unufgeregt. In vier Teilen, weil der Beitrag sonst zu lang wird.1. Akt: Qualität kommt von Quälen!  2. Akt: Die Übereinstimmung – Zufall, Unfall, Überfall? 3. Akt: Leck mich Lektor – von Schändern und Schindern. 4. Akt: Die Suche nach dem heikligen Gral oder auf der Jagd nach dem perfekten Text.  
2. Akt:
Die Übereinstimmung – Zufall, Unfall oder Überfall?Das Drama begann damit, dass eine Autorin quasi in flagranti dabei erwischt wurde, bei ihren neueren Werken von Cora-Heftchen abgeschrieben zu haben und zwar sehr weitgehend. Eine sauber recherchierte und sachliche Übersicht über diesen Fall gibt Myra Cakan.

Der Shitstorm, der daraufhin ausbrach, war beängstigend. Ehrlich, Martin Scorsese würde die Verfilmung wegen zu großer Brutalität ablehnen. Mich interessierten an dieser Stelle des Dramas dagegen zwei Dinge, nämlich einmal ganz sachlich, woher diese Empörung stammt und dann, wann eine Empörung über Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen auch berechtigt ist. Doch der Reihe nach: 
Empörte MotiveWenn man früher in der Schule beim Abschreiben erwischt wurde, war das eine schlimme Sache. Der Lehrer hielt einem eine Standpauke, die Note war futsch und blamiert war man auch noch - und zwar bis auf die Knochen. Darin ähneln sich Schüler und Autoren. Der Verlag droht mit Anwalt, statt der Schulnoten ist man jetzt der Banknoten verlustig und ja - der Ruf ist ramponiert.

Aber egal, ob die anderen Schüler heimlich feixend ihre Schadenfreude genossen, sich erleichtert, selbst nicht erwischt worden zu sein, über ihr Blatt duckten oder das gute Gewissen genossen, doch lieber aus eigener Kraft zu schreiben - sie alle verhielten sich ruhig. Es gab keine Beschwerden und Pöbeleien, wie man denn nur Abschreiben könne, pfui, pfui, pfui!  Stellt euch das im Klassenzimmer vor. Ein geradewegs grotesker Gedanke.

Bei Autoren ist das leider anders. Die Leser nahmen es gelassen, akzeptierten die Entschuldigung und wollten in den Lesesessel zurück. Auch der um seine Einnahmen betrogene Verlag äußerte sich nicht öffentlich. Es waren Autoren, die mit Hashtags wie #Ichschreibeselbst oder #ichbinmeineGeschichte die Hetzjagd eröffneten.

Warum? Was wirft das für ein Licht auf unsere Zunft, wenn man betonen muss, dass man selbst schreibt? Klebe ich mir nach jeder Nachricht über eine Trunkenheitsfahrt einen Sticker aufs Auto: „Ich fahre nüchtern?“ Was soll damit bezweckt werden? Was bringt es uns, da solange darüber zu zetern, bis auch der letzte Leser hinter seinem Buchregal hervorgelockt wird, um nachzusehen, was da womöglich schief gelaufen ist? Warum soll sich eine ganze Zunft eines Missgriffs rechtfertigen? 
Oder vielmehr - und das ist signifikant - die Hälfte... jene Hälfte nämlich, die verlagsfrei als Indie oder SP-Autor veröffentlicht. "Da hat die Autorin uns aber alle ganz schon in Verruf gebracht", hob das Klagen allenthalben an. Wohlgemerkt aus der Indie-Ecke mit erstaunlicher Betriebsblindheit, denn weder war zu diesem Zeitpunkt aus dem Verlagslager zum Halali geblasen worden, noch hätte man das sehr ernst nehmen müssen, denn die besagte Autorin frohlockte ja seit Monaten, dass sie nunmehr Verlagsautorin geworden sei.

So aber entstand gerade durch die vielfach öffentlich gepostete Befürchtung einer Hexenjagd der Eindruck, dass tatsächlich SP viel eher Hexenwerk - pardon eine Fingerübung in Copy and Paste - sei, als seriöse Verlagswerke.

Eine These, die zu doof ist, um auch nur kommentiert zu werden, auch wenn Verlagsautoren den Ball aufnehmen und Indies nicht nur pauschal als Abschreiber darstellen, sondern auch noch als E-Book-Piraten (was mich dann doch erbost).

Pikant in diesem Zusammenhang, dass es in Sachen Urheberrecht auch sehr seriöse Verlagsunternehmen wie Holtzbrinck mit seiner Tochter epubli nicht so genau nehmen und schon mal ein paar Jahre ohne entsprechende Lizenz fremde Werke unter eigenem Namen weiter vertreiben.

Oder auch der neue Skandal, bei dem eine Autorin, die bei einem Imprint eines großen Verlags untergekommen ist, die beim Haupthaus verlegten Mangas so detailgetreu in Fließtext umsetzte, dass das betreffende Buch inzwischen vom Markt genommen und der Autoriin fristlos gekündigt wurde. Besondere Ironie erhält dieser Fall dadurch, dass - glaubwürdigen Quellen zufolge - Hannah Ben sich zuvor an der allgemeinen Empörung und den #Ichbinehrlich-Hashtags aktiv beteiligt hat.

Verlage sind nur nicht so dämlich, da so ein Aufheben darum zu machen. Die mahnen sich heimlich still und leise ab, zahlen sich gegenseitig Vertragsstrafen und halten die Fresse. 
Darum springt auch keiner wirklich darauf an, dass die "Tribute von Panem" nicht rechtlich, aber wohl moralisch schon sehr auffällige Übereinstimmungen mit "Running Man" von Richard Bachman, der Stephen King ist, hat, das seinerseits wiederum von Clark Darltons Klassiker "Todesschach" beeinflusst wurde, dem Frau Collins wieder deutlich näher rückt, als der bekanntere Bachman-Klassiker. Sie selbst bekennt sich übrigens laut Wikipedia dazu, von der griechischen Mythologie (Minotaurus im Labyrinth) und römischen Geschichte (Spartacus) beeinflusst zu sein.

Egal, denn ... alle mal durchatmen ... Ähnlichkeiten sind unvermeidlich!Das heißt nicht, dass ich Plagiate und Ideenklau befürworte. Ich denke nur, dass man jetzt nicht beim Planschen das Kinde mit dem Bade ausschütten sollte. 
Die Frage, wie viele Plots es gibt, wird nicht ganz einheitlich beantwortet. Extremisten, sagen einen, Puristen sagen drei (es geht gut aus, es geht schlecht aus, die Frage bleibt offen), die größte Menge pendelt bei über 70, aber alle sind sich einig - die Zahl denkbarer Geschichten ist endlich und eigentlich deprimierend überschaubar. Die sind übrigens alle schon verbraucht. Mehrfach. Und nun?

