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Ernst
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Sehr zäher Einstieg, hat so ziemlich alle Essenzen, die schnurstracks zu einem DNF führen sollten. Habe etliche Seiten im sechsten Gang überflogen, drossle aber zwischendurch immer wieder runter, wenn ich vermute, jetzt könnte etwas interessantes passieren. Das spannendste an dem Roman ist sein Erscheinen nicht lange vor dem 11.9.2001. Der Antiheld Malik Solanka verlässt seine Familie und geht nach New York.
— May 16, 2026 04:57AM
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Aber jetzt wollten Frauen wie Puppen sein, die Grenze überschreiten und wie Spielzeug aussehen. Jetzt war die Puppe das Original, die Frau das Abbild. Diese lebenden Puppen, diese schnürelosen Marionetten, waren nicht nur äußerlich „aufgepuppt“. Hinter ihrem hochgestylten Äußeren, unter dieser perfekt durchscheinenden Haut, waren sie so mit Verhaltenschips vollgestopft, so gründlich auf Etikette programmiert, so perfekt gepflegt und gekleidet, dass es für ein wenig schlampige Menschlichkeit keinen Platz mehr in ihnen gab.
ich nehme stark an, die judenfeindliche Tirade hat Rushdie wortwörtlich von einem Taxifahrer in NYC weiter gegeben. Klingt korrekt.
Ja genau, die Szene mit Ali dem Taxifahrer geht ja noch weiter und schwenkt dann zur Wut und Jähzorn des Malik selbst.
Ernst wrote: "Ja genau, die Szene mit Ali dem Taxifahrer geht ja noch weiter und schwenkt dann zur Wut und Jähzorn des Malik selbst."Sorry Ernst, verstehe nicht was du meinst mit "ja, genau" ? 🤔
Ich meine, die Tirade kommt von einem ECHTEN Taxifahrer in NYC. Keine Figur, die Rushdie ausgedacht hat, sondern ein lebender Mensch. Ali ist eine Figur, aber der, der das Alles gesagt hat, ist real. Rushdie hat's nur aufgeschrieben.
Der Autor ist Rushdie, die Figur ist ein Taxifahrer eines Taxis, in dem die Hauptfigur Malik Solanka mitfährt. Die Figuren sind alle fiktiv, aber ob Rushdie das real mal so oder ähnlich in einem Taxi erlebt hat, kommentiert er hier im Roman natürlich nicht. Die Tirade ist hier Teil der Belege in Malik’s Wahrnehmung dass etwas herandräut.
Die Szene mit dem Taxifahrer geht dann so weiter:Job.
„Was hatte ihn nur so unbegreiflich wütend gemacht? Im Stillen beantwortete Solanka die Frage selbst. Wenn jemand zu jung ist, um die Schmerzen eigener Erfahrung angesammelt zu haben, kann er beschließen, sich die Leiden seiner Welt wie ein helles Hemd überzuziehen. In diesem Fall wurde, weil der Friedensprozess im mittleren Osten mühsam vorwärtsstolperte und der scheidende amerikanische Präsident, versessen auf einen Durchbruch, um seinen beschädigten Ruf aufzupolieren, Barak und Arafat zu einer Sommerkonferenz in Camp David drängte, die Tenth Avenue vermutlich für die unaufhörlichen Leiden Palästinas bestraft. Der geliebte Ali war Inder oder Pakistani, gab aber, zweifellos aus einem irregeleiteten kollektivistischen Teamgeist paranoider panislamischer Solidarität, den Benutzern der New Yorker Straßen die Schuld an den Leiden der muslimischen Welt. Zwischen seinen Flüchen redete er über Funk mit dem Bruder seiner Mutter: Und fragte Solanka gleichzeitig ein wenig verlegen nach dem Weg. Es war der erste Arbeitstag des Jungen in diesen schwierigen Straßen, und er hatte eine Heidenangst. Solanka, selbst hochgradig erregt, war gleichbleibend freundlich zu dem Geliebten, sagte aber, als er am Verdi Square ausstieg:
Der Junge starrte ihn verständnislos an. Das war merkwürdig. , antwortete Solanka. , ergänzt er auf Urdu, um die Dinge klarzustellen, . Der Geliebte wurde rot, tiefrot. Die Farbe verbreitete sich bis auf den Kragenrand hinunter, und er begegnete Solankas Blick mit einem verwirrten, unschuldigen Ausdruck in den dunklen Augen. Solanka verlor die Geduld und wandte sich zum Gehen. , sagte er, . Als er davonging, auf dem Broadway, rief der geliebte Ali ihm pikiert Verständnis heischend nach.
Ja, und Worte sind nicht. Taten, räumte Solanka ein, während er verärgert davonging. Obwohl Worte zu Taten werden können. Am richtigen Ort und zur richtigen Zeit gesprochen, können Sie Berge versetzen und die Welt verändern. Und nicht zu wissen, was man tat - die Taten von den Worten zu trennen, die sie definieren - wurde offenbar zu einer akzeptablen Ausrede.“


„Der Islam wird sie allesamt von der Straße fegen, diese beschissenen, gottlosen, grottenschlechten Fahrer!“ schrie der Fahrer einem Konkurrenten zu. „ Die ganze Stadt wird der Islam von jüdischen Luden wie dich und deine Straßenschreck-Hure von Judensau befreien.“ Diese Flüche setzten sich die ganze Tenth Avenue entlang fort. „Du ungläubiger Ficker deiner unmündigen Schwester, Allahs Hölle erwartet dich und deine unheilige Dreckkarre. Unreines Ferkel einer scheißefressenden Sau, versuch das noch mal, und der siegreiche Dschihad wird dir mit seiner rachsüchtigen Faust die Eier zerquetschen.“
Malik Solanka, der sich dieses explosive, dialektgezeichnete Urdu anhören musste, ließ sich von den giftigen Ausbrüchen des Fahrers kurzzeitig von seinem inneren Aufruhr ablenken. Ali Majnu stand auf dem Schild. Majnu bedeutete geliebt. Dieser spezielle Geliebte war etwa 25 oder jünger, ein netter, hübscher Junge, hochgewachsen und mager, mit einer sexy John-Travolta-Tolle und nun lebte er in New York mit einem festen Job. Was hatte ihn nur so unbegreiflich wütend gemacht?