Agentic AI: Kann ein KI-Agent die Festplatte aufräumen?
Vermutlich bin ich nicht der einzige Mensch, der einen Ordner auf der Festplatte hat, der mal aufgeräumt werden sollte. Meiner heißt zufälligerweise „Aufräumen“, und wenn ich es mal schaffe, ihn nicht nur weiter zu befüllen, sondern tatsächlich aufräumen möchte, dann überfällt mich nach 2-3 Dateien eine bleierne Müdigkeit.
Anthropics Claude bietet mit dem Model Context Protocol die Möglichkeit, ein Large Language Model mit externer Software zu verknüpfen. Somit ist das LLM nicht mehr „nur“ auf eine Textausgabe beschränkt, sondern kann Entscheidungen treffen oder sogar Aktionen ausführen. Claude kommt bereits mit einigen Integrationen, zum Beispiel der Möglichkeit, auf das lokale Dateisystem zuzugreifen (ganz unten auf dem Screenshot).

Mein Prompt:
Kannst Du bitte auf dem Desktop in meinen Ordner „Aufräumen“ schauen und gucken, wie die Dateien dort sinnvoll geordnet werden könnten?
Wahrscheinlich nicht unbedingt mein bester Prompt. Aber zunächst verschaffte sich Claude eine Übersicht über die Dateien in dem Ordner. Bei mehr als 600 Dateien brauchte Claude zwei Anläufe. Dabei untersuchte Claude lediglich die Dateinamen, wobei es auch möglich gewesen wäre, die Dateien zumindest zum Teil zu öffnen. Das hätte allerdings noch länger gedauert. Claude kam dann mit einem Vorschlag, in dem meine Dateien in 12 Kategorien aufgeteilt wurden. Die ergaben viel Sinn, nur eine Anmerkung gab ich Claude noch rein, bevor die KI munter loslegte meine Daten zu sortieren:

Allein für das Sortieren der 600 Dateien waren schon knapp 4 Stunden notwendig, zum Teil mit längeren Pausen, weil mein Nutzungslimit ausgereizt war und ich warten musste, bis ich wieder Claude benutzen durfte. Diese Wartezeit ist nicht in den 4 Stunden enthalten. Aber auch so brauchte Claude immer wieder Pausen, zum Teil war der Server nicht erreichbar, dann war ein Kontextfenster voll und ich durfte den Prompt noch mal in einem neuen Chat eintippen, oder es tauchte ein Button „Weiter“ auf, der gedrückt werden musste. Der Rechner wurde tatsächlich heiß, Claude benötigte eine Menge Strom, und brauchte dennoch viel Zeit für jede Datei. Mitunter sah das dann so aus:

Damit das überhaupt funktioniert und man nicht bei jeder einzelnen Datei die Aktion freigeben muss, benötigt Claude für jede Aktionskategorie eine Freigabe. Das sollte man nur tun, wenn man auch ein Backup von den eigenen Dateien hat.
Hat es funktioniert? Ein klares „zum Teil“. Nicht alle Dokumente waren richtig eingeordnet. Das liegt natürlich auch daran, dass Dateien nur nach ihren Namen kategorisiert waren. Eine gute Vorsortierung ist es aber allemal, und in der Zeit wäre ich wahrscheinlich mehrmals aus Notwehr eingeschlafen. Es hat sich also gelohnt, auch wenn das Ergebnis noch nicht perfekt ist.
Im nächsten Schritt werde ich ein solches System mit einem lokal installierten LLM bauen, das dann auch Dateien öffnet und liest, um sie richtig einzusortieren.
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