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Anna Carina
Anna Carina is finished
Ok, das wird mir noch Kopfzerbrechen bereiten.
Ich habe die Figur Kurtz nicht wirklich verstanden. Mir fehlt etwas, um den ganzen Schluss zu raffen.
Ich bin gerade so weit zu sagen, dass die kontrollierten Kanibalen auf dem Schiff eine Nietzsche Analogie aufweisen.
Grenzen, Entgrenzung, Form, Formverlust, eine Idee die absolut wird?
2 hours, 17 min ago
Herz der Finsternis

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Anna Carina
Anna Carina is 2% done
„ Wir wollten unseren Gedanken nachhängen und fühlten uns zu nichts anderem in der Lage, als friedlich vor uns hinzustarren.“

Hihi, kenn ich…

Hatte das Buch bereits 2x begonnen und wieder weggelegt, weil ich nicht zurecht kam.
Heute explodiert die Sprache in voller Pracht vor mir.
Conrad ist einer,der ist Wert ist immer aufs Neue befragt zu werden, bis es den Moment gibt, da er sich öffnet 😃
Feb 14, 2026 12:32PM
Herz der Finsternis


Comments Showing 1-11 of 11 (11 new)

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Alexander Carmele Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich nicht reduzieren. Conrad ist einfach toll und verstörend und auch wieder öffnend.


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Anna Carina Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich nicht reduzieren. Conrad ist einfach toll und verstörend..."

Kannst du dich an die Szene erinnern in der Kurtz vom Schiff ausbüchst und zur Magierin krabbelt? Er hat ja scheinbar einen Bezug zu denen aufgebaut, da die sogar das Schiff auf seinen Wunsch angreifen. Er ist ja selber so eine Art Gott durch seine Intensität und sein Charisma. Kann es sein, dass die Magierin ihn spiegelt, im Sinne einer Absorption? Ich frage mich die ganze Zeit was sein Grauen ist? Es ist nicht der Dschungel oder das Unbekannte. Was passiert mit jemandem der alles erkennt, begreift und es keine Vermittlung gibt? Er hat ja gar keinen Gegenpart, keine Gegenmacht. Er und Magierin sind verschmolzen. Dh er scheint ja die Ordnung der Eingeborenen in seine Ideen zu integrieren. Er ist nicht völlig entgrenzt. Aber er lebt in einer Totalität die sofort leer läuft, wenn er ihr entrissen wird. Ist das sein Grauen?


Alexander Carmele Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich nicht reduzieren. Conrad ist einfach t..."

Du hast mit dem Verweis auf Lévi-Strauss im Grunde meine Lesart direkt angesprochen. Meines Erachtens ist das Grauen der Verlust des Glaubens an die eigene Zivilisation, aber nicht wegen des Kolonisierungsversuchen (eben gerade nicht, das lesen viele da rein, steht da aber nicht). Viel tiefer. Er sieht, dass die Lebensart, seine Lebensart, seine Denkart dort nichts verloren hat - sie wirkt als Fremdkörper und das treibt den Todestrieb in ihn an. Er, der ein Denken durchsetzen soll, das (für ihn) eigentlich einzige Denken, erfährt, dass es nur ein Denken unter vielen ist. Die Sprachlosigkeit entsteht hieraus, und hieraus auch der Brief an die Frau, ich erinnere mich nicht hundertprozentig. Aber mit dem verlorenen Brief im Sinne Lacan kommst du weiter. Kurtz verliert sich, seine Symbolisches. Er verliert alles. Es ist so ein krasses Buch.


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Anna Carina Ja aber ich habe den Eindruck, solange er im Verlust lebt, funktioniert das für ihn. Das Grauen spricht er ja erst aus als er auf dem weg in die Zivilisation ist, wo er wieder eingeschrieben wird. Und dadurch die Leere aufreißt.


Alexander Carmele Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich nicht reduzieren. Conrad ist einfach t..."

Ach so, lies dir mal den Wiki-Artikel über "die Bürde des weißen Mannes" durch, hier wird von Kipling eine ähnliche Dynamik aufgemacht - eigentlich ist es das Thema der Globalisierung.


