Maren’s Reviews > Briefe an Milena > Status Update
Maren
is 23% done
Prag, 12. Juli 1920
Montag
Das waren zumindest zwei entsetzliche Tage. Aber jetzt sehe ich dass Du ganz unschuldig daran bist, irgendein boshafter Teufel hat alle Deine Briefe von Donnerstag an zurückgehalten. Freitag bekam ich nur Dein Telegramm, Samstag nichts, Sonntag nichts, heute 4 Briefe - von Donnerstag Freitag Samstag. Ich bin zu müde um eigentlich schreiben zu können,
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— Oct 22, 2024 08:05AM
Montag
Das waren zumindest zwei entsetzliche Tage. Aber jetzt sehe ich dass Du ganz unschuldig daran bist, irgendein boshafter Teufel hat alle Deine Briefe von Donnerstag an zurückgehalten. Freitag bekam ich nur Dein Telegramm, Samstag nichts, Sonntag nichts, heute 4 Briefe - von Donnerstag Freitag Samstag. Ich bin zu müde um eigentlich schreiben zu können,
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Maren
is 30% done
Prag, 19. Juli 1920
Mo.
Du mißverstehst einiges Milena:
Erstens bin ich nicht gar so sehr krank und wenn ich ein wenig geschlafen habe, ist mir sogar so wohl, wie mir in Meran kaum gewesen ist. Lungenkrankheiten sind doch meistens die liebenswürdigsten von allen, gar in einem heißen Sommer. Wie ich mit dem spätern Herbst fertig werde, ist ja auch erst eine spätere Frage. Augenblicklich...
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— Jan 30, 2025 04:36AM
Mo.
Du mißverstehst einiges Milena:
Erstens bin ich nicht gar so sehr krank und wenn ich ein wenig geschlafen habe, ist mir sogar so wohl, wie mir in Meran kaum gewesen ist. Lungenkrankheiten sind doch meistens die liebenswürdigsten von allen, gar in einem heißen Sommer. Wie ich mit dem spätern Herbst fertig werde, ist ja auch erst eine spätere Frage. Augenblicklich...
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Maren
is 29% done
An Milena Jesenská
[Prag, 18. Juli 1920]
So.
Noch zu dem Gestrigen:
Auf Deinen Brief hin versuche ich das Ganze von einer Seite anzusehn, von der es anzusehn ich mich bisher meist gehütet habe. Es sieht von da merkwürdig aus:
Ich kämpfe ja nicht mit Deinem Mann um Dich, der Kampf geschieht nur in Dir; wenn die Entscheidung von einem Kampf zwischen Deinem Mann und mir abhängen würde...
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— Jan 25, 2025 11:51AM
[Prag, 18. Juli 1920]
So.
Noch zu dem Gestrigen:
Auf Deinen Brief hin versuche ich das Ganze von einer Seite anzusehn, von der es anzusehn ich mich bisher meist gehütet habe. Es sieht von da merkwürdig aus:
Ich kämpfe ja nicht mit Deinem Mann um Dich, der Kampf geschieht nur in Dir; wenn die Entscheidung von einem Kampf zwischen Deinem Mann und mir abhängen würde...
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Maren
is 28% done
Prag, 16. Juli 1920
Freitag
Ich wollte mich vor Dir auszeichnen, Willenskraft zeigen, mit dem Brief an Dich warten, zuerst einen Akt erledigen, aber das Zimmer ist leer, niemand kümmert sich um mich, es ist als sagte man: laßt ihn, seht ihr nicht wie ihn seine Sache erfüllt, es ist als hätte er eine Faust im Mund. So habe ich nur eine halbe Seite geschrieben und bin wieder bei Dir, liege ...
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— Jan 14, 2025 01:09AM
Freitag
Ich wollte mich vor Dir auszeichnen, Willenskraft zeigen, mit dem Brief an Dich warten, zuerst einen Akt erledigen, aber das Zimmer ist leer, niemand kümmert sich um mich, es ist als sagte man: laßt ihn, seht ihr nicht wie ihn seine Sache erfüllt, es ist als hätte er eine Faust im Mund. So habe ich nur eine halbe Seite geschrieben und bin wieder bei Dir, liege ...
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Maren
is 28% done
Milena Jesenská
Prag, 15. Juli 1920
Do.
Nachmittag, Myrte im Knopfloch, halbwegs bei Vernunft trotz gequälten Kopfes (Trennung, Trennung!) das Hochzeitsessen zwischen den guten Schwestern meines Schwagers zuende gebracht. Jetzt bin ich aber fertig.
Sieh die Dummheit des Unausgeschlafenen! Der rekomm. Brief für Frau Kohler hatte, wie ich auf der Post erfuhr offen sein müssen, das gierig
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— Jan 11, 2025 12:17PM
Prag, 15. Juli 1920
Do.
