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Rudi
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»Ja. Alle Leute sind nett mit mir.« – »Nein«, sagte Rateau. »Nimm dich in acht. Nicht alle sind dir wohlgesinnt.« – »Wer?« – »Deine Malerfreunde zum Beispiel.« – »Ich weiß«, sagte Jonas. »Aber viele Künstler sind nun einmal so. Sie sind der Wirklichkeit ihrer eigenen Existenz nicht sicher, selbst die größten. [...]«
— May 12, 2025 10:48PM
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Ich denke, dass Romanciers durch Künstler in ihren Romanen die Möglichkeit haben, übers Kunstschaffen zu schreiben, also indirekt über das Schreiben selbst. Nebenbei können sie ihr eigenes Leben bzw ihre eigenen Ansichten zu ihrer Kunst auf eine andere übertragen. Das scheint mir zumindest ein Grund zu sein, warum Künstler als Figuren attraktiv sein können. Auch gut möglich, dass diese Autoren einfach viele Künstler kennen.
Kalkwiese wrote: "Ich denke, dass Romanciers durch Künstler in ihren Romanen die Möglichkeit haben, übers Kunstschaffen zu schreiben, also indirekt über das Schreiben selbst. Nebenbei können sie ihr eigenes Leben bz..."Ok, das mag ein pragmatischer Punkt sein, sich selbst als Kunstschaffenden darüber zu bespiegeln.
Das beantwortet aber nicht warum man diesen Figuren eine Art Aura zugesteht, die andere scheinbar nicht für sich beanspruchen dürfen.
Meine Kritik ist, dass die Figur des Künstlers symbolisch an die Tiefe gebunden wird. Warum?
Dh. es steht überhaupt nicht zur Debatte ob das Verfahren das ich anwende dabei eine Rolle spielt.
Ist der Künstler (Schriftsteller) der einzige der fühlt, nachdenkt, zweifelt, sieht? So gebärden sich jedenfalls viele dieser Texte.
Wen soll das erreichen?
Für mich stellt sich das als kulturelles Selbstverständnis dar. Mal von ein paar Ausnahmen abgesehen. „Tod des Vergil“ zb. Da sehe ich die Dringlichkeit. Da steht plausibel in der Textgestaltung was auf dem Spiel. Bei Camus reicht es lediglich für Abreißblättchen. Das ist reinstes narzisstisches Showlaufen.
Und da fehlen mir leider die Bezüge, um da zustimmen oder verneinen zu können, aber ich denke, dass viele auch Hesses Steppenwolf durchaus so empfinden - den Demian habe ich jedenfalls mit dieser Tendenz in Erinnerung. Da rollen sich mir auch die Zehnägel hoch.
Kalkwiese wrote: "Und da fehlen mir leider die Bezüge, um da zustimmen oder verneinen zu können, aber ich denke, dass viele auch Hesses Steppenwolf durchaus so empfinden - den Demian habe ich jedenfalls mit dieser T..."Ich habe das Thema auch noch nie weiter durchdacht. Ich blubber einfach vor mich hin. Bei Camus platzt mir jedesmal der Hintern, nachdem ich „der Fall“ gelesen habe.
Aber Hesse? Der macht doch genau das Gegenteil. Seine Struktur der Texte öffnet doch ins Allgemeine. Er windet sich raus aus dieser Besonderen Attitüde. Er entgrenzt doch sprachlich diesen symbolischen Raum, in dem Camus gefangen das Ich selbstgefällig als Sinnstifter inszeniert. Und wenn es das nicht kann, gibt’s halt keinen Sinn.
Das ist bei Hesse viel freier und suchender. Der Steppenwolf gibt am Ende zu, es gibt Sinn da draußen. Und Harry gesteht sich ein, ich kann aber noch nicht loslassen. Da scheitert das Subjekt aber hin in eine Öffnung zum nächsten Versuch aus den selbst gewählten Zwängen hinaus in die Welt zu gehen. Hesse lebt im Weltbezug.
Hierin sehe ich einen fundamentalen Unterschied.
Beim Steppenwolf finde ich auch nicht, dass Hesse seinen Harry als selbstgefällig inszeniert. :) Das scheinz mir wir gesagt, der Eindruck mancher Leser zu sein, aber ich stimme dem nicht zu. Das überhöhte Goethe-Bild muss überwunden werden und wird es auch. Das macht mir das Buch sympathisch.Beim Demian, wie gesagt, ist ein anderer Eindruck hängen geblieben, eher dieser Eindruck, Teil einer eingeweihten Gesellschaft zu sein, während die anderen da draußen ... So Esoterikshit, aber das ist Jahre her, ich könnte mich irren. Und Camus ... keinen Schimmer.
