Armin’s Reviews > Tolstoj oder Dostojewskij - Analyse des abendländischen Romans > Status Update
Armin
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Unter den offiziellen Hochliteratur-Einflüssen Balzac und Dickens, liegt eine breite Schichte von Schauerromanitk und urbanem Sozialkitsch, insbesondere Eugéne Sué (Geheiminisse & Ewiger Jude), sowie Thomas De Quincys Opiumesser erwiesen sich als nachhaltiger Eindruck. Sogar das Naturbild in Arme Leute gerät zum Gruselkabinettstück, Tolstoj fühlte sich dagegen nur in abgebrannten Großstädten wohl.
— Mar 18, 2026 11:20AM
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Armin’s Previous Updates
Armin
is on page 270 of 320
Für Dostojewski gehört die Wahlfreiheit zwischen Christus und dem Bösen zur Poetologie, Tolstoj will die Menschen bessern, um das Reich Gottes auf Erden zu errichten.
— Mar 23, 2026 07:58AM
Armin
is on page 264 of 320
Tolstojs Rationalismus sorgt dafür, dass er sich bei mystischen Szenen wie Fürst Andrejs Nahtoderfahrung in Austerlitz, Pierres Komentenblick oder dessen Einsicht in sich als Universum, während der Haft im Schuppen zuletzt im Ton vergreift und die Wirkung ruiniert. Dostojewski vertritt das ketzerische Paradox, dass der Mensch nicht ohne Gott, Gott aber auch nicht ohne den Menschen als seinem Spiegel existieren kann.
— Mar 22, 2026 08:19AM
Armin
is on page 229 of 320
Tolstoj absolut diesseitig, will das Paradies auf Erden errichten, die bessere Welt nicht aufs Jenseits vertrösten. Dieser Ansatz zieht sich durch sein gesamtes Schaffen und die Tagebücher. Der Bruch mit der Literatur war nur demonstrativ um 1879/80 schon vorher gab es immer wieder Anläufe, die ganze Fiktion aufzugeben, aber noch Romanpläne in den allerletzten Tagen.
— Mar 21, 2026 06:28AM
Armin
is on page 204 of 320
Säkularisierung der Kunst mit dem Roman als typischer Gattung dieser Entwicklung. D & T als religiöse Ausnahmen mit unvereinbaren Gottesbildern und Lebensentwürfen. T will die Menschen bessern, D mit den Verworfenen leiden.
— Mar 20, 2026 09:59AM
Armin
is on page 204 of 320
Aufzeichnungen aus einem Kellerloch markieren einerseits eine neue Dimension des Nihilismus, mittels Aufzeigen von Traditionslinien bis in die Antike, Shakespeare, Diderot stellt GS klar, dass D eher ein Transformator bereits bestehender Topoi und Gattung auf eine andere Ebene war. So, wie er Kolportage und Schauerromantik als populäre gemeinsame Basis mit seinem Lesepublikum genutzt hatte.
— Mar 19, 2026 06:05AM
Armin
is on page 159 of 320
In seiner brillanten Analyse des Idioten zeigt GS nicht nur das Doppelgängertum bzw. die Spaltprodukte Myschkin/Rogoschin auf, sondern auch, wie das dramatisch-rasante Erzähltempo dafür sorgt, dass der Leser seltsame Zufälle und melodramatische Einfälle als ganz natürlich empfindet.
— Mar 16, 2026 06:42AM
Armin
is on page 139 of 320
»Wenn man die Einstimmungen und Vorbereitungen für das Schaffen untersucht, erhält man häufig den Eindruck, daß Dostojewski Dramen schrieb, die wesentliche Dialogstruktur beibehielt und dann die Bühnenanweisungen (die in den Entwürfen deutlich zu erkennen sind) zu dem erweiterte, was wir nun als seine erzählende Prosa vor uns haben.«
— Mar 15, 2026 06:39AM
Armin
is on page 94 of 320
Parallelen zw. Homers und Tolstojs Kompositionsweise. K&F und AK strotzen genauso vor zufälligen Begegnungen wie Dickens und Sue, doch mehrere Perspektiven sorgen für den Eindruck höherer Wahrscheinlichkeit, wenn Schlachtenbummler Pierre im Sanitätszelt von Borodino auf Fürst Andrej und Anatol Kuragin trifft, dem gerade das Bein abgenommen. Unter dem Eindruck des gemeinsamen Schicksal versöhnt sich A mit dem Schuft.
— Mar 14, 2026 03:55AM
Armin
is on page 63 of 320
Immer wieder gern konsultierter Klassiker der Ästhetik, dieses mal im vollen Durchgang. Die Bandbreite der in Anspruch genommenen Autoritäten reicht von Matthew Arnold bis in die existenzialistisch geprägte Gegenwart von 1959. Erste beispielhafte Analyse Anna Karenina vs. Madame Bovary. Letztere wird eher pro forma gelobt, macht aber keinen Stich gegen Tolstojs Lebenswirklichkeit.
— Mar 12, 2026 05:43AM