Alexander Carmele Anna Carina wrote: "Ja aber ich habe den Eindruck, solange er im Verlust lebt, funktioniert das für ihn. Das Grauen spricht er ja erst aus als er auf dem weg in die Zivilisation ist, wo er wieder eingeschrieben wird. ..."

Ich habe es so gelesen, dass er sich einfach ergibt - er lässt alles zu, ihm ist alles egal. Das Ding ist zusammengebrochen. Er will weder nach Hause noch bleiben.


message 7: by Anna Carina (new) - added it

Anna Carina Das Grauen ist ja kein Befund über eine kulturelle lebensart, wie du es ausdrückst. Es ist für mich ein existentielles Urteil.
nee, ich kann deine Lesart tatsächlich nicht ganz vereinbaren mit dem was ich da gelesen habe. Er geht dafür in seiner Totalität im Dschungel zu sehr auf. Er sieht sich dort nicht als Fremdkörper im Denken.


message 8: by Anna Carina (new) - added it

Anna Carina Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Ja aber ich habe den Eindruck, solange er im Verlust lebt, funktioniert das für ihn. Das Grauen spricht er ja erst aus als er auf dem weg in die Zivilisation ist, wo er wieder e..."

nee, er lässt nicht alles zu. Er wollte da nicht weg. Deshalb lässt er doch das schiff angreifen.


message 9: by Anna Carina (new) - added it

Anna Carina Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich nicht reduzieren. ..."

Ok, ich nehme deinen Ansatz und sage ja: Was, wenn Kurtz erkennt, dass die zivilisatorische Idee leer ist und sie in dieser Welt, die er vorfindet nichts verloren hat (wie du sagst) und sie deshalb mit seiner Person verschmilzt? Daher die Betonung seiner charismatischen Persönlichkeit, seiner Stimme. Die Idee wird nur noch durch ihn selbst getragen. Er transformiert sie zu einem absoluten Subjekt, das aber eben keine Vermittlung kennt. Das passt ja zu dem was du sagst. Nur verschiebe ich das existentiell ontologisch und sage, er erkennt seine Totalität und weiß, dass sie Nichts bedeutet, sobald er aus ihr herausgerissen wird. Er das charasmatische Subjekt hat keinen Grund, sobald er seinen Mythos verliert. Wir können nur durch Vermittlung existieren, etwas das uns begrenzt und formt und der Mensch ins nackte Grauen blickt, wenn er seiner Unmittelbarkeit gegenübersteht und erkennt, dass er die Grenze selbst gerissen hat und ohne dieser in gähnender Leere aufwacht.
Zu erkennen ohne Grenze kann ich nicht sein aber in die zivilisation will auch nicht zurück, die mich begrenzt.


message 10: by Alexander (new) - rated it 5 stars

Alexander Carmele Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Figur Kurtz lässt sich ..."

ja, du beschreibst die begriffliche Tiefendimension - die Persönlichkeit von Kurtz, ich habe die kulturell-zivilisatorische betont, beide gehen ineinander über. Der Mythos ist die Gründungsgeste der Symbolik. Sehr schwierig, was Conrad am Unbewussten aufzeigt.


message 11: by Anna Carina (new) - added it

Anna Carina Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Das Buch ist wahnsinnig schwer -- waaahnsinnnig!! Ich habe mir schon so oft den Kopf zerbrochen. Es gehört dazu - die Fig..."

Das ist gut was du jetzt sagst " die Gründungsgeste der Symbolik". Denn das ist was Conrad auch in Lord Jim beschäftigt. Er hat ja Herz der Finsternis geschrieben, während er an Lord Jim dran saß. Und hab das Gefühl, er musste sich frei schreiben. Jim fällt ja aus seinem ideal, seinem Mythos heraus und sucht seine Symbolik in die er sich wieder einschreiben kann. Deshalb lese ich auch Herz der Finsternis viel mehr als existentielle Subjekt Problematik als, als kulturelles Phänomen. Und irgendwie hat ja die Obsession Marlows in beiden Büchern etwas damit zu tun. Für ihn sind beide, Jim und Kurtz charismatisch anziehend. Das ist das Unbewusste, das ich auch nicht ganz packen kann in den Büchern. Ich hab schon den Eindruck, dass es ihm um eine absolut Stellung des Subjektes in beiden Büchern geht.


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