Hesse gehe ich irgendwann nochmal an, mein Respekt vor ihm ist durch Alex' Bemühungen gestiegen :)
Anna Carina wrote: "Was hat es denn ständig mit diesen Künstlerromanen auf sich? Mir ist diese Besessenheit (nicht deine) als Motiv völlig schleierhaft.Gerade bei so einem Zitat hab ich wieder den fiesen Beigeschmack..."
Da war vielleicht das Zitat schlecht gewählt. Tatsächlich hat dieser Künstlerroman nichts von einer häufig anzutreffenden selbstgefälligen Pose.
Mir ist diese Erzählung als Ausgabe in der Insel Bücherei eher zufällig im Antiquariat untergekommen. Als ich es jetzt zur Hand nahm, wusste ich noch nicht, dass es sich, nach Strindberg und Hesse nun um den dritten Text mit dieser Thematik handelt. Und das auf eine ganz eigene Art.
Vielleicht wäre "Jonas" eine gute Gelegenheit, Dein Camus-Bild zu verbessern 😊
Rudi wrote: "Anna Carina wrote: "Was hat es denn ständig mit diesen Künstlerromanen auf sich? Mir ist diese Besessenheit (nicht deine) als Motiv völlig schleierhaft.Gerade bei so einem Zitat hab ich wieder den..."
Was macht der Text denn dann, wenn er dem zuwider läuft, was ich behaupte?
Ich renne ungern in ein Messer, ohne ausreichenden Grund.
Ich finde (werdende) Künstler als Figuren eigentlich gar nicht deshalb interessant, weil sie an die Tiefe gebunden sind, sondern weil aus ihnen das einmalige und widersinnige Verhältnis besteht aus (oft) Außenseiterdasein und dem Wunsch nach größtmöglicher Anteilnahme am Leben. Dass da oft großkopferte, verlaberte Bücher entstanden sind, ist auch klar, wobei ich das genießen kann. Ich lese also weniger den Intellekt als Zentralthema, eher die Suche nach (immaterieller) Gemeinschaft.
Max wrote: "Ich finde (werdende) Künstler als Figuren eigentlich gar nicht deshalb interessant, weil sie an die Tiefe gebunden sind, sondern weil aus ihnen das einmalige und widersinnige Verhältnis besteht aus..."Wir sprechen vom selben. Tiefe verstehe ich nicht als Intellekt, sondern meine exakt diese ontologische exklusive Vereinnahmung.
Deshalb schrieb ich auch von fühlen etc.
Dann sag mir warum sich der Künstler besonders eignet? Ist es nicht eine symbolische Aufladung einer Figur, die dadurch romantisiert wird?
Mir erscheint das schlicht als Übercodierung, das als Restbestand gegen Funktionalisierung und die Moderne aus der Kiste gekramt wird.
Also wenn der Text in Bewegung gerät und das Leid des Künstlers nicht nur als imaginäres Karussellpferd 🎠 genutzt wird, und auch ich als Proleten-Anna Carina damit arbeiten kann, soll’s mir recht sein.
Die meisten Texte die ich dazu kenne, bleiben in ihrem geschlossenen Raum und beanspruchen ihre Exklusivität.
Dann nenn mir einen Text den ich lesen soll, um meine Vorbehalte zu zerstreuen.
Mir fällt auch gerade ein, dass es wahrscheinlich bei der ganzen Thematik ehr um die Kunst als Mittler gehen sollte, statt um die Figur des Künstlers. Wahrscheinlich ist das mein Problem. Das Literatur meist vom inneren des Künstlers auf seine Kunst schließt um das immaterielle zu verhandeln.
Und was ist das überhaupt für eine Fragestellung? Das Gemeinsame ist doch nur durch Vermittlung möglich. Was will ich da mit einem exklusiven Subjekt was sich dadurch fühlt? Das ist absurd.
Aber genau da sind die Existentialisten Spezis drin. Alles für das Subjekt, alles für den Club.
Gilbert Jonas, der Kunstmaler in Camusʼ gleichnachnamiger Erzählung, fühlt sich zu keinem Zeitpunkt als Auserwählter. Er wird auch erst auf Umwegen fast wie durch Zufall zum Künstler. Er ist geradezu überrascht, als er Anerkennung beim Publikum findet, ohne dass sich diese jedoch in barer Münze für ihn auszahlt, da er von seinem Galeristen ausgebeutet wird.Einzig die Liebe seiner Frau zu ihm und seine Liebe zu ihr und später auch zu seinen Kindern ist für ihn von Bedeutung. Doch muss er die Unvereinbarkeit von Arbeit und Familie erfahren. Die Arbeit und die daraus entstehenden sozialen Kontakte entfremden ihn von seiner Familie. Am Ende ist er nicht mehr in der Lage zu malen und auch nicht, sich um seine Familie zu kümmern.
