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Hendrik
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Bsp. für Jirgls Schriftsprache: Nur Gimmick oder tats. sinnvoll?
"Dies war für=mich der Beginn eines Lebens, das (weiß ich heute) mir zum Leben 1 Käfers werden sollte. 1 jener Sommer&herbst-Insekten, das mitsamt seiner Jahreszeit eigentlich zu vergehen hat; nur manches Mal überdauert 1 dieser Wesen seine=Zeit u: findet sich, verwirrt unschlüssig befremdet, in einer späteren Zeit im Jahr & noch immer lebend."
— Aug 24, 2018 11:59PM
"Dies war für=mich der Beginn eines Lebens, das (weiß ich heute) mir zum Leben 1 Käfers werden sollte. 1 jener Sommer&herbst-Insekten, das mitsamt seiner Jahreszeit eigentlich zu vergehen hat; nur manches Mal überdauert 1 dieser Wesen seine=Zeit u: findet sich, verwirrt unschlüssig befremdet, in einer späteren Zeit im Jahr & noch immer lebend."
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Ich kann mich erinnern, Malte, dass dir damals die Freude an dem Buch vergangen ist; war nicht ein weiterer Faktor, dass es sich recht langsam liest?Was mich interessieren würde: spiegeln sich die fremdenfeindlichen Tendenzen konkret in diesem Buch wieder?
Nee, da erinnerst du falsch. Ich hattte damals recht zügig die ersten 80 Seiten oder so gelesen und der Text selbst hat mir auch Gefallen. Er ist mir wirklich nur "von außen" verleidet worden ;)
So trügerisch kann die Erinnerung sein :( Ich dachte, Du hast dich über eine längere Strecke ziemlich durch das Buch gequält ...
@ Malte: Danke für die Infos zu Jirgl. Das mit dem Tumult-Interview habe ich damals schon mitbekommen, aber danach nichts weiter darüber gehört. Na ja, offen gesagt spielen die "privaten" Ansichten von Autoren kaum eine Rolle bei meinen Leseentscheidungen. Zum Beispiel liest man Louis-Ferdinand Célines Bücher, obwohl er ein ausgewiesener Antisemit war. In erster Linie zählt für mich, was im jeweiligen Buch geschrieben steht. Sympathie muss ich für den Autor nicht unbedingt empfinden.Im Roman selbst habe ich, soweit ich das beurteilen kann, keine fremdenfeindlichen Untertöne festgestellt, was aber auch am Thema liegen mag (GeBeU = die Große-Bürokratische-Umgestaltung 1990 usw.). Nur einmal fällt der Ausdruck "Feindlich Negertiefes Element". Da zuckt man beim Lesen schon unwillkürlich zusammen. Im Kontext des betreffenden Dialogs erscheint die Formulierung allerdings ganz passend. Jirgls Roman kann ich bedenkenlos empfehlen, in puncto Stil und Spannung ragt er jedenfalls aus der Masse der sonstigen zeitgenössischen deutschen Literatur heraus.


In die Richtung geht dann auch Jirgls Artikel der auf der Tumult-Website so beworben wird:
"Reinhard Jirgl weist die »Flüchtlings«-Analogie mit der Vertreibung 1945 zurück, benennt den Hauptnutznießer der »Politiklosigkeit« Europas und macht gegenüber der Masseneinwanderung ein altes imperiales Integrations-Postulat geltend: »In Roma Romani!«"
Das macht aus Jirgl natürlich keinen schlechteren Schriftsteller und ich werde "Oben das Feuer, unten der Berg" sicherlich auch noch lesen. Trotzdem hinterlässt das alles einen schlechten Beigeschmack bei mir und ich war erstaunt, von den ganzen Verwicklungen Jirgels noch nie etwas mitbekommen zu haben - daher auch hier die kurze Zusammenfassung meiner dürftigen Recherche von damals.