Societal Rifts Quotes

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“Ich spüre nicht mehr diese Leichtigkeit, diese Zuversicht, diese Sicherheit, die ich vor vier Jahren fühlte, als ich ankam, um mein Leben hier zu beginnen.
Das Israel von damals kommt mir vor wie einem Traum entsprungen. Zu schön, um wahr zu sein. Zu sonnig, zu liebevoll, zu willkommen heißend. Zu friedlich. Das Israel, das ich in den vergangenen Monaten erlebt habe, ist ein Land der Extreme. Wütend. Unversöhnlich. Ein Land kurz vor dem Bürgerkrieg. Milchemet Achim lautet der Ausdruck im Hebräischen, übersetzt heißt das «Brüderkrieg». Ich habe ihn zu oft gehört in den vergangenen Monaten. Tatsächlich ist es ein Konflikt zwischen Nachbarn, Familienmitgliedern, Freunden, zwischen Menschen, die plötzlich zu merken scheinen, dass sie entgegengesetzte Vorstellungen davon haben, wie ihre gemeinsame Heimat aussehen soll. Und die keine Toleranz für jene haben, die das anders sehen. Radikale Politiker – und es gibt auf einmal so, so viele von ihnen – schlagen mit spaltenden Worten auf das Fundament ein, auf den Gesellschaftsvertrag dieses Landes. Sie gedeihen am Hass, am Misstrauen, an der Unvereinbarkeit. Mit vergiftenden Ideen und manipulativen Worten greifen sie das Mosaik der Gesellschaft an, das sowieso schon brüchig geworden ist. Die aufgeheizte Stimmung in diesem Jahr hat mich misstrauisch gemacht, oft Schlimmes befürchtend. Das geht über die normale Muttersorge hinaus. Ich kann das Gefühl nicht mehr abschütteln, dass Israel sich auf einen Abgrund zubewegt, und ich frage mich nicht mehr ob, sondern: Wann gehe ich, bevor ich mitgerissen werde? Doch ich treffe Entscheidungen nicht mehr für mich allein.”
Sarah Levy, Kein anderes Land: Aufzeichnungen aus Israel

“Die israelische Gesellschaft ist schon lange ein schillerndes Mosaik zwischen zwei Polen –Demokratie und Religion. Wie könnte es auch anders sein mit einem Volk voller Widersprüche: Säkulare, Traditionsbewusste, Religiöse, Modern-Orthodoxe, Ultraorthodoxe, Siedler. Und alles dazwischen. Mit den Palästinensern Israels. Mit Juden, Muslimen, Christen, Drusen, Baha’i … Viele dieser Gruppen haben ihren eigenen Lebensstil, spezielle Überzeugungen und kollidierende Vorstellungen von den wichtigsten Bereichen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Von Ehe und Scheidung, Wehrpflicht, Geschlechtertrennung, Bildung, Toleranz für Minderheiten, Einstellung zu den Palästinensern und zur Zwei-Staaten-Lösung. Und so viel mehr. Dieses Mosaik aus Widersprüchen hält nur mit Kompromissen. Und einer Führung, die das Volk der Israelis mehr oder weniger zusammenbringt. Ansonsten kommt es zu gefährlichen Rissen. Wenn ich heute auf Israel blicke, sehe ich vor allem ein Land, das sich von innen zerreißt. Menschen, die mit ihren Wurzeln um sich schlagen, als seien sie Waffen.”
Sarah Levy, Kein anderes Land: Aufzeichnungen aus Israel