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Ernst
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Macht richtig Freude die verschachtelten Sätze zu lesen, wenn Münther über seine komatöse Frau nachdenkt oder über seine Freunde, den verstorbenen Aumeier und Muschg, mit dem er schweigend über den Friedhof spaziert. Oder wenn er an seine Jugend denkt, in der Schule verspottet und körperlich attackiert und wie er sich als Erwachsener dafür rächt.
Jul 09, 2026 06:00AM
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Bin ziemlich beeindruckt. Das 4. Kapitel hat enormen Sog. Münther setzt zu einer Abrechnung mit Anna, die nach wie vor im Koma liegt, an. Er rekapituliert den Abend im Café Korb. Die Szene ist so dicht, rhythmisch, sprachlich kreativ, gehört zum Besten was ich in letzter Zeit so gelesen habe. Und das obwohl mich ehrlich gesagt das Thema fast Null interessiert. Bin jetzt richtig neugierig auf das Finale.
Jul 13, 2026 03:31PM
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Langsam muss ich mir Gedanken über meine Rezension machen, fühle dabei besondere Verantwortung, weil das Buch kaum wahrgenommen geschweige denn bewertet wurde. So viel kann ich schon jetzt sagen, es wird eine gute Bewertung, aber ob 5 oder 4 oder nur 3 Sterne werde ich noch sehen.
Sprachlich ist das alles wirklich toll und sehr ausgefeilt. Inspirierendes findet sich nahezu auf jeder Seite, teils fast schon zuviel.
Jul 10, 2026 01:38AM
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Ernst
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Gedankenstrom eines Menschen, Münther, dessen Frau Anna im Koma liegt und eine tote Frühgeburt (Alice, der Name wurde schon vor der Geburt gewählt) hatte, der ob der tragischen Umstände am Theater, wo er und Anna arbeiten, frei machen kann. Auch ein guter Freund, Aumeier, ist kürzlich verstorben, ermordet vielleicht oder ist er doch selbst gesprungen? Und dann ist da Muschg, sein einziger Gesprächspartner…
Jul 08, 2026 12:45PM
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Ernst Hier ein Textbeispiel, in dem er, der Theaterdisponent Münther, über seinen Chef, den Theaterdirektor Axmann räsoniert:



Man hat nur die Wahl, so Aumeier, zwischen der symbiotischen und der räuberischen Existenz, eine andere Existenzform sei für den Menschen nicht möglich, wie der Musikliebhaber die Musik braucht oder der Musiker den Komponisten und vice versa, sie ermöglichen einander, ermöglichen sich eine Gegenwart, ein Dasein. Dieses Verhältnis, denke ich, geht jeder sozialen Lebensform voraus, den anderen brauchen, ohne ihn zu verbrauchen. Ich bin der Zuhörer, denke ich, ich bin das gute, das kenntnisreiche Publikum, dass an den richtigen Stellen lacht, der Leser, der noch die verborgensten Zusammenhänge und Anspielungen versteht und ich will das sein, ich will kein Aumeier und kein Herr Theaterdirektor sein, aber ich will, dass ein Aumeier ein Aumeier ist und ein Theaterdirektor ein Theaterdirektor und kein Bordellbesitzer, der nur den Theaterdirektor darstellt, das ist der Grund, warum mir Axmann so verhasst und mir seine Gegenwart so schwer erträglich ist, dieser Grund bin ich, es ist ein persönliches Bedürfnis, dass ich bei Axmann einklage, solange ich das nicht weiß, solange ich mir das nicht eingestehe, bleibe ich vorsätzlich weltfremd, da muss ich Aumeier beipflichten, das ist auch das merkwürdige an Aumeiers Maximen, an seinen Urteilen und treffsicheren Bezeichnungen, dass er damit nicht recht hat, sondern dass sie stimmen das heißt, es schwingen auch Obertöne mit, oft auch, dass er durch eine Bezeichnung wie mit einem einzigen Ton, den er hinzufügt, eine Stimmung erzeugt, die vorher nicht da war, etwa wenn er Axmann als Bordellbesitzer tituliert, so hätte sich, jedenfalls nach Aumeiers Erläuterungen den Kulturbetrieb betreffend, die Mehrzahl der Theaterdirektoren, zumindest in Wien, zumindest in Österreich, diese Bezeichnung verdient, auf Axmann jedoch trifft diese Bezeichnung auch noch in anderer, tatsächlicher Weise zu, was, wie ich denke, mit seiner weibischen Männlichkeit zu tun hat, einem Machismo und einer behaupteten Männlichkeit, die sich verständig gibt, einfühlsam und doch auf so schwachen Füßen steht, dass keine Frau davor sicher sein kann, ihr als Erfüllungsgehilfin zum Opfer zu fallen, und zum Objekt axmannscher Selbstverliebtheit zu werden, denn unser Herr Direktor ist, wie jeder Menschendarsteller, ein grundeitler Mensch und nichts darüber hinaus, der, wie alle eitlen Menschen, an einer besonders armseligen Form der Selbstbeschränkung leidet, die darin besteht, die Selbstliebe der Liebe des anderen vorzuziehen, auch dem Menschendarsteller, habe ich mir gestern oder vorgestern auf dem Heimweg von Alices Begräbnis gedacht, geht sozusagen die Sicherheit über die Seltenheit und dann diesen seltsamen Satz: er bleibt immer an sich, das erklärt vielleicht das Gefühl der Peinlichkeit, dass Menschendarsteller wie Axmann bei Auftritten in der Öffentlichkeit in mir auslösen. Aumeier hatte anlässlich einer Rede Axmanns, die im Fernsehen übertragen worden war, vom onanierenden Bordellbesitzer gesprochen, eine Derbheit, die wohl auch Axmann geschuldet war, der, auch in seiner größten Eitelkeit das blieb, was er war, nämlich ein durch und durch ordinärer Mensch, er ist, denke ich, ganz und gar in diesen ordinären Menschen verliebt, der er ist, wobei, um mit Loos zu sprechen: Ordinär ist, was ordinäre Menschen für fein halten, deshalb kommt Axmann mit all seinen Verfeinerungsbemühungen nicht über die Eleganz eines Zuhälters hinaus, wie immer, wenn sich das Grobe Form und das Brutale Geschmack geben will, alles in allem genommen, habe ich mir gestern oder vorgestern auf dem Heimweg von Alices Begräbnis gedacht, ist unser Herr Theaterdirektor Axmann eine von Kopf bis Fuß geheuchelte Zivilisationschimäre.


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