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Marschlande Quotes

Quotes tagged as "marschlande" Showing 1-1 of 1
“Aber es war nicht der Tee, von dem sie benommen war. Es waren der Schmerz, das Unrecht, die Wut, die Verzweiflung, die sie zwischen Ruths spärlichen Abrissen dieser Frauenbiografien spürte. Nie hatte sie das alles selbst erlebt und trotzdem war es ihr eigenartig vertraut. Sie fühlte diese Dinge, als würden Nuancen davon in ihr stecken. Diese Frauen waren tot, aber was ihnen widerfahren war, war noch immer in der Welt. In anderem Gewand, zerstoben, verändert, aber es war noch da. Es widerfuhr wieder, es widerfuhr anderen. Sie atmete. Tief ein, halten, langsam aus. „War es das?“, fragte sie sich. War das der Grund, warum sie in dem Leben der anderen Frau herumwühlte? Weil man im Leben einer jeden anderen Frau auch immer etwas über sich selbst herausfand? Und gleichzeitig über alle anderen? Britta blickte zu den dunklen Ordnern im Regal. Wieso wusste sie nichts von all den Frauen? Ihren Leben, ihren Kämpfen? Sie sah sie Böden schrubben, Fenster polieren, Essen kochen, Kinder halten, sie verfluchen, sich nach ihnen sehnen. Sie sah sie träumen, sich für etwas begeistern, sie sah ihre Leidenschaften. Sie sah sie etwas anstoßen, etwas riskieren, etwas unternehmen. Und dann sah sie wie das Feuer verlöschte. Vielfach gelöscht wurde. Sie sah die Frauen ihre Träume aufgeben, sie sah sie weinen, sich durchbeißen, aufrichten, nach sich selbst suchen. Sich wehren, scheitern, enttäuscht werden, getötet. Sie sah sie verstummen und wie alles wieder von vorne began. Weil die jeweils eine nichts von der davor wusste. Nichts von dem, was sie bereits erkämpft hatte, welche Wege sie gegangen war, was schon erreicht war. Und so ging es immer weiter. Es war ein Kreis, es drehte sich.”
Jarka Kubsova