Stiller

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Heinrich Heine
“„Da sind nur eine Sonne, Baume, Blumen, Wasser und Liebe. Freilich, fehlt Letztere im Herzen des Beschauers, mag das Ganze wohl einen schlechten Anblick gewähren, und die Sonne hat dann bloß soundso viel Meilen im Durchmesser, und die Bäume sind gut zum Einheizen, und die Blumen werden nach den Staubfäden klassifiziert, und das Wasser ist nass.”
Heinrich Heine, Die Harzreise

“„Wenn man einen Dieb darstellt, eine gefallene Frau oder einen aufgeblasenen Dummkopf, darf man doch den Menschen nicht vergessen. Wo ist sie denn die Menschlichkeit? Sie wollen alleine mit dem Kopf schreiben. (..) Glaubt ihr denn man braucht zum Denken kein Herz? Durch die Liebe trägt es ja erst Früchte. Reicht ihm die Hand, dem fallenden Menschen, um ihn aufzurichten oder weint bitterlich, wenn er zu Grunde geht. Aber verhöhnt ihn nicht! Liebt ihn, seht euch selber in ihm und geht mit ihm um wie euresgleichen. Dann werde ich euch lesen und das Haupt vor euch neigen. (..) Diebe und gefallene Frauen stellt ihr da, aber den Menschen vergesst ihr. Oder ihr seid unfähig ihn darzustellen. Von welcher Kunst ist denn hier die Rede? Welche poetischen Fragen habt ihr denn gefunden? Entlarvt das Laster und den Schmutz, aber bitte ohne den Anspruch poetisch zu sein. (..) Sie vergessen, dass diesem unwürdigen Gefäss ein höherer Ursprung inne wohnt. Das es zwar ein verdorbener Mensch ist, aber immerhin immer noch ein Mensch ist.”
Ivan Gontcharoff, Oblomov

Max Frisch
“Du sollst dir kein Bildnis machen.
Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Mögliche voll, aller Geheimnisse voll, unfaßbar ist der Mensch, den man liebt -
Nur die Liebe erträgt ihn so.
Warum reisen wir?
Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie und kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei - es ist ohnehin schon wenig genug.

Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind - nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch, fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
„Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: „wofür ich dich gehalten haben.“
Und wofür hat man sich denn gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.
(…)
Man wird das Gegenteil, aber man wird es durch den anderen.
(…)
In gewissen Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der anderen; (…)
Wir halten uns für den Spiegel und ahnen nur selten, wie sehr der andere seinerseits eben der Spiegel unseres erstarrten Menschenbildes ist, unser Erzeugnis, unser Opfer -.“ -Tagebücher von 1946-1949”
Max Frisch

Max Frisch
“Wieder einmal das bekannte Gefühl: fliegen zu müssen, auf der Brüstung eines Fensters zu stehen (in einem brennenden Haus?) und keinerlei Rettung zu haben, wenn nicht durch plötzlich Fliegen-Können. Dabei die Gewissheit: Es hilft gar nichts, sich auf die Straße zu stürzen, Selbstmord ist Illusion. Das bedeutet: fliegen zu müssen im Vertrauen, dass eben die Leere mich trage, also Sprung ohne Flügel, einfach Sprung in die Nichtigkeit, in ein nie gelebtes Leben, in die Schuld durch Versäumnis, in die Leere als das Einzigwirkliche, was zu mir gehört, was mich tragen kann..." - Stiller”
Max Frisch, I'm Not Stiller

Peter Handke
“„Vielleicht ist ein Schriftsteller in vielem weltfremd. Aber die menschliche Seele, für die ist seine manchmal kindliche Empfindlichkeit das große Auge“ -Handke (Briefwechsel mit Unseld)”
Peter Handke

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Varcy
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