Nun gut, bloß weil andere vor mir mit Salz und Wasser kochen, wandle ich meine Rezepte auch nicht ab. 
Sooooo schlimm ist das also vielleicht gar nicht. Kaum jemand hat sich bislang bei der Lektüre von "Dornröschen" beschwert, dass der Plot aber wirklich bis ins Detail identisch mit der deutlich herberen Interpretation durch Siegfried und Brunhild in der Nibelungensage ist. Oder Shakespeare, der bei "Romeo und Julia" eindeutig Pyramus und Thiesbe aus Ovids Metamorphosen vor seinem inneren Auge hatte.

Letztlich stehen uns allen nur beliebige Kombinationen der immer gleichen 26 Buchstaben zur Verfügung.

Der allseits beliebte Terry Pratchett als Großmeister der Variation eines Themas hat in seinem gesamten Werk kaum je einen Plot selbst entwickelt. Von Shakespeare über Goethe und Zeitgeschichte wie das Kennedy-Attentat hat er große und bewährte Motive übernommen und doch zu etwas wundervollem, ganz und gar eigenem gemacht. Er kochte mit Wasser und Salz - und seiner Fantasie. Ich liebe ihn. Und ich finde und fand, im sittlichen Rahmen ist eine Anspielung, ein Zitat, das Aufgreifen von Motiven schon immer die ehrlichste Form eines Kompliments an meine Vorbilder. 
Wann aber ist dann die Grenze zum rechtlich verwerfbaren Abschreiben überschritten?Mit Justitias Augen Rechtlich ist das Plagiat natürlich vom Zitat und von der Anspielung ebenso zu unterscheiden wie von der schwer zu greifenden Inspiration.

Das belletristische Abschreiben ist im Wesentlichen im Urheberrecht geregelt, ggf. auch im allgemeinen Strafrecht, etwa in § 263 StGB (Betrug). Das Plagiat bestand dabei in den genannten Fällen in der nahezu wörtlichen Übernahme fremder Texte ("Werke") ohne entsprechende Kennzeichnung und Verweis auf den eigentlichen Urheber. Der intellektuelle Kopierschutz greift durchaus (und die Urheberrechtsoffensive, die ich im ersten Teil erwähnt hatte, wendet sich eher gegen die Lizenznehmer, also im Buchfall die Verlage).

Etwas anderes wäre es, wenn eine ausreichende kreative Eigenleistung hinter dem Endprodukt steht. Damit ist der "Ideenklau" zwar je nach Intensität moralisch verwerflich, aber rechtlich zulässig.

Warum? Das liegt nicht daran, dass Juristen doof sind oder lax, sondern an der Beweisbarkeit; weil man eine Idee kaum greifen kann, weder in Bezug auf die Frage, wer sie nun von wem geklaut hat, denn theoretisch könnten ja auch zwei (fast) dieselbe Idee zeitgleich haben, noch in Bezug auf die Abgrenzung. Denn wann ist eine Idee nur ähnlich und nicht mehr gleich? 
Moral ist etwas, das man nicht in Gesetze gießen kann, die insoweit immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner verteidigen wollen und - so der ursprüngliche rechtsethische Gedanke - nur das verbieten wollen, was für die Gemeinschaft völlig unannehmbar ist. Wenn ein Plagiator tatsächlich annähernd wortwörtlich Formulierungen übernimmt und nicht nur eine Idee mit eigenen Worten nacherzählt, ist diese Grenze überschritten und Justitia greift zum Schwert. Was mich wieder zum Entrüstungsblubbern in den oben genannten Fällen bringt. Da wurde offenbar richtig abgekupfert und das ist nicht okay, weshalb die Werke auch eingezogen sind. Keep it simple - Become uniform In der Wissenschaft hat man zudem seit Langem das Problem, dass z.B. Rechtstexte sich aus gutem Grund sehr eng an dem Gesetzestext orientieren. Es handelt sich um eine so stark formalisierte Fachsprache, dass da einer für den Erwerb von Urheberrechten erforderlichen kreativen Eigenleistung kaum Spielraum bleibt.

Dahin bewegt sich nun leider auch die Belletristik, bei der Forderung vieler Verlage nach einer möglichst einfachen Sprache mit schlichten "Subjekt, Prädikat, Objekt"-Konstruktionen ohne Nebensätze, bevorzugt noch in der ersten Person Präsens. Generation SMS soll uns ja verstehen. Damit werden aber z.B. banale Dialoge, die eben doch erforderlich sind, unweigerlich sehr ähnlich. Wir Autoren dürften heute auf die Frage, ob wir womöglich verschlafen haben, nicht vom Biorhythmus der Nachtigallen und Lerchen erzählen, wie weiland Romeo und Julia. Der von den meisten Lektoraten als Limbolatte angesetzte DAL (Dümmst anzunehmende Leser) wüsste vermutlich schon nicht, was das für Viecher sind, geschweige denn, wann sie schlafen. "Scheiße, wie spät ist es denn?" findet also deutlich wahrscheinlicher Gefallen. Auch wenn da die Kreativleistung notgedrungen überschaubar ist. Einfachheit führt zur EinheitlichkeitKlarer Fall, auch die Wortkontrolle, die Amazon für E-Books einführen will, reduziert den Sprachschatz auf das Niveau der Rechtschreibehilfe von MS Word. A. Burgess oder Arno Schmidt hätten dann mit ihren innovativen, guten und wegweisenden, aber fraglos den Leser fordernden Werken keine Chance mehr.

Das heißt, die Werke werden einander unweigerlich ähnlicher. Innovation – aber nur in MaßenHinzukommt, dass in gewissen Genres der Leser geradezu erwartet, dass der Plot in definierten Bahnen verläuft. Happyend vorprogrammiert. So wie James Bond natürlich die Welt rettet und lediglich offen ist, wie er es anstellt. Schlenker sind anstrengend. Literarische Hausmannskost liegt im Trend.

Naturgemäß beschränkt diese Forderung den erzählerischen Spielraum und macht Übereinstimmungen unvermeidlich. Die Leser wollen das und als brave Dienstleister liefern wir Autoren. Manche, wie etwa die in festen Schemata schreibenden "Groschenheft-Autoren" (vor denen ich persönlich allergrößten Respekt habe!), eher mehr, schneller und besser. Manche, speziell die mit mehr künstlerischer Attitüde eher weniger.

Doch auch das ändert sich. Klare Grenzen, aber keine Gräben Durch die leidige Plagiatsgeschichte sind die Leser nervös geworden und suchen förmlich nach Wiederholungen. Krampfhaft.
Die sie - siehe oben - unvermeidlich finden werden.
Er hat sie geküsst!
Echt jetzt?! Das haben die bei X auch schon!
Ja. Vermutlich gibt es dazu auch schon Höhlenmalereien.
Einer Autorin wurde gar vorgeworfen von sich selbst (sic!) abgeschrieben zu haben, als sie einem Protagonisten eines anderen Buchs einen Cameo-Auftritt in ihrem aktuellen Werk verschaffte. Kein Grund, sich aufzuregen. Oder doch?