Nachmittag, Myrte im Knopfloch, halbwegs bei Vernunft trotz gequälten Kopfes (Trennung, Trennung!) das Hochzeitsessen zwischen den guten Schwestern meines Schwagers zuende gebracht. Jetzt bin ich aber fertig.
Sieh die Dummheit des Unausgeschlafenen! Der rekomm. Brief für Frau Kohler hatte, wie ich auf der Post erfuhr offen sein müssen, das gierig
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Maren
is 27% done
Prag, 15. 7.1920
Donnerstag, später
Der Nacht-und-Weiße-Hahn-Brief und der Montagsbrief kamen, der erste ist offenbar der spätere, aber ganz sicher ist es nicht. Ich habe sie nur einmal schnell überlesen und muß Dir gleich antworten, Dich bitten nicht schlecht von mir zu denken. Leerer, abscheulicher Unsinn war, was Staša geschrieben hat, wie kannst Du glauben, dass ich ihr recht gebe?
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— Dec 13, 2024 11:08PM
Donnerstag, später
Der Nacht-und-Weiße-Hahn-Brief und der Montagsbrief kamen, der erste ist offenbar der spätere, aber ganz sicher ist es nicht. Ich habe sie nur einmal schnell überlesen und muß Dir gleich antworten, Dich bitten nicht schlecht von mir zu denken. Leerer, abscheulicher Unsinn war, was Staša geschrieben hat, wie kannst Du glauben, dass ich ihr recht gebe?
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Maren
is 26% done
15.7.1920
Nur in Eile ehe ich ins Bureau gehe, ich wollte schweigen, seit 3 Tagen würge ich daran, wenigstens jetzt während Du diesen schrecklichen Kampfdom kämpfst, wollte ich schweigen, aber es ist unmöglich, es gehört dazu, es ist eben mein Kampf. Du merkst vielleicht dass ich seit paar Nächten nicht schlafe.
Es ist einfach die "Angst".
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— Nov 18, 2024 01:16PM
Nur in Eile ehe ich ins Bureau gehe, ich wollte schweigen, seit 3 Tagen würge ich daran, wenigstens jetzt während Du diesen schrecklichen Kampfdom kämpfst, wollte ich schweigen, aber es ist unmöglich, es gehört dazu, es ist eben mein Kampf. Du merkst vielleicht dass ich seit paar Nächten nicht schlafe.
Es ist einfach die "Angst".
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Maren
is 25% done
Prag, 14. 7.1920
Mi.
Du schreibst: "Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda" - ich lese den Satz sehr genau, jedes Wort, besonders beim i bleibe ich stehn, es ist alles richtig, Du wärst nicht Milena wenn es nicht richtig wäre und was wäre ich wenn Du nicht wärest und es ist auch besser dass Du das in Wien schreibst als dass Du es in Prag sagtest, alles das verstehe ich genau
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— Nov 12, 2024 01:16PM
Mi.
Du schreibst: "Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda" - ich lese den Satz sehr genau, jedes Wort, besonders beim i bleibe ich stehn, es ist alles richtig, Du wärst nicht Milena wenn es nicht richtig wäre und was wäre ich wenn Du nicht wärest und es ist auch besser dass Du das in Wien schreibst als dass Du es in Prag sagtest, alles das verstehe ich genau
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Maren
is 24% done
Prag, 13.7.1920
Hier sind Deine zwei Telegramme; ich verstehe, solange Jarmila-Briefe waren hast Du nach Kramer-Post nicht gefragt, es ist alles in Ordnung vor allem mußt Du gar nicht fürchten, dass ich etwas, ohne vorher Deine Zustimmung zu haben, selbstständig tue. Die Hauptsache ist aber dass ich endlich nach einer allerdings fast schlaflosen Nacht vor diesem Brief sitze der mir unendlich
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— Nov 05, 2024 02:11PM
Hier sind Deine zwei Telegramme; ich verstehe, solange Jarmila-Briefe waren hast Du nach Kramer-Post nicht gefragt, es ist alles in Ordnung vor allem mußt Du gar nicht fürchten, dass ich etwas, ohne vorher Deine Zustimmung zu haben, selbstständig tue. Die Hauptsache ist aber dass ich endlich nach einer allerdings fast schlaflosen Nacht vor diesem Brief sitze der mir unendlich
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Maren
is 23% done
Wie müde Du bist in dem Samstag-Abend-Brief. Ich hätte viel zu dem Brief zu sagen, aber der Müden sage ich heute nichts, bin ja auch müde, eigentlich zum erstenmal seit meiner Ankunft in Wien mit ganz unausgeschlafenem gequälten Kopf. Ich sage Dir nichts, sondