Anna Carina’s Reviews > Der grüne Heinrich. Erste Fassung > Status Update
Anna Carina
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Kapitel6 beendet.Heftige Geschichte über die Nachbarn Frau Margret und ihren Mann, aus der H.dann eine Art Unausweichlichkeit ableitet solche Geschichten erzählen zu müssen,die in einer Lüge und harte Konsequenzen für Schulkamaraden führt.
Für mich schwingt hier Verantwortung mit,Fiktion als möglich zerstörerisches Werkzeug zu begreifen.H.verschafft sich durch seine Vorstellungskraft Geltung auf Kosten anderer.
— Jan 13, 2026 04:46AM
Für mich schwingt hier Verantwortung mit,Fiktion als möglich zerstörerisches Werkzeug zu begreifen.H.verschafft sich durch seine Vorstellungskraft Geltung auf Kosten anderer.
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Anna Carina
is 10% done
Anschlusslektüre an"Peter Camenzind".Literaturhistorisch interessant. Ehr ein Arbeitsbuch. Er entlarvt Denkfiguren. Arbeitet mit kühler Konsequenz,was ich sehr schätze. Er lässt problematische Gedanken weitestgehend offen,hegt sie nicht ein.Lässt durch Heinrichs Reflexionen die Differenz klaffen.Überhöhungen werden ironisch,pathetisch gesetzt,um romantisch,idealistisches Denken zu karikieren...
— Jan 09, 2026 01:31AM
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Zum anderen macht er sichtbar, wie einengend und Persönlichkeitsvernichtend religiöse Überhöhung ist, alles "Böse" und Abweichende, auch wenn es von einem Kind kommt, sofort rigide zu bestrafen. Mit Eigenverantwortung ist da nüscht.Für ein abfälliges Wort, werden sofort alle möglichen "Schuldigen" Schüler zusammen getrommelt, müssen stramm stehen und vor einem Geistlichen, der einberufen wird, Stellung nehmen. Prügelstrafen, Strafbank drücken etc.
Keller stellt nach wie vor die Situationen nur aus. Da wird rein gar nichts von aufgelöst. Ich mag diesen harten, klaren Blick sehr. Er kennt keine falsche Harmonie. Das ist ja etwas, das ich Goethe bedingt vorwerfe. Insofern ist Keller für mich deutlich produktiver und interessanter zu lesen.
Habe irgendwie voll eingestaubtes Deutsch hier erwartet. Was 'ne Überraschung, liest sich sogar sehr angenehm, obwohl auch nicht flott. Und deine Updates wecken das Interesse. Verfolge weiter und warte auf die Abschlussbewertung. Mich interessiert, in welche Richtung der Roman geht.
Viktoria wrote: "Habe irgendwie voll eingestaubtes Deutsch hier erwartet. Was 'ne Überraschung, liest sich sogar sehr angenehm, obwohl auch nicht flott. Und deine Updates wecken das Interesse. Verfolge weiter und w..."Hier hab noch etwas längeres für dich. Ist nen Wechselbad, was er hier abliefert. Auf Dauer ist das für mich sehr ermüdend, da er alles so ausladend erzählt. Ein paar Wörter waren dabei, die ich noch nie gehört habe. Aus meiner Sicht nutzt er durchaus noch diesen romantisch, idealistisch geprägten Ton, aber um das zu brechen, ironisch und spitz zulaufen zu lassen.
Das macht ihn für mich auch so interessant, da ich finde, dass er ein klasse Bindeglied zwischen dem erhöhten, harmonisierenden Schreiben und einem rohen Realismus ist, der alles schmerzhaft ans Licht zerrt und dort einfach zappeln lässt.
„Nein, rief ihm sein innerstes Gefühl zu, der Zustand, den sich diese Menschen wünschen, gleicht zu sehr der stabilen gedankenlosen Seligkeit, welche das höchste Ziel der meisten Christen ist. Man muß wohl unterscheiden zwischen Leiden und Leiden; das eine ist zu dulden, ja zu ehren, während das andere unzulässig ist!
> Der beste Maßstab, dachte er weiter, ist vielleicht der ästhetische. Alle Leiden lassen sich in schöne und unschöne einteilen,[33] in sittliche und unsittliche, unsittlich für die, welche sie ansehen und in ihrer Nähe dulden. Eine Waise, die auf einem Grabhügel in Tränen zerfließt, ist schön, und ihr Schmerz wird ihr durch das ganze Leben wohltuend sein; aber ein Kind, welches verkommen und hungerig im Staube liegt, ist eine Schande für die ganze Landschaft, und für es selbst erwächst nicht die mindeste ersprießliche Regung aus diesem Zustande; eine greise Mutter, welche ihre Kinder und Enkel dahinsterben sieht, wird geheiligt durch ihr Weh, und ihr Lebensabend ist für sie und andere feierlicher; aber eine alte gebrechliche Frau, welche zitternd um den Tagelohn arbeitet, eine Bürde auf dem gebeugten Rücken, ist ein peinlicher Anblick und gereicht ihrer Gemeinde zum brennenden Vorwurf. Der Jüngling, der mit mächtigen Leidenschaften ringt und seine Grundsätze dem Leben Schritt für Schritt abstreitet, ist, so unglücklich er sich oft fühlt, bei alledem wohl daran, während uns der Bauernknecht in den Augen weh tut, der verachtet und vergessen, unwissend und trotzig vor seiner Stalltüre liegt und nach nichts verlangt als nach seinem Vesperbrot. Jener Jüngling gewinnt in jedem Sturme, und seine Energie erfreut den Zuschauer, dieser unglückliche Faulpelz aber wird durch das langweilige Tröpfeln seiner naßkalten Tage zuletzt ganz verdorben. Kurz, man „soll nur dasjenige Unglück dulden, was seinem Träger zur eigentlichen Zierde gereicht, alles andere ist in einer anständigen Gesellschaft auszurotten.“
Viktoria wrote: "Habe irgendwie voll eingestaubtes Deutsch hier erwartet. Was 'ne Überraschung, liest sich sogar sehr angenehm, obwohl auch nicht flott. Und deine Updates wecken das Interesse. Verfolge weiter und w..."Das sagt Hermann Hesse über Kellers Sprache:
»Er hat aus der Volkssprache, mit der sein Wesen verwachsen war, und die er täglich sprach und sprechen hörte, die nur einer Vulgärsprache eigene sinnfällige Farbigkeit und Drastik in eine aus Überkommenem und Persönlichem erschaffene Kunstsprache herüber gerettet wie außer Luther und Goethe kein anderer Prosaschreiber. Daher die Saftigkeit und Frische des einzelnen Ausdrucks, die oft sprichwörtliche Anschaulichkeit der Sätze.« Dann beleuchtet Hesse das feine Gefühl für Rhythmus und Tektonik, das sich in Kellers Prosa kundgibt: »Überall findet man gleichmäßig lange, schön strömende und dem natürlichen Atem und Herzschlag gemäße Sätze und Satzteile, die jedermann ohne Vorbereitung bequem und schön vorlesen kann.«
:D Musste jetzt "Zierde: googeln, kenne das Wort nicht. Danke für den langen Abschnitt. Hat mich irgendwie berührt, weil man das gefühlt eins zu eins auch auf heute übertragen könnte, ob mit religiösem Kontext oder ohne. Kann auch verstehen, warum es dir zusagt. Denke, mir würde es auch gefallen.
Viktoria wrote: ":D Musste jetzt "Zierde: googeln, kenne das Wort nicht. Danke für den langen Abschnitt. Hat mich irgendwie berührt, weil man das gefühlt eins zu eins auch auf heute übertragen könnte, ob mit religi..."Ich finde auch, dass sich vieles universell liest. In der Quelle, aus der ich Hesse zitierte, stand, dass er einen freundlichen Blick für die Verirrten gehabt habe. Das liest du aus dem langen Zitat, wie ich finde nämlich heraus. Ich lese seinen Schmerz, wenn er über die vernachlässigten Gestalten schreibt, die nicht sein dürfen, da sie irgendeine Regel verletzen. Ob es Religion, Ästhetik oder ein anderer kultureller Unsinn ist.
Ich finde diesen Roman insgesamt furchtbar zäh, diese Szene is aber extrem komplex. Er wird dovh von seinen "reaktionären" Mitschülern bequatschet den Lehrer zu schikanieren, der die demokratischen Ideale seines Vaters vertritt. Er merkt das aber nicht, weil er meint es seine Revolution.
Martin wrote: "Ich finde diesen Roman insgesamt furchtbar zäh, diese Szene is aber extrem komplex. Er wird dovh von seinen "reaktionären" Mitschülern bequatschet den Lehrer zu schikanieren, der die demokratischen..."Die Szene kommt dann noch?
In dem Kapitel das ich abgeschlossen habe, ging es vorrangig um Frau Margret und ihren Mann, und wie ich dann weiter ausführte, seine Meinung, dass er dadurch zu gewissen Erzählungen neigt und den Vorfall berichtet, dass er ein ungeziemliches Wort sagte, man wissen wollte wo er das her hat und dann einfach behauptet hat es wären gewisse Mitschüler gewesen. Und in der Schule erfindet er dann eine ausladende Geschichte über ein Gebüsch, wen man so alles getroffen habe, welche Dinge die Jungs über die Lehrer gesagt haben, und da so überzeugend, dass das niemand überprüft hat. Alle Schüler sind dann bestraft worden und waren stinkig. Das Kapitel endet damit, dass er zunächst ganz glücklich war und erst später eine Art Reue zeigte. Das wars.
Viktoria wrote: "Das habe ich auch so verstanden und gefühlt. Wie sagst du das immer, er hat Resonanzraum geöffnet?"😘
Die Passage beginnt: "Gleich beim Beginne der neuen Schulen, als der ungeschickte Lehrer seine Tätigkeit mit vieler Gemütlichkeit antrat, brachte ein Schüler, der Sohn eines fanatischen Stadtbürgers, mit wichtigen Worten die Nachricht unter uns, wie der Lehrer geschworen hätte, uns Aristokratenkinder mit eiserner Rute zu bändigen. Er war nämlich in einer Gesellschaft aufmerksam gemacht worden, wie er es teilweise mit einer durch altes Herkommen übermütigen und ausgelassenen Stadtjugend zu tun haben würde, worauf er antwortete, er werde mit den Bürschlein schon fertig zu werden wissen."Kapitel 9 in der ersten, 16 in der zweiten Fassung.
Die Episode ist autobiographisch.
Martin wrote: "Die Passage beginnt: "Gleich beim Beginne der neuen Schulen, als der ungeschickte Lehrer seine Tätigkeit mit vieler Gemütlichkeit antrat, brachte ein Schüler, der Sohn eines fanatischen Stadtbürger..."Danke :)
Hast du beide Versionen gelesen? Wenn ja, inwiefern unterscheiden die sich für dich (abgesehen vom unterschiedlichen Ende)?



„Daraus nur kann ich mir unter anderm eine Geschichte erklären, welche ich ungefähr in meinem siebenten Jahre anrichtete und die ich gar nicht begreifen könnte, da die schlimme Art derselben sonst nicht in meinem Wesen liegt und sich zeither auch in keiner Weise wiederholt hat.“