Ich persönlich bedaure, dass der Literaturbetrieb nach immer größerer Konformität verlangt und würde mir vor allem als Leser mehr unangepasste, schräge, mutige Geschichten wünschen. Die Stereotypen der Genres, die simplifizierte Sprache erklären Ähnlichkeiten, die natürlich zur "Arbeitserleichterung" verleiten. Sie sind keine Entschuldigung für Abschreiben. Aber ich würde mir wünschen, dass man jetzt nicht im Eifer dem künstlich aufgeputschten Zorn noch weiter Futter zu geben, nicht zu tief gräbt und alle Ähnlichkeiten, Anspielungen, Seitenhiebe und Zitate zu kriminalisieren.


Gerade als sich das Wasser wieder klarte und die Wogen geglättet waren, kam der nächste Bauchplatscher! 
Der dritte Akt, die Lektoratskrise ...
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Published on February 09, 2016 04:18

February 8, 2016

Der Au-Tor I. Eine Tragikomödie in 4 Akten.



Burning Book - J. Calldon (www.deviantart.com)

Ich lese seit Tagen auf Facebook, auf diversen Blogs, auf Twitter und weiß der Henker wo sonst noch allerlei Sinn und Unsinn über die Schriftstellerei im Allgemeinen, über Abschreiben und Neu Schreiben, die ewig gleichen Grabenkämpfe zwischen Indie und Verlag und die Notwendigkeit von Lektoren. Und immer, wenn es endlich ruhiger wird, postet der nächste und das Karussell dreht sich erneut.

Leute, mein Popcorn ist alle und eigentlich müsste ich dringend endlich den Vampire Master Guide weiterschreiben, mein Team wartet sehnsüchtig auf das Manuskript und die Leser auf das Buch.

Aber es ist wie bei einem Verkehrsunfall, man kann nicht hinschauen, man kann nicht wegschauen. Und dann verfolgen einen die Bilder und man kann nicht schlafen. Also muss ich das verarbeiten.

Schreibend, weil ich Autor bin - auch wenn das bereits nicht ganz klar ist, und man tatsächlich darüber streiten muss.

Ich habe, weil ich die Aufregung verstehen will – und ja, weil es mich auch ein bisschen (ziemlich) aufgeregt hat – mir das Drama mal in Ruhe angeschaut und versucht, etwas Ordnung hineinzubringen. Ganz unaufgeregt und gründlich. In vier Teilen, weil der Beitrag sonst zu lang wird.


1. Akt: Qualität kommt von Quälen!
2. Akt: Die Übereinstimmung – Zufall, Unfall, Überfall?
3. Akt: Leck mich Lektor – von Schändern und Schindern.
4. Akt: Die Suche nach dem heikligen Gral oder auf der Jagd nach dem perfekten Text.


1. Akt: 
Qualität kommt von QuälenUns allen geht es um ein gutes Buch.

Um nicht mehr und nicht weniger, wenn wir mal die persönlichen Befindlichkeiten, Vorurteile, Standesdünkel, Konservatismen und Rebellionsgedanken beiseite lassen, die den Diskurs so aufgeheizt haben. Und es geht, wie die Arbeit an diesem Artikel gezeigt hat, um die Wege dorthin. WegE! Plural. Auf Trampelpfaden durchs Dickicht oder über breite Chausseen mit Panoramablick, allein oder in Begleitung.
Was ist ein gutes Buch?Was ein gutes Buch ist, darüber hat sich mein geschätzter Kollege Marcus Johanus bereits ausgelassen und kommt zu dem mich wenig überraschenden Schluss, dass man das so genau nicht sagen kann. Marcus stellt sehr zutreffend fest, dass ein Buch auf mehreren Ebenen gut sein kann und auch gut sein muss:

Es geht um eine Geschichte in handwerklich einwandfreier Umsetzung und - last but not least - um deren richtige Adressierung. Auch wenn man über Kunst nicht - oder doch sehr trefflich - streiten kann, so ist die Qualität einer Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Als Autor, als Literatur-/Sprachwissenschaftler, als Händler oder eben - last but not least - als Leser.

Aus Autorensicht

Für den Autor, der sich eine Geschichte mit Herzblut von der Seele schreibt, kommt Qualität in vielen Fällen von Quälen.

Sich selbst – und wenn man scheitert, auch die Leser. Schreiben ist wie Kinderkriegen. Die Schwangerschaft durchzieht Höhen und Tiefen, die Geburt ist übel, aber das Ergebnis - es entlohnt für alles. Das gilt übrigens für alle Sorgen von Autoren, denke ich. Egal, auf welcher Route sie dann ihre Geschichte zum fertigen Buch und von dort weiter zum Leser begleiten. (Auch wenn Micaela Jary es so darstellt, als sei ein so hehres Gefühl des Werksstolzes den Verlagsautoren vorbehalten.)

Und wie es bei Eltern so ist, gibt es solche, die einfach alles, was die Brut so fabriziert, superduperspitze finden und solche, denen aber auch nichts gut genug ist, weil sie das niemals wahrlich ausgeschöpfte Potential ihrer Sprösslinge zu kennen glauben, oder aber auch solche, denen es eigentlich ziemlich egal ist, was der Nachwuchs treibt, solange der Laden läuft.

Genauso benehmen sich dann die Texte. Da gibt es die lieben, gut erzogenen, hübsch zurecht gemachten Kinder, die trotzdem irgendwie nie wirklich bemerkt werden; die freakigen Nerds, die immer in der Ecke beisammen stehen und einfach anders sind und auch so sein wollen; die vorlauten, frechen Aufschneider, mit denen man sich gut amüsieren kann, obwohl es ihnen an Tiefe fehlt, die unverschämten, brutalen Schläger, denen man lieber aus dem Weg geht; und natürlich die durchgestylten Pausenhofköniginnen, die immer den neuesten Trend bedienen und deshalb wahnsinnig beliebt sind, aber wenig wahre Freunde haben.

So ist es auch bei Autoren und ihren Büchern, und das hat nichts, gar nichts damit zu tun, wie sie veröffentlichen. Am Anfang war die Idee, habe ich mal gebloggt. Der Rest ist offen.
Unter der Lupe der WissenschaftLiteratur- und Sprachwissenschaftler betrachten ein Buch unter handwerklichen Aspekten, so wie eben auch in der Malerei oder Musik ein Künstler anhand seiner Technik beurteilt wird.

Es gibt viel Handwerk beim Schreiben, von Grammatik und Rechtschreibung, über allgemeine, bekannte und bewährte Stilmittel bis hin zu Grundprinzipien der Erzähltechnik.

