Rudi’s Reviews > Der Rhein > Status Update
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Rudi
is on page 90 of 109
»... am Mittag hatte ich die Stadt [Heidelberg] über den sogenannten Philosophenweg verlassen, ich weiß nicht, wohin dieser Weg führt, wie es sich für einen Philosophenweg gehört ...«
— Jan 19, 2025 12:26AM
Rudi
is on page 26 of 109
Wie schade! Lieblos übersetzt, willkürlich gekürzt und nicht jede Kürzung gekennzeichnet. Und weder Vor-noch Nachwort geben Auskunft über die Grundsätze, von denen die Übersetzerin und Herausgeberin sich leiten ließ. Recht hübsch hingegen die wiedergegebenen Zeichnungen des Autors.
— Jan 15, 2025 09:37PM



»Die Ruine von Wellmich war mir bekannt als eine der berüchtigtsten und gemiedensten am Rhein. Für Reisende ist es schwer, sie zu ersteigen, und es heißt, es sei sogar gefährlich. Für die Leute dort ist sie eine von schrecklichen Sagen umwobene Gespensterburg. Lebendige Flammen wohnen hier, die sich bei Tag in den unzugänglichen Kellern verbergen und nur bei Nacht oben auf dem großen runden Turm zu sehen sind. Und dieser große Turm ist selbst nichts anderes als die oberirdische Verlängerung eines riesigen heute zugeschütteten Brunnens, der einstmals den gesamten Berg aushöhlte und noch unter Rheinniveau endete. In diesen Brunnen ließ einer der Herren von Wellmich namens Falkenstein - ein übelklingender Name in den Geschichten - ohne Beichte nach Gutdünken die Vorbeiziehenden oder Lehnsleute werfen. Die unerlösten Seelen wohnen heute noch in der Burg. Damals gab es im Turm von Wellmich eine Silberglocke, ein Geschenk von Winfried, dem Bischof von Mainz, und auch von ihm 740 geweiht: Es war die denkwürdige Zeit, als Konstantin VI. römischer Kaiser in Konstantinopel war, als der Heidenkönig Massilius vier Königreiche in Spanien besaß und als in Frankreich König Clothar regierte, der später vom heiligen Zacharias, dem 94. Papst, mit dem dreifachen Kirchenbann belegt wurde. Man läutete diese Glocke nie, außer zum Vierzigstundengebet oder wenn ein Herr von Wellmich schwer krank oder in Todesgefahr war. Falkenstein jedoch, der nicht an Gott glaubte, und auch nicht an den Teufel, und der Geld brauchte, begehrte die schöne Glocke. Er ließ sie aus dem Glockenturm ausbauen und in seine Burg bringen. Der Prior von Wellmich erregte sich und stieg mit Meßgewand und Stola, zwei Chorknaben vorweg, die das Kreuz trugen, nach oben zu dem Herrn, um die Glocke zurückzufordern. Falkenstein fing an zu lachen und schrie ihn an: Du willst deine Glocke? Also gut, du sollst sie haben, und du wirst sie nie mehr los! Dann ließ er den Priester in den großen Turmbrunnen werfen, die Glocke an seinen Hals gebunden, und sechzig Ellen des Brunnens mit schweren Steinen verfüllen, alles auf den Priester und die Glocke. Einige Tage später wurde Falkenstein plötzlich krank. Als nun die Nacht kam und der Astrologe und der Arzt bei ihm wachten, hörten sie mit Entsetzen aus den Tiefen der Erde das Läuten der Silberglocke. Am folgenden Tag war Falkenstein tot. Seit dieser Zeit hört man jedes Jahr, wenn der Todestag des Burggrafen gekommen ist, in der Nacht des 18. Januar, Tag des Fests des Heiligen Stuhls in Rom, deutlich die Silberglocke im Berg läuten.«