Ich konnte an keiner Stelle so etwas wie eine Pose oder ein „alles für den Club“ erkennen, nicht einmal ein „alles für das Subjekt“.
In gewisser Weise war es in letzter Zeit sogar das vierte Werk mit diesem Thema, wenn ich Jon Fosses „Heptalogie“ hinzuzähle.
Rudi wrote: "Gilbert Jonas, der Kunstmaler in Camusʼ gleichnachnamiger Erzählung, fühlt sich zu keinem Zeitpunkt als Auserwählter. Er wird auch erst auf Umwegen fast wie durch Zufall zum Künstler. Er ist gerade..."Ich fürchte du hast mich missverstanden.
Meine Aussagen sind alle ehr strukturell. Du antwortest mir biografisch, inhaltlich, empathisch in der Reaktion auf das Buch.
Subjektzentriert beziehe ich darauf, dass das Subjekt die letzte Instanz ist.
Und alles an dem was du schilderst ist auf das Subjekt zentriert.
Meine Frage ist, gibt es eine Vermittlung? Nicht ob das Subjekt glorifiziert wird oder nicht. Ich meine das ehr als symbolisch aufgeladene Bedeutung, dass der Künstler sich an ontologischen Themen abarbeiten darf und scheinbar hier ein besonderes Vorrecht gegenüber anderen Menschen genießt.
Du hast in diesem Buch ein ohnmächtiges Subjekt. Exakt das beschrieb ich ja im Zuge der Existentialisten. Wo ist da die Vermittlung? Meine Frage zielt hierhin: bleibt der Text in einer Innenkreislogik stecken, in der das Subjekt alles bedeutet, auch wenn es ohnmächtig ist?
Vielleicht lese ich es wirklich irgendwann mal.
Aber stimmt, Fosse hatte ich unterschlagen. Der macht das gut.
Anna Carina wrote: "... Ich meine das ehr als symbolisch aufgeladene Bedeutung, dass der Künstler sich an ontologischen Themen abarbeiten darf und scheinbar hier ein besonderes Vorrecht gegenüber anderen Menschen genießt. ..."So etwas lese ich nicht aus der Erzählung heraus.
Da es nur 44 Seiten sind, solltest Du es vielleicht wirklich lesen. Dann erfahre ich auch, ob ich Dich richtig verstanden habe 😁
Carina, könntest du deine Frage an mich bitte nochmal in einfacher Sprache verfassen? Sorry, ich verstehe zu wenig, um antworten zu können, falls das gewünscht ist.Bist du auf der Suche nach Künstlerromanen, die dem Pathos der leidenden und "im Wahren" grabenden Künstlerseele widersprechen, indem der Autor das "ontologische Vorrecht" bricht?
Das rote Zimmer von Strindberg wäre hier ein Beispiel oder natürlich der Mephisto von Mann.
Max wrote: "Carina, könntest du deine Frage an mich bitte nochmal in einfacher Sprache verfassen? Sorry, ich verstehe zu wenig, um antworten zu können, falls das gewünscht ist.Bist du auf der Suche nach Künst..."
Meine Ausgangsposition war eine ganz andere. Ich suche ja überhaupt keine Künstlerromane.
Ich will nicht, dass das Motiv „richtig“ gemacht wird. Ich frage, warum dieses Motiv diese symbolische Sonderbehandlung überhaupt bekommt – und warum das Subjekt darin die einzige Figur sein darf, die Tiefe ausstellen darf.
Die Dynamik des Gesprächs hat sich nur etwas weiter gedreht.
Ich hab keine Ahnung wie ich ein simples Bild eines imaginären Karussellpferds noch einfacher unterbrechen soll.
Ich habe schon so unkompliziert wie möglich formuliert.
Tut mir leid. Mich frustriert es sehr nicht verstanden zu werden.


Gerade bei so einem Zitat hab ich wieder den fiesen Beigeschmack von simulierter Tiefe.
„Oh ein Künstlerroman, dann kann es ja nur um tiefsinnige, existentielle Themen gehen. Sind ja alle so nachdenklich!“
Ja sorry, ich finde Camus zudem äußerst bescheuert.