Ich persönlich erwarte von jedem, der mit einer gewissen Professionalität als Autor auftritt - sprich: veröffentlicht und das auch noch für Geld - dass er sich mit diesem Handwerk intensiv auseinandersetzt. Man muss die Regeln kennen, um sie zu brechen. Auch im künstlerischen Umfeld hat der Juristenspruch, wonach Gesetze dazu da sind, dass man nachdenkt, bevor man sie bricht, uneingeschränkte Berechtigung. Darüber hinaus - und das wird gerne übersehen - ist die Qualität eines Buchs auch in seiner Wirkung begründet.

Bücher sind Kommunikationsmittel. Jede Geschichte braucht eine Kernaussage. Ein Buch mag handwerklich schlecht und erzählerisch banal sein, aber wenn es bewegt - etwas bewegt - ist es in Bezug auf seine Aufgabe, nämlich eine Nachricht zu transportieren, eben doch gut. Irgendwie. Es gibt viele Bücher, die man nur in dem Kontext ihrer Veröffentlichung verstehen kann. "Die Leiden des jungen Werther" zum Beispiel, mit dem Goethe den Nerv seiner Zeit getroffen und einen Fall historisch belegter literarischer Massenhysterie ausgelöst hat. Auch "Onkel Toms Hütte" von Harriet Beecher Stowe muss im Kontext seiner Zeit gelesen werden. Andere Bücher sind noch nicht einmal erfolgreich gewesen, haben aber eine Unzahl anderer Autoren maßgeblich beeinflusst. H.P. Lovecraft ist da ein wundervolles Beispiel. Auch das macht unter wissenschaftlichen Aspekt ein Buch zu einem guten - oder jedenfalls zu einem wichtigen.
Vom Handel nachgerechnetHändler sind in Bezug auf die Qualität sehr geradlinig. Was sich verkauft, ist gut. Punkt. Dumm nur, dass immer noch niemand die sagenumwobene Bestseller-Formel kennt. Unbestritten hat eines der erfolgreichsten Bücher aller Zeiten "Harry Potter" lange Zeit keinen Verlag gefunden und wurde - welch ein Witz - zunächst sogar von Bloomsbury Publishing nur mit einer Auflage von 500 Stück zu verdächtig nach DKZV klingenden Bedingungen verlegt. Noch deutlicher wird das mit "Fifty Shades of Grey", das als Fan-Fiction zu Stephenie Meyers Twilight begonnen hatte und schließlich von einem australischen Independent-Label als E-Book verlegt wurde. Kein seriöser Verlag hätte das Buch zu diesem Zeitpunkt gewollt, das Millionen von Lesern begeistert hat.

Dennoch sind alle Verlage mit einem Heer von Lektoren und Agenten auf der Jagd nach dem nächsten Bestseller. Natürlich wird dabei an erfolgreiche Titel "angelehnt", um das hässliche Wort "nachgemacht" zu vermeiden. Man jagt den nächsten Trend. Schon klar.

Längst wird dabei auch verstohlen nach Indie-Titeln gesucht, die mainstreamtauglich sind. Da werben altehrwürdige Verlage mit neuen coolen E-Book-Imprint, mit „jungen Labeln“, unter denen sie die Indies zusammenscharen, bevorzugt jene, die schon ihre eigene Fanbase mitbringen, mit denen sie feiern, dass sie jetzt im Verlag sind. Für eine Fläche auf der Messe, auf der sie dann die Marketingarbeit mit ihren Fans machen oder sich imbesten Fall gegenseitig dabei unterstützen, ihre Bücher zu promoten - zum Wohle des Verlags vor allem.

Von dem Schutz der Kunst, die angeblich mit Massenauflagen querfinanziert werden muss, ist bei Randomhouse & Co. jedenfalls wenig zu bemerken. Auch im Buchhandel sucht man im Großen und Ganzen innovative Literatur vergeblich. Und sonderbarerweise – je größer der Laden ist, desto unwahrscheinlicher ist es, fündig zu werden. Wenn der Buchhändler bereit ist, einem einen Exoten zu bestellen, hat man schon Glück gehabt. Viele sind sogar zu faul das VLB zu bemühen – was tatsächlich das wichtige Argument der besseren Verfügbarkeit von Verlagstiteln im Vergleich zu SP im Praxistest deutlich relativiert.

Libri, einer der größten deutschen Distributoren (Buchzwischenhändler) bietet dem Einzelhandel seine Waren übrigens in laufende Meter/Regelfläche je Genre und nicht nach Titel an. Es werden Pakete und nicht wie gemeinhin vermutet die liebevoll zusammengestellten Empfehlungen des „Buchhändlers unseres Vertrauens“ geordert.

Traurig, aber wahr - und das sollte man sich mal - so desillusionierend es ist - vor Augen führen, bevor man aufeinander eindrischt. 
Ich finde es unendlich schade, dass es nicht gelingt, die Masse der Davids gegen die Goliaths zu mobilisieren. In meinen Augen gehören Indies und Einzelhändler, der inhabergeführte Buchladen, zusammen wie ein paar Schuhe. Mit nur einem Fuß läuft es sich schlecht, aber wenn man es gemeinsam macht, immer einer den Schritt für den anderen mitgeht, sähe die Sache schon anders aus.Wir alle wollen erfolgreich sein. Wir alle wollen Leser. Leser?
Das sind diese lästigen Menschen am Ende der Lesefutter-Nahrungskette. Unberechenbar, eigenwillig, unsachlich und auch noch stolz darauf. Leser nutzen sich übrigens nicht ab. Anders als bei Autos oder Waschmaschinen bedeutet die Entscheidung für A nicht automatisch gegen B. Wer weiß was die Buchstabenkombination „SUB“ bedeutet, ahnt welch wirtschaftliches Potential hinter der Hamstermentalität der meisten Leser steckt.

Für den lesenden Endkunden ist letztlich die Chance, sperrige, eigenwillige, unangepasste - und damit künstlerisch interessante - Bücher zu finden, bei Amazon deutlich höher. Aus dem einfachen Grund, weil dort jedes Buch die Gelegenheit bekommt, seine Leser zu finden.

Deshalb kaufen viele dort ein, weil sie die von ihnen nachgefragten Waren woanders nicht bekommen. Amazon ist es egal, womit es Umsatz macht und es hat als bisher einziges (!) Unternehmen erkannt, dass die Leser durchaus Interesse daran haben könnten, selbst zu bestimmen, was sie lesen wollen. Dass Stöbern auf dem Flohmarkt Geduld erfordert, aber eben auch belohnt wird. Und statt zu lernen und auf den Leser gemeinsam zuzugehen, verdreschen wir uns gegenseitig, statt Alternativen zu bieten, um ein Monopol zu vermeiden? Dennoch scheitern die meisten Titel aus verschiedensten Gründen ebenso wie früher bei den Verlagseinsendungen. Und doch ist es fairer geworden, weil ein Filter weggefallen ist und der Leser zumindest nach seinen Perlen tauchen kann und selbst anhand von Textproben entscheiden darf, ob ihm das Buch gefällt. Basisdemokratisch sozusagen. Für die Machthabenden aller Branchen und Sparten schon immer ein verstörender Gedanke. Und was sagt der Leser?Leser sind die Freunde unserer Bücher und ein glückliches Buch braucht vor allem eins: Leser.
Anders als die vorgenannten Personen kann sich der Leser eine erfrischende Gleichgültigkeit in Bezug auf die schriftstellerischen Rahmenbedingungen leisten. Verlage oder SP sind ihm am Ende so schnuppe wie Exkurse über die kapitelinhärente Dynamik eines Spannungsbogens. Er will - und das bestätigen viele, viele Posts und Gespräche - im Grunde seines Herzens nur eins: eine Geschichte, die ihn mitnimmt. Das ist eigentlich rührend in seiner Genügsamkeit.

