Alexander Carmele’s Reviews > Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen > Status Update

Alexander Carmele
Alexander Carmele is on page 153 of 2300
Habermas stützt seine ausufernden Bemühungen darin, dass Herrschaft einer kirchlichen Institution bedarf - die kirchliche Institution aber von ihrem Mythos, Glauben, ihrer Metaphysik durch Lernprozesse befreit werden muss, um eine legitimierende Öffentlichkeit zu generieren, wie sie die Moderne des Abendlandes zustande gebracht hat.

Diese Hypothese plausibilisiert er NICHT. Er geht davon aus. Vorrede ist ein Graus!!
Mar 11, 2024 10:09PM
Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen (German Edition)

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Alexander Carmele
Alexander Carmele is on page 175 of 2300
Ende der Vorrede: Habermas' Vernunft besteht aus einem bestimmten Nein der aggressiven-unkooperativistischen äffischen Natur gegenüber.

Dieses moralisch-sittlich begründete Nein lässt sich als ein tiefes, schopenhauerisches Misstrauen gegen das eigene Begehren begreifen, das NICHT durchschritten werden kann.

Daher: bei Schopenhauer Auflösung in Musik, bei Habermas in der sozialen diskursiven Gemeinschaft.
Mar 12, 2024 10:34PM
Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen (German Edition)


Alexander Carmele
Alexander Carmele is on page 110 of 2300
Habermas will die Philosophie begrifflich als vermittelnde Instanz zwischen Wissenschaft und Religion etablieren, ohne dem Positivismus jener, der Dogmatik dieser das Wort zu reden.

Philosophie aber so enthält nicht mehr viel, als rudimentäres "Vorsichten" - ein einziges "nicht wirklich", dann "aber schon" als "vielleicht" in ein "hoffentlich" münden zu lassen.

Wen interessiert eigentlich noch, was Habermas sagt?
Mar 08, 2024 01:55AM
Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen (German Edition)


Alexander Carmele
Alexander Carmele is on page 70 of 2300
Philosophische Texte lassen sich über das Nichtgesagte dekodieren:

Habermas umschifft bei der Interpretation (vorläufigen) von Heidegger das Gerede. Das "Gerede" aber trifft Habermas-Sprachontologie im Kern, der das Verbindliche im auflösenden Gespräch sucht - also einen eschatologischen Kern erhält (zwangloser Zwang des besseren Argumentes).

Ontologie hier: die Existenz eines Argumentes, die Heidegger bestreitet.
Mar 06, 2024 10:08PM
Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen (German Edition)


Alexander Carmele
Alexander Carmele is on page 40 of 2300
Habermas sieht nur zwei Wege: von Hume aus zur analytischen Kognitionswissenschaft und von Kant aus zur lebensweltlichen Reflexionsethik. Die Vermittlung in einem sich selbst durchschreitenden, Subjekt-Objekt stiftenden Ich schließt er als "Narzissmus" aus.

Völlige Exklusion der Strömung Stirner/Schopenhauer/Nietzsche, die das gesetzgebende Urteil Kants als vermodern trifft.

Absolute Kant-Hörigkeit von Seite 1 an.
Mar 05, 2024 09:58PM
Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen (German Edition)


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message 1: by litart (new)

litart toujours ich glaub aber dass die ersten generationen der kritischen Schule das auch so gesehen haben...erinner mich an adornos text, der mal argumentiert hat, dass die tiefenspsychologische Furcht nur durch kausale technische erklärung und religiöse erklärung begegnet werden kann. Da ja "techniktechnik" erklärungen im Anfang der Zivilisationsgeschichte spärlicher waren, würde er das Mittel zur Organisation der menschlichen Gruppen/zivilisationen in der Religion sehen, wobei vllt die zivilisation nicht Zweck, sondern unintended outcome war.


message 2: by litart (new)

litart toujours hab auch in der zeitgenössischen wissenschaftlichen anthropologie häufig verweise darauf gelesen, dass menschen erst sesshaft wurden und komplexere gruppen gebildet haben nachdem zeitlich die ersten religiösen reliquien und religiösen pilgerstätten entstanden sind


message 3: by Alexander (new) - added it

Alexander Carmele Antonio wrote: "ich glaub aber dass die ersten generationen der kritischen Schule das auch so gesehen haben...erinner mich an adornos text, der mal argumentiert hat, dass die tiefenspsychologische Furcht nur durch..."

