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Alexander Carmele
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... seltsame Chor-Ich-Episodenrombo ... eine Frau schwimmt gegen den Strom, etwas zu allegorisch, zu gewollt für meinen Geschmack, sprachlich trist. Zwar rhythmisch, performativ, aber ungelenk und auch alogisch in vielerlei Hinsicht. Die Figur hat zu große Distanz zu sich.
— Dec 09, 2025 11:00AM
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Anna Carina
(last edited Dec 09, 2025 11:17AM)
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Dec 09, 2025 11:15AM
Kommt es dir auch so vor als hätte die bewusst den Gegenentwurf von „über die See“ gewagt?
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Anna Carina wrote: "Kommt es dir auch so vor als hätte die bewusst den Gegenentwurf von „über die See“ gewagt?"hmmm ... ich würde sagen, in gewisser Weise ja, denn sie hat den Rahmen aufgegeben (das Schiff, das sich gegen den Ozean abgrenzt), und dafür die Stadt, die von Flüssen umgeben ist. Das klappt nicht. Ihr fehlt die lokale Begrenzung, oder anders gesagt: der Code geht nicht auf, sie kann die Geschichte nicht operativ schließen :D ... nee war nicht gut. Hast recht gehabt.
Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Kommt es dir auch so vor als hätte die bewusst den Gegenentwurf von „über die See“ gewagt?"hmmm ... ich würde sagen, in gewisser Weise ja, denn sie hat den Rahmen aufgegeben (..."
Du liest das Buch wieder mal mit anderer Perspektive.
Mir ging es ehr darum dass über die See, durch das Nichtwissen, ein symbolisch offenes Buch ist, die signifikanten in Dauerbewegung sind und keine Bestimmung bekommen, wohingegen dies hier, sich symbolisch direkt absichert und rein gar nichts in der Schwebe lässt.
Daher haben für mich die Begriffe offen und geschlossen eine völlig andere Bedeutung und werden von mir entgegengesetzt zu deinem systemtheoretischen Zugang verwendet.
Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Kommt es dir auch so vor als hätte die bewusst den Gegenentwurf von „über die See“ gewagt?"hmmm ... ich würde sagen, in gewisser Weise ja, denn sie hat den Ra..."
okay, ich wollte dasselbe nur unter verkehrten Vorzeichen sagen. Das Offene kann sich nur darstellen durch ein Gegenteil, deshalb wirkt das erste offen (da es im Geschlossenen sich abspielt und dieses durchschreitet) und das zweite geschlossenen (da es im Offenen operiert). Aber vielleicht muss ich noch genauer verstehen, wann bei dir Signifikanten symbolisch abgesichert sind - das sind sie für mich eigentlich nie 😬
Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Alexander wrote: "Anna Carina wrote: "Kommt es dir auch so vor als hätte die bewusst den Gegenentwurf von „über die See“ gewagt?"hmmm ... ich würde sagen, in gewisser Weise ja,..."
Im Idealfall gleiten Signifikanten, aber sie können auch angehalten werden. Wo das zB passiert ist bei Fosse und Asles Freund das Wort Andreaskreuz ausspricht. Dies wirkt aber produktiv, weil bei Asle dann der Widerstand los geht. Ich finde dass ich in meiner "Rezension" zu navarros text ziemlich gut erkläre was ich damit meine dass das symbolische geschlossen wird und signifikanten anhalten, um etwas abzusichern und damit die kommunikation den Bach runter geht.
Um das zu präzisieren müsste ich dir nochmal meine Notizen vom "gestohlenen Brief" von Poe zusammenfassen, den Lacan in einem Seminar analysiert. Da geht es nämlich genau darum, dass die Figuren unter den Schatten des Signifikanten geraten, da er durch die metaphorik der Situation eine besondere Bedeutung bekommt, die das Subjekt determiniert und nach dem sie dann (unbewusst)handeln.
Soziale Codes sind zB so ein Zwang. Davon werden in Navarros Text massig verwendet, und genau immer dort, wo eine Situation uneindeutig oder ambivalent anmuten könnte, um den Gedanken, das Gesagte zu versiegeln. Und der Chor weiß schon alles, bevor er spricht. Dh. er hat seine Deutung schon parat, ohne dass der Text es entfalten darf.
Mir fällt grad auf, dass das wieder zu deinem Differenzverlust passt. Das gleiten der Signifikanten ermöglicht die Differenz. Das Anhalten und Bestimmen ist ein Gewaltakt, der die Differenz auflöst, in dessen Auflösung das Subjekt sich verliert. Und das sagst du ja damit dass der Text es nicht schafft sich operativ zu schließen.

