Anna Carina’s Reviews > Der grüne Heinrich. Erste Fassung > Status Update
Anna Carina
is 10% done
Anschlusslektüre an"Peter Camenzind".Literaturhistorisch interessant. Ehr ein Arbeitsbuch. Er entlarvt Denkfiguren. Arbeitet mit kühler Konsequenz,was ich sehr schätze. Er lässt problematische Gedanken weitestgehend offen,hegt sie nicht ein.Lässt durch Heinrichs Reflexionen die Differenz klaffen.Überhöhungen werden ironisch,pathetisch gesetzt,um romantisch,idealistisches Denken zu karikieren...
— Jan 09, 2026 01:31AM
18 likes · Like flag
Comments Showing 1-7 of 7 (7 new)
date
newest »
newest »
Respekt, falls du tatsächlich danach noch die zweite Fassung liest. Schon das Durchhalten der ersten Fassung ist eine Leistung.Ich habe die erste gelesen und soweit ich recherchieren konnte unterscheidet die zweite Fassung sich besonders bezüglich des Endes.
Die zweite Fassung ist durchweg in der ersten Person geschrieben, stilistisch weniger verwinkelt. Auch um allerlei Ballast der Münchner Jahre erleichtert. Für jemand wie mich, der mit Karl May groß geworden war, erwies sich die zweite Fassung als idealer Einstieg. Hatte die erste dann als Grundlage für ein Literaturseminar. Im Moment würde ich meine gewachsene Lese-Erfahrung eher an der ersten Fassung erproben. Die hat mich immerhin nach Paraguay begleitet, der schmucke Schuber mit der geschmeidigeren zweiten Fassung ist in Deutschland geblieben.
Jörg wrote: "Respekt, falls du tatsächlich danach noch die zweite Fassung liest. Schon das Durchhalten der ersten Fassung ist eine Leistung.Ich habe die erste gelesen und soweit ich recherchieren konnte unter..."
Hihi, vielleicht bin ich wie so oft ein bisschen überambitioniert. Aber ich versuche es, beide Varianten dieses Jahr zu lesen.
Armin wrote: "Die zweite Fassung ist durchweg in der ersten Person geschrieben, stilistisch weniger verwinkelt. Auch um allerlei Ballast der Münchner Jahre erleichtert. Für jemand wie mich, der mit Karl May groß..."Ich hatte auch gelesen, dass sich die zweite Fassung deutlich "geschmeidiger" lesen soll. Mich interessiert an der ersten Fassung gerade das kantige und unversöhnliche.
5 Sterne von dir sind ja äußerst vielversprechend. Ich tapse erst in diese Literaturhistorische Schiene rein. Von Goethe hatte hatte ich in Sachen Bildungsroman bisher nur die Wanderjahre angelesen. Scheint aber Sinn zu machen Wilhelm Meister danach zu lesen oder? Ich hab den Eindruck, dass Keller Goethes Veredlung und Sublimierung an der Realität zerplatzen lässt, oder meine ich das nur? Also ein Anti-Goethe?
Was wieder interessant ist, da Hesse in Peter Camenzind ja deutliche Züge in Richtung Goethe "schöne Seele" hat, aber ganz explizit auf Keller und den grünen Heinrich verweist. Kannst du mir das etwas aufdröseln, wie ich die 3 Autoren in ihrer Verbindung zueinander verstehen kann?
Die zweite Fassung habe ich tatsächlich mal nach 1/3 abgebrochen - ich wusste damals nicht wozu ich das lese. Bin gespannt, was du da rausholst. Keller ist mir stets fremdgeblieben.
Wilhelm Meisters Lehrjahre sind der Referenzpunkt schlechthin beim Bildungsroman. Geradezu modellhaft für die Romantiker, die sich an diesem Schnittmuster abgearbeitet haben. Abschließender Gipfel und Wendepunkt sind Immermanns Epigonen, die im Vormärz spielen und den Einbruch der Industrialisierung mit ins Boot nehmen. Goethes Schöne Seele ist ein Einschub à la Rousseau, in dem der Titelheld nichts zu tun hat, außer diese Aufzeichnungen zu lesen. Der Grüne Heinrich übernimmt den Bekenntnischarakter und die Seelenerforschung, Wilhem Meister ist in der Anlage die übliche Goethesche Künstlerfigur, Keller geht da schon deutlich tiefer, das betrifft sowohl den ersten Roman des Scheiterns, wie den späteren Bestseller der Sublimierung. Hesse ist ein allerletzter Absenker der Romantik, Camenzind könnte auch als schwächlicher Nachklapp zu Keller durchgehen.


Aber er moralisiert nicht - immerhin.
Bisher Heinrich, der das Haus der Mutter verlässt und von der Schweiz nach Deutschland reist und dort in seinem Manuskript über seine Kindheit schwelgt. Dadurch Rückgriff auf das Leben seines Vaters, wie er die Mutter kennenlernte, welches Erbe Heinrich übernimmt und erste Erinnerungen an seine Schulzeit.
Werde das Buch nur langsam lesen können. Kleine Etappen, da es mich stilistisch schnell ermüdet.
Ich lese bewusst die erste Fassung, in der Keller mal gar nicht im Sinne Hesses, den Bildungsweg versöhnlich gestaltet.
Die zweite Fassung vom Grünen Heinrich, muss stark davon abweichen und scheint die Version zu sein, die Hesse als Inspiration nutzte. Wenn ich viel Nerven habe, schiebe ich die zweite Fassung direkt hinterher. Oder nehme sie in mein Jahresprojekt auf, Literatur mehr im Kontext anderer Werke zu lesen.