Also, wie auch immer gedreht und gewendet, die anfängliche Kritische Theorie begriff sehr wohl, dass der Überbau nicht den Unterbau stabilisiert, sondern umgekehrt, und sie wusste auch, dass die Diskussion um Privilegien der eigentliche Streit der philosophischen/klerikalen Richtungen ist, d.h. sie haben tatsächlich versucht, Ideologiekritik zu betreiben, über die sich Habermas absurderweise hinausweiß. Aber hier beginnt der springende Punkt: seine Ideologie verpackt er als durch Lernprozesse legitimiert und vorbildlich, er reflektiert nicht einmal mehr den Standort seiner Theorie, das, was das Denken in seiner Begrifflichkeit ermöglicht, den sozioökonomischen Kontext. Das ist nämlich egal, Hauptsache wir sprechen auf Augenhöhe miteinander, während andere für uns arbeiten (das ist cum grano salis gesagt, aber nichtsdestotrotz schwierig vom Text Habermas' abzustreiten). Damit will ich nicht für die Kritische Theorie, gegen Habermas Position beziehen. Ich sage nur, Ideologiekritik ist das nicht mehr. Verwandtschaft zur ersten Generation erscheint mir vor diesem Hintergrund schwierig - dass der Mythos ein Teil der Aufklärung ist, lässt sich auch ohne Ideologiekritik sagen. Das stimmt.


message 4: by litart (new)

litart toujours hm.. bin verwirrt. wenn doch so ausführlich und Detail-versiert, dann versteh ich nicht, wie du aus meinem Text lesen konntest, dass der Überbau den Unterbau stabilisiert - Das steht dort nicht; Und ich habe auch nicht gesagt, dass der Mythos Teil der Aufklärung ist.

Aber nvm, ja finde Habermas auch einfach zum Schießen inzwischen. Gibt auch von Wolfgang Pohrt Passi, wo er inner Arbeit zur Balzac, die komplette historische-soziologische Analyse Habermas in paar Absätzen auseinandernimmt.


message 5: by Alexander (new) - added it

Alexander Carmele Antonio wrote: "hm.. bin verwirrt. wenn doch so ausführlich und Detail-versiert, dann versteh ich nicht, wie du aus meinem Text lesen konntest, dass der Überbau den Unterbau stabilisiert - Das steht dort nicht; Un..."

Der Hinweis auf Pohrt trifft (wobei ich nur Theorie des Gebrauchswertes oder so gelesen habe). Ich bin mir nicht sicher, worauf dein Kommentar dann hinaus wollte, auf eine gewisse Kontinuität zur ersten Generation der Kritischen Theorie? Deshalb habe ich sie ein wenig abzugrenzen versucht - wiewohl du mit Horkheimer schon einen Punkt triffst, ich denke Habermas ist Horkheimers Nachfolger, aus diesem Gedanken heraus, verstehe ich das besser. Habermas selbst wie Horkheimer lässt sich begrifflich sehr schwer hinterfragen, da sie jeweils das begehrende-sich selbst beobachtende Selbst ausklammern, oder wie siehst du das? Kritische Schriften, die sich mit der Kritischen Theorie beschäftigen, ohne polemisch zu werden, interessieren mich!


message 6: by litart (new)

litart toujours Also ich weiß nicht ob es der Text von Adorno/horkheimer ist die kritische Theorie oder ein passus in der dialektik der Aufklärung, aber:

- hier wird argumentiert, dass das menschliche Subjekt die Umwelt aus psychologischen Grundbedürfnissen erklären muss (also ganz abrissartig: Ein Aspekt der Individualebene über Tiefenpsychologie halt)

- Dabei gibts zwei Erklärungsmöglichkeiten. 1.) technisch: Kausalstrukturen kann er zurückverfolgen 2.) mythologisch, narrativ

- da am anfang wenig empirische Erklärung da (technik) - greift man mehr zu mythologischem

- mythologische narrative zur Erklärung von Sachverhalten und Phänomenen tradieren sich auch (Komplexitätsreduktion: man muss kein neuen kosmos erfinden)

- mythologische Narrative sammeln sich zum religiösen Überbau als unintendierte Nachfolge



Habermas Kritik:
- wolfgang pohrt hat im band zu honore de balzac habermas konzept der kritischen Öffentlichkeit auseinandergenommen, weil die Zeitung als Feld der Kämpfe und Mittel der Bildung einer kritischen Meinung so nie existiert hätte. Das zeigt er an der "goldenen Phase" der Zeitungen, in der bereits alle Journalisten und Verleger schon hier die "Zeitungen" unter einer instrumentellen Kommunikationslogik begriffen haben, was Habermas aber total verklärend romantisieren würde.


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