Und ob jetzt eine Geschichte so ähnlich schon mal erzählt wurde oder da Tippfehler drin sind oder nicht - das ist solange egal, wie der jeweilige Leser von der Geschichte umfangen bleibt. Wenn er durch einen Grammatikschnitzer aus der Verfolgungsjagd geworfen wird, ist er - zu Recht - frustriert.

Lesen ist hochindividuell, von daher ist der Autor, der möglichst viele Leser erreichen will, gut beraten, eine möglichst spannende Geschichte möglichst fehlerfrei zu erzählen und in ein ansprechendes, komfortabel zu lesendes Buch zu verpacken. Das ist die Stärke der seriös arbeitenden Verlage. Weil sich keiner über ein fehlerfreies Buch beschwert und niemand über eine spannend erzählte Geschichte - oder doch?

Die hinter den Dämmen der Verlagshäuser vermeintlich glatte See ist trügerisch. In der Tiefe bilden sich Strudel... und die ersehnte Jagd nach der Perfektion ist so sinnlos wie die Suche nach dem heiligen Gral.

Man liest immer öfter (gerade von der ökonomisch interessanten Zielgruppe der Viel- und Schnellleser, der Buchjunkies), dass die neueren, durchgestylten, leseoptimierten Bücher zu glatt, ja seelenlos geworden seien, so wie die Plastik-Models in den Hochglanzmagazinen zwar irgendwie schön anzusehen sind, aber warm wird man nicht mit ihnen. Man liest, die Handlung dieser barbiefizierten Werke sei zu schnell erzählt, zu straff organisiert, zu optimiert. Das liest man - so meine Amazon-Recherche - vor allem über Verlagsbücher. Speziell jenem aus großem Hause. Vielleicht sollte ein gutes Buch also sperrig sein (ein bisschen), so wie eben auch sein Autor. Diese Individualität und im positiven Sinne Schrulligkeit, mit der speziell die überfütterten Vielleser zu begeistern sind, wird dagegen in den Kundenbewertungen weit öfter SP-Büchern zugeschrieben. Sie ist die Stärke der Indies.

Letztlich ist das alles einerlei. Geschichten wollen nicht nur erzählt werden. Sie wollen gehört werden. Oder eben seit Guttenberg gelesen. Was bedeutet, dass der Autor das erste Wort und der Leser das letzte Wort in diesem Streit hat, der über die Güte von Büchern entbrannt ist und immer noch schwelt. Und dass dabei alle Zwischenglieder der Kette eine zunehmend kleinere Rolle spielen, auch wenn erstaunlicherweise im etablierten Buchmarkt weder der Autor noch der Leser eine tragende Rolle spielen. Speziell den Umgang mit Autoren hat jüngst erst Nina George in einer Brandrede beklagt und deshalb gitb es Initiativen für ein faireres Urheberrecht.

Soll sich der Betriebswirt wundern, dass Unruhe in einem Markt entsteht, wenn der Produzent und der Konsument in einer Warenkette ignoriert werden? Und so wird unversehens der aktuelle Sturm, eine Tragikomödie. Oder vielleicht doch eher ein Drama? Ich bin unentschlossen.

Und doch ist es ein Abbild der Probleme unseres Umfelds - nicht nur des Buchmarkts - den wir Buchmenschen am Ende am besten, schönsten und einfachsten überstehen, wenn wir uns in dem üben, was offenbar am meisten fehlt: Toleranz und Gelassenheit. Wir wollen eigentlich – und da nehme ich das Ergebnis bereits vorweg – dasselbe: 
Gute Geschichten.


Fortsetzung: 2. Akt: Die Übereinstimmung – Zufall, Unfall, Überfall?








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Published on February 08, 2016 17:52

January 22, 2016

Wann ist ein Autor ein Autor



Oh Mann!
In einer Buchgruppe wurde letztens Unmut darüber laut, dass sich quasi jeder heutzutage Autor nennt - oder vielmehr schimpft. Sofort wurde mit der in sozialen Netzwerken leider heute üblichen Emotionalität darüber gestritten, wann sich wer unter welchen Voraussetzungen als Autor oder gar Schriftsteller bezeichnen darf. Die einen sagten, Autoren seien Personen, die Bücher schreiben, die sie (die Leser) mögen. Andere meinten, bevor man sein Buch nicht in einem Buchladen stehen hat, sei man kein Autor. Wieder andere meinten, das sei jedem selbst überlassen.
Halten wir also fest - es ist schwierig.


Vielleicht sollte man die ja durchaus spannende Frage daher einfach mal ohne Emotionen ganz wissenschaftlich angehen: 
Sprachliche Herleitung 
Das Wort "Autor" ist lateinischen Ursprungs und besagt zunächst mal dem Duden zufolge nur "Urheber". Nach heutigem Sprachverständnis Urheber eines Textes, also "Verfasser".  
Juristische Definition 
 "Urheber" ist nach § 7 UrhG der "geistige Schöpfer" eines Werkes. Also derjenige, der diktiert und nicht etwa der Assistent, der für ihn schreibt.
Das ist auch wichtig in Bezug auf Plagiatsfälle und Ideenklau. 
Damit ist grundsätzlich also auch ein Blogger ein Autor, ebenso Journalisten und Redakteure von Zeitungen und Magazinen.
 Nicht maßgeblich ist, ob das Werk veröffentlicht wurde und/oder gegen Geld vertrieben wird. Also auch ein Tagebuchverfasser ist ein Autor.
 
