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Aug 30, 2018 03:41AM
Oben das Feuer, unten der Berg

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Bsp. für Jirgls Schriftsprache: Nur Gimmick oder tats. sinnvoll?

"Dies war für=mich der Beginn eines Lebens, das (weiß ich heute) mir zum Leben 1 Käfers werden sollte. 1 jener Sommer&herbst-Insekten, das mitsamt seiner Jahreszeit eigentlich zu vergehen hat; nur manches Mal überdauert 1 dieser Wesen seine=Zeit u: findet sich, verwirrt unschlüssig befremdet, in einer späteren Zeit im Jahr & noch immer lebend."
Aug 24, 2018 11:59PM
Oben das Feuer, unten der Berg


Comments Showing 1-8 of 8 (8 new)

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message 1: by Malte (new) - added it

Malte Das habe ich auch mal begonnen und finde Jirgls Schreibweise auch wirklich spannend. Ich hab' mir dann aber leider die Lust an dem Buch verderben lassen, als ich zufällig einen Artikel gelesen habe, in welchem Rafik Schami Jirgl kritisiert, weil der verschwörungstheoretisch und islamophob unterwegs sei. Jirgls Antwort auf diesen Artikel und die Vorwürfe war dann sehr unangenehm und was mir dann wirrklich die Laune verdorben hat, war Jirgls Artikel in dem völlig bekloppten Magazin "Tumult. Vierteljahresschrift für Konsensstörung", welche von Frank Böckelmann herausgegeben wird über den man auf Wikipedia erfährt: "Böckelmann nahm am 15. Dezember 2014 an einer Demonstration der Bewegung Pegida in Dresden teil. Gegenüber einer Stern-Reporterin soll er sich wie folgt geäußert haben: 'In Sachsen gibt es heute kaum Einwanderer. Aber in 50 bis 100 Jahren besteht die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands. Ich möchte Widerstand dagegen leisten, dass sich Traditionen vermischen und keine Unterschiede mehr erkennbar sind. Die Politik macht Tür und Tor auf für alle, die reinwollen. Die Leute spüren, dass sie sich unter der Fahne versammeln müssen.'"
In die Richtung geht dann auch Jirgls Artikel der auf der Tumult-Website so beworben wird:
"Reinhard Jirgl weist die »Flüchtlings«-Analogie mit der Vertreibung 1945 zurück, benennt den Hauptnutznießer der »Politiklosigkeit« Europas und macht gegenüber der Masseneinwanderung ein altes imperiales Integrations-Postulat geltend: »In Roma Romani!«"
Das macht aus Jirgl natürlich keinen schlechteren Schriftsteller und ich werde "Oben das Feuer, unten der Berg" sicherlich auch noch lesen. Trotzdem hinterlässt das alles einen schlechten Beigeschmack bei mir und ich war erstaunt, von den ganzen Verwicklungen Jirgels noch nie etwas mitbekommen zu haben - daher auch hier die kurze Zusammenfassung meiner dürftigen Recherche von damals.


message 2: by Michael (new)

Michael Ich kann mich erinnern, Malte, dass dir damals die Freude an dem Buch vergangen ist; war nicht ein weiterer Faktor, dass es sich recht langsam liest?
Was mich interessieren würde: spiegeln sich die fremdenfeindlichen Tendenzen konkret in diesem Buch wieder?


message 3: by Malte (new) - added it

Malte Nee, da erinnerst du falsch. Ich hattte damals recht zügig die ersten 80 Seiten oder so gelesen und der Text selbst hat mir auch Gefallen. Er ist mir wirklich nur "von außen" verleidet worden ;)


message 4: by Michael (new)

Michael So trügerisch kann die Erinnerung sein :(
Ich dachte, Du hast dich über eine längere Strecke ziemlich durch das Buch gequält ...


message 5: by Malte (new) - added it

Malte Das war dann wohl Jirgls "Nichts von euch auf Erden" ;)


message 6: by Michael (new)

Michael Ah ja, das wird´s gewesen sein.


Hendrik @ Malte: Danke für die Infos zu Jirgl. Das mit dem Tumult-Interview habe ich damals schon mitbekommen, aber danach nichts weiter darüber gehört. Na ja, offen gesagt spielen die "privaten" Ansichten von Autoren kaum eine Rolle bei meinen Leseentscheidungen. Zum Beispiel liest man Louis-Ferdinand Célines Bücher, obwohl er ein ausgewiesener Antisemit war. In erster Linie zählt für mich, was im jeweiligen Buch geschrieben steht. Sympathie muss ich für den Autor nicht unbedingt empfinden.
Im Roman selbst habe ich, soweit ich das beurteilen kann, keine fremdenfeindlichen Untertöne festgestellt, was aber auch am Thema liegen mag (GeBeU = die Große-Bürokratische-Umgestaltung 1990 usw.). Nur einmal fällt der Ausdruck "Feindlich Negertiefes Element". Da zuckt man beim Lesen schon unwillkürlich zusammen. Im Kontext des betreffenden Dialogs erscheint die Formulierung allerdings ganz passend. Jirgls Roman kann ich bedenkenlos empfehlen, in puncto Stil und Spannung ragt er jedenfalls aus der Masse der sonstigen zeitgenössischen deutschen Literatur heraus.


message 8: by Malte (new) - added it

Malte Das seh ich ja ähnlich. Bin gespannt auf deine Review!


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