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Erst kürzlich habe ich eine Rotation in der Psychiatrie absolviert, um zu eruieren, ob es die passende Facharztweiterbildung für mich sein könnte - turns out: das ist es nicht für mich und in den folgenden Zeilen des Autoren Leon Engler habe ich mich teilweise wiedergefunden.

„Nach den ersten Monaten fühle ich mich wie erschlagen. Ich habe so viel gesehen und gehört, dass ich mich am Ende jedes Tages fühle, >>>
Aug 23, 2025 12:46PM
Botanik des Wahnsinns

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Literatursprechstunde ’s Previous Updates

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Mein Nachbar hinterließ mir eine letzte Notiz: „Erst lies alles, dann vergiss alles.“ Erst jetzt fällt mir auf, dass seine Ratlosigkeit vielleicht das Klügste an ihm war. Seine Lieblingsworte: ‚vielleicht‘ und ‚eventuell‘.

Der Nachbar hatte keine Kinder. Was bleibt von ihm? Seine Bibliothek vermacht er mir. Ich miete einen Lagerraum in der Wiener Lazarettgasse und richte darin eine Bibliothek ein. Dann pflanze >>>
Aug 22, 2025 12:15PM
Botanik des Wahnsinns


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„Lies lieber Romane“, sagte er, auch weil er mich immer wieder mit Freud erwischt. „Die Schriftsteller können das besser. Freud hat alles nur geklaut.“
[…]
Er drückt mir Dostojweski, Bachmann und Hustvedt in die Hand. Das ist eine Falle. Schriftsteller sind eine Hochrisikogruppe. Ich will nichts mit ihnen zu tun haben. Öfter als alle anderen leiden sie unter psychischen Krankheiten und Alkoholismus >>>
Aug 21, 2025 02:32PM
Botanik des Wahnsinns


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Literatursprechstunde >>> als hätte ich neun Stunden Holz gehackt. Bald ist mir nichts Menschliches oder Unmenschliches mehr fremd. Ich werde kleiner, die Patienten immer größer. Ihre Geschichten nehmen so viel Raum ein, ihre Leben dehnen sich aus, in die dritte und vierte Generation hinaus, mein Leben fällt zusammen, wird immer kleiner. Es gefällt mir, mich so zu vernachlässigen. Wenngleich es seltsam ist: alles von einem Menschen zu wissen, der nichts von mir weiß. Ich habe keine Geschichte für sie, bin ein Phantom, ein Niemand. Ein Niemand, der vom Stuhl fällt. Manchmal sitze ich Patienten gegenüber, die mich an meine Großeltern erinnern. Dann fällt es mir schwer, mich nicht in der Zeit zu irren und vom Stuhl zu rutschen.
Abends bin ich so müde, dass ich wie erschlagen in meiner Wohnung liege, bis ich einschlafe. Manchmal weine ich grundlos.
Morgens würde ich am liebsten liegen bleiben, nur ein paar Stunden, Tage, Wochen länger.“


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