Autor oder Schriftsteller?
Die wörtliche Unterscheidung zwischen Autor und Schriftsteller ist eine gefühlsmäßig willkürliche und findet weder im Duden sprachlich noch im Verlags- oder UrhG rechtlich eine Grundlage. 
Von daher wird der Begriff gar nicht so inflationär verwendet, wie von den echauffierten Zeilenspringern befürchtet, letztlich ist jeder, der in einer Facebook-Gruppe mitschreibt auch schon ein Autor.
 Arten von Autoren? Wir kommen also nicht umhin, zwischen den verschiedenen Typen von Autor zu unterscheiden:
Blogger, Redakteure und Journalisten als Spezialautoren. Schriftsteller als Buchautoren.  Verlags-, Hybrid-, und Selfpublishing-Autoren nach dem VÖ-Weg. Hauptberufliche, nebenberufliche oder Freizeitautoren nach dem wirtschaftlichen Interesse.  Bestseller-, Newcomer- und Schundautoren nach dem Erfolg des Buchs.  Roman-, Sach- und Fachbuchautoren nach dem Themengebiet Krimi-, Fantasy-, Horror-, Erotikautoren nach dem Genre. Lieblings-, Nerv-, und Möchtegernautoren nach dem persönlichen Sympathiegrad.Nur ganz ehrlich - die Begriffe Buchhandlungs-, Online- oder E-Bookautor, die fühlen sich für mich irgendwie falsch an. 

 

Aber hey, ....  
Am Ende ist es egal und man kann sich im auf einen ganz einfachen Kernsatz einigen: 
"Schreiber schreiben!"
Waaaaahnsinn, was wir doch für ein überaus bunter Haufen sind. Bunt ist meine Lieblingssprache!
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Published on January 22, 2016 05:11

January 21, 2016

5 Dinge, die einen Autor zweifeln lassen




Zur Zeit wird in meinen Kreisen besonders viel gebloggt. Es geht hierbei - auch wenn ein Blick auf den Kalender das vermuten lässt - leider weniger um die Umsetzung von vorschnell und grob fahrlässig gefassten Neujahrsvorsätzen, als vielmehr um das Bedürfnis, sich in Tagen schwerer seelischer Erschütterung zu sammeln, zu positionieren und sein persönliches Credo, sein Glaubensbekenntnis zu formulieren. Was wir, weil wir Autoren sind, naturgemäß schriftlich und öffentlich machen.

Es geht, wie man an der Einleitung sieht, um Zweifel.

Es geht um Zweifel an uns, an unserer Kunst, an unserem Handwerk, an unserem Markt und unseren Kollegen. Es geht um geplatzte Krägen, gefletschte Zähne, rot geheulte Augen, schlaflose Nächte und übersäuerte Mägen, um das Gefühl der Hilflosigkeit und sehr kritische Blicke in den Spiegel.

Zweifel am Selbst Es ist natürlich und vernünftig, dass man schaut, was die Konkurrenz so treibt. Wie sonst soll man verstehen, wie das Umfeld, in dem man sich bewegt, funktioniert?

Aber irgendwie habe ich dann immer das Gefühl, dass ich alles falsch mache, einfach als Person nicht gut genug bin.

Ich sehe, wie cool die Promoaktionen meiner Kollegen sind, wie schnell sie viele, viele Interaktionen zu ihren Posts bekommen, wie toll ihre Lesungen sind, wie glücklich sie bei einem Verlag oder eben als freier Autor sind, wie schnell sie viele - und noch dazu gute - Rezensionen bekommen, wie sie schreiben, was sie wollen, oder schreiben, was die Leser wollen - oder im Idealfall wie die Leser wollen was sie schreiben wollen. Wie sie ständig etwas zu bejubeln und zu feiern haben, während ich mich in meinem dunklen Kämmerlein mit der nächste Sinnkrise herumwälze.
Und dann fühle ich mich ... minderwertig.
Egal, wie ich strample, was ich tue, was ich stemme, was ich schaffe ... es ist zu wenig. Wie beim Hasen, der an jeder Ecke seines Spießrutenlaufs immer einen Igel trifft, der jubelt, dass er schon da ist. Meine Kollegin Gloria Manderfeld macht sich dazu ihre Nerd-Gedanken und kommt zu dem mich nicht überraschenden Schluss, dass Autoren vor allem mit einer daraus folgenden Einsamkeit umgehen müssen.

Das führt im günstigeren Fall nicht unmittelbar zu Neid, der völlig zu Recht als eine der Todsünden gilt, weil er geeignet ist, uns allen gemeinsam das Leben zu vermiesen, sondern zu einem Beneiden, was etwas ganz anderes ist. Es ist nicht das heute so oft gesehene/gelesene "Wieso hat der und ich nicht ...??!", sondern ein mehr von Sehnsucht getragenes "Das will ich auch..."

Sehnsucht, Sehn-Sucht, ist ein tolles deutsches Wort, weil es entlarvend die "Sucht" enthält. Ich könnte, und da kenne ich mich auch aus anderen Bereichen, erfolgreicher als Frau Rowling, Herr Martin und Frau Anderson zusammen sein und würde trotzdem ganz genauso fühlen. Egal, was ich erreicht habe, irgendwo, irgendwie könnte immer noch ein bisschen mehr gehen oder das erreichte ein bisschen bunter, schöner, glänzender sein.  Es ist so krank wie jede andere Sucht auch und es ist - wenn schon nicht eine Volks- so doch eine ernstzunehmende Künstlerkrankheit, die uns alle gefährdet. Ich suche noch nach einem Gegenmittel.

So entsteht der Druck, der vom Künstler im Gegensatz zum Normalbürger gleich in zwei Richtungen auszuhalten ist.

Als Anwalt habe ich Leistung zu bringen. Präzise auf den Punkt, unentwegt. Das ist stressig und brennt viele meiner Brotjob-Kollegen binnen Kurzem aus.

Zweifel an der KreativitätAls Künstler muss ich aber nicht nur liefern. Und es ist, wie Kollegin Katharina V. Haderer völlig zu Recht feststellt, vollkommen egal, ob man den Druck von sich selbst bekommt, oder von seinem Banker, der die Tantiemen als Raten für Kredite sieht, von seinem Agenten, Verleger oder den ungeduldigen Lesern, die (wenn man nicht nachlegt) einen so schnell aus dem Sinn verlieren wie ein an ADHS leidendes Eichhörnchen auf Ecstasy sein fallen gelassenes Nüsschen.

Dazu habe ich als Künstler aber auch noch das Problem, dass ich anders als Anwalt nicht einfach meine Arbeit machen kann, sondern "kreativ" sein muss. Das ist ja das "künstlerische" am "Künstler".

Ich brauche eine gute Idee, die ich in spannende Szenen aufgliedern und zu einem tollen Plot zusammenfügen muss, um ihn in mitreißenden Worten zu präsentieren. Und das kann ich nicht erzwingen. Ich kann es nicht mit Fleiß ersetzen und bin mir selbst da hilflos ausgeliefert, was insofern immer besonders doof ist, weil man in sich selbst einen Gegner hat, der alle Tricks schon kennt und nur nichts tun muss, wo man doch etwas schaffen will. Oder muss!
Das Schlimme ist, je höher der Druck ist, der sich von außen aufbaut, desto höher ist auch der innere Druck. Und das führt nur in den seltensten Fällen zu einem Lösen von Blockaden, denn alles, worauf man drückt... presst man zunächst nur noch fester zusammen. Man kann sich zwar zwingen, überhaupt etwas zu schreiben. Aber man kann etwas Gutes nicht erpressen.

Das ist für sich gesehen schon echt übel und kann einen Künstler - speziell wenn er die Meute der Fordernden im Nacken hat - geradewegs ins tiefe Tal der Verzweiflung und dort auch auf dunkle Pfade treiben.

Das führt wegen anhaltend schlechter Laune in die soziale Isolation, weil sich allenfalls Katzen auf Dauer damit begnügen, dass man nur noch Dosen aufmacht und in den Napf füllt (weshalb vermutlich die Katzendichte in Autorenhaushalten deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt). Das führt zu Schokoholismus und schlechter Ernährung und damit einhergehend zu Figurproblemen, die die soziale Isolation nicht besser machen. Und zum Griff zur Flasche, was manchmal die Kreativität fördert (Hemmingway schwor darauf), meistens aber nur zu einem Kater führt, den sonderbarerweise selbst die Katze nicht leiden kann.

Um diesen Gefahren zu entkommen, sieht man sich suchend um. Sucht Inspiration, den Funken, der die Kreativität wieder anwirft. Man liest, man forscht, man grübelt. Das Feld, dass zwischen der absolut unschuldigen und unvermeidlichen Inspiration durch Vorbilder über den rechtlich zulässigen aber moralisch kritischen Nachbau von Plots und Zitaten bis hin zum echten Abschreiben liegt, ist groß, unübersichtlich und tückisch. Und mach einer verläuft sich, gerade wenn er blindlings hindurchgetrieben wird.

Zweifel am ErfolgAnlässlich eines Plagiatsfalls, der mitverantwortlich für die oben erwähnten seelischen Erschütterungen meiner Kollegen ist, wurde immer wieder die Frage gestellt, warum ein erfolgreicher Autor so was macht, der habe es doch nicht nötig.

Das klingt logisch, ist aber genau falsch.

Ein erfolgloser Autor hat nichts zu verlieren. Er kann - wie mein Kollege Thomas Knip sehr gut ausführt - schreiben, was er will und frei wählen, ob er die Geschichten für sich schreibt oder eben für zahlende Kundschaft. Es ist ein Spagat, der den Verlagsautor so wie den Indie trifft, denn der Unterschied besteht insoweit nur darin, ob man sich vom Zwischenhändler, also dem Agenten/Verlag oder lieber direkt vom Endkunden, dem Leser, abhängig macht.

Solange der Erfolg ausbleibt, träumt und hofft man. Solange ist es ein Hobby, ein zehrendes, ein oft frustranes, manchmal in den Wahnsinn, sicherlich gelegentlich in die Verzweiflung treibendes Hobby - aber mangels Einnahmen nichts, was existenzbedrohend ist, weil man seine Existenz anderweitig sichert.

Durch den Brotjob, das Einkommen des Partners, den Sozialstaat oder eine Erbschaft. Mit dem Erfolg aber realisiert man sich den von den allermeisten gehegten Traum, vom Schreiben zu leben. Das heißt, man setzt darauf, dass die Einnahmen die Miete, die Raten, das Auto, die Versicherungen und all die anderen Dinge decken, die man so zum Leben braucht. Und zwar - und hier wird es schwierig - Monat für Monat.
Man muss nachlegen.
Weil man neue Verkäufe braucht, um zu kompensieren, dass ein alter Titel irgendwann einfach von denen, die ihn lesen wollen, auch gelesen wurde, um neue Kreise auch für alte Bücher zu erschließen, um dem Banker das Gefühl zu geben, dass es weiter geht ...
Nun lässt sich aber Kreativität womöglich nicht erzwingen, und während der Teilzeit- oder Freizeitautor es sich leisten kann, auf die Muse zu warten, weiß der Vollzeitautor, wer am nächsten Ersten auf sein Konto zugreifen wird. Selbständige wissen das besser als Angestellte - und auch die können in den meisten Branchen durch Fleiß und Zusatzaufwand Widrigkeiten kompensieren. Es ist nicht der nächste Erste, der Angst macht, sondern der übernächste. Weil man sich fragt, ob der Erfolg anhält, also will man die Welle reiten, solange sie da ist. Sicheres Symptom für einen ernsten Fall unterschwelliger Angst ist die allseits beliebte, Statistolismus, das für sich schon krankhafte, ständige Starren auf immer dieselbe Statistik, um etwaige Bewegungen, die man ohnehin nicht beeinflussen kann, frühestmöglich wahrzunehmen. Dieses besonders häufig bei Autoren mit der von Amazon für jedes Buch veröffentlichten Verkaufsstatistik zu beobachtende Phänomen beschreibt auch Anja Bagus sehr plastisch, zusammen mit den aus den so gewonnenen Erkenntnissen resultierenden Emotionsschüben.

Ich spüre das bei meinen Büchern auch, obwohl ich höchstvorsorglich keinen Direktlink auf diese Statistik gesetzt habe und daher meine Faulheit (diese Macht ist stark in mir) gegen meine Neugier setze. Meinen Erfolg definieren meine Leser und denen ist es eh egal, ob ich die Statistik kenne. Mit meinen Büchern spiele ich, würde ich sagen, in der zweiten Bundesliga. Das ist gut, besser als viele, aber natürlich mit Potential nach oben, für mich und meine Leser (Ja, das war ein Hinweis. *hehehe*). Und mit jedem Buch steigt für mich der Druck. Leser haben eine Erwartungshaltung, wollen schnell und gut nachbeliefert werden. Fragen unmittelbar nach der Veröffentlichung nach dem Nachschub (klar, ich lese auch deutlich schneller als ich schreibe) und und und ...

Zweifel am Markt Der Buchmarkt ist in Bewegung. Vertikal, weil sich die Publikationsformen verändern und verbreitern, E-Book, Audiobook, Bebilderte Tube-Lesungen, Print mit Goodies ... Horizontal, weil die seit Gutenberg im Prinzip nie wieder veränderte Schiene Autor - (Agent) - Verlag - Händler - Leser aufgebrochen wird und der Autor sich direkt an den Leser wendet (und zwar auch der Verlagsautor, der - da sind sich alle Verlage einig - schon selbst auch was tun muss...). Maßgeblich bestimmt wird der Markt derzeit von Amazon. Man kann das mögen oder nicht, so ist es halt. Was bedeutet, dass Amazons Entscheidungen massiv Einfluss auf das Autoreneinkommen haben wird. Bei Self-Publishern unmittelbar, bei Verlagsautoren (jedenfalls jenen nicht nur reiner E-Book-Labels) etwas verzögert, aber mit der Unausweichlichkeit einer Kontinentaldrift, wobei Verlage die Ersten sind, die darauf drängen, dass man "nachlegt".

Was bedeutet, dass wir alle regelmäßig in die Glaskugel schauen und uns fragen, was wohl als nächstes kommen wird und wohin die Reise geht. Sehr unbefriedigend, wenn man mit den Einnahmen so langlebige Pflichten wie Hausraten oder Altersversorge bedienen muss. Wäre es nicht so schwierig, hätte die SP-Bibel von Matthias Matting nicht solchen Erfolg.

Ich habe da berufsuntypisch das Gemüt eines Hoppepferdchens. Bis hierher ging's gut und irgendwas findet sich immer. In dunklen Stunden ist mir schon klar, dass ich mit der Einstellung immer wieder neu Glück haben muss, während der Widerlegung dieser These ein einziger Erfolg genügen würde, aber okay... ich verstehe also, warum das Kollegen völlig anders sehen. Und ich verstehe, wenn man dem Druck, der Existenzangst und der vermeintlichen "Gunst" der Stunde nachgibt und zusammenbricht.

Zweifel am WerkEin Bucherfolg wird im Prinzip aus drei Hauptzutaten gebacken, einer guten Idee, einer guten handwerklichen Umsetzung und einer appetitanregenden Verpackung. Wo man auf dem Weg von der Idee zur Produktion überall zweifeln kann, bringt Hope Cavendish kurz und knackig auf den Punkt. In einem sind wir einig: Diese drei Hürden sind zu nehmen und selbst dann braucht man noch Glück, viel Glück. Aber jede Hürde für sich genügt für Zweifel. Es gibt die meines Erachtens richtige These, dass es nur eine sehr begrenzte Zahl von Grobplots gibt, also wie eine Geschichte überhaupt laufen kann. Das ist nicht schlimm und führt bei mir zumindest zu der inneren Freiheit, dass ich mir wegen Plotähnlichkeiten überhaupt nie den Kopf zerbreche. Dornröschen und Siegfrieds Befreiung von Brunhild haben den exakt selben Plot und kaum einem ist es je aufgefallen. Bloß weil andere Wasser und Salz zum Kochen vor mir verwendet haben, werde ich nicht darauf verzichten - denn die Mischung macht's.  Was uns zum Handwerk führt. Ich habe das Glück, dass mich meine Leser meines Stils wegen schätzen und mich daher nicht so sehr auf ein Genre oder gar eine Serie festlegen. Das ist ein Teil des Handwerks, an dem man trefflich (ver)zweifeln kann. Wenn ich mir meine Texte vorlese, bin ich danach sehr mies drauf. Die klingen immer doof und was ich mir beim Tippen wunderbar spritzig vorstellte, ist nachher hölzern, banal und blöd. Dafür hat man dann Betaleser, die das Barometer eines Textes viel besser abbilden als ein Lektor. Sie lesen intuitiv und nicht fachlich. Sie sind der Lackmustest für mein neues Buch. Wenn es ihnen gefällt, dann kann ich auch glauben, dass es taugt.
Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir Feedback erhalten.
Per PN, per Rezension... Kritik ist gut und richtig und auch wenn jeder Autor innerlich weint, wenn sein Baby, sein Buch wegen Nichtgefallen zurückgewiesen wird, so bringt ihn die Kritik weiter. Genauso wichtig ist aber das Lob. Weil der Job hart ist. Weil Kreativität positive Energien braucht. weil aus Freude und Liebe bessere Geschichten entstehen. Also bitte, lobt auch. Es hilft uns, Zweifel zu überwinden.
Melissa David hat das in ihrer Sicht auf die Autorenzweifel sehr schön und treffend beschrieben.

Zweifel am UmfeldDas ist das Schlimmste für mich am Autorenjob und das hat mich persönlich auch völlig kalt erwischt. Ich bin - welch Luxus für einen Anwalt - ein vertrauensvoller Mensch. Ich will mir das nicht nehmen lassen und so ist die Enttäuschung in einen Menschen das eine Thema, aus dem ich nicht für die Zukunft lernen will.
Was im Buchmarkt übel ist. Ich berate in der Energiewirtschaft und im Bankenumfeld und auch wenn da bekanntlich niemand wirklich nett ist, wird nicht so völlig ohne Not, völlig ohne Grund und völlig ohne Gefühl für Maß, Anstand und Mitte aufeinander eingedroschen.
Ob das Leser sind, die zwar auf illegalen Downloadseiten 40 Cent für meine Bücher zahlen und dafür dort (also bei Kriminellen) ihre (Bank-)Daten hinterlegen, weil sie sich so 50 Cent sparen, die dann beim legalen Erwerb ich abzgl. vom Amazonanteil bekäme.
Ob das Blogger sind, die aufeinander eindreschen, wer welche Fragen im Interview zuerst gestellt hat.
Ob das Kollegen sind, die mir Ideen für Bücher oder Marketingkonzepte klauen, oder jene, die sich hinter meinem Rücken in sehr ehrrühriger Weise wider besseren Wissens über meine Arbeit auslassen oder eben jene Entrüsteten, die jetzt meinen, öffentlich in die Facebook-Diskussion um einen gestrauchelten Kollegen eingreifen zu müssen oder einfach anderen Kollegen, die ihnen nie was getan haben, miese Bewertungen reindrücken.
Ob das Verlage sind, die aus allen Wolken fallen, wenn der Autor mit ihnen zusammen mal über Einnahmen rechnen und verhandeln will und das neue Buch wie das neue iPhone finden: "Alles, ist alles, was wir geändert haben wollen."
Ob das Buchhändler sind, die noch nicht einmal zuhören, was man ihnen zu sagen hat, weil sie stolz darauf sind, in Zeiten der bemannten Raumfahrt noch mit Pferdedroschken unterwegs zu sein.

Manchmal sehe ich mir keinen Ausweg mehr. Nur noch Mauern, Fallstricke und Spießruten ... und doch ist in mir das Gefühl, trotzdem weitermachen zu wollen.
Wenn ich mir das alles so durchlese, dann zweifle ich an meinem Verstand. Aber ich habe leider keinen anderen. Anders als mit Leidwollust lässt sich das jedenfalls nicht erklären, was wir hier veranstalten. Aber ich hoffe darauf, dass die Zeiten wieder besser und die Mitmenschen entspannter werden. Es hat mir gut getan, das zu schreiben. Es ist nicht leicht - aber das hat ja nie jemand behauptet. Ich will weiterhin versuchen, mit meinem Wirken die Welt positiv zu färben. Bunt ist meine Lieblingsfarbe, auch wenn da mal eine zornrote, frustschwarze oder verzweiflungsblaue Tönung dazugehört. Bleibt mir gewogen. Das ist mir wichtig.

Und dieser Artikel ist nur deshalb so ausführlich, weil ich so meinen Kreativitätszweifeln am Vampire Master Guide entkommen kann. Ich bitte um Verzeihung.

Hier noch einmal zu meinen Mitzweiflern:

Gloria Manderfeld
Katharina V. Rittermanz
Hope Cavendish
Anja Bagus
Thomas Kníp
Melissa David 
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Published on January 21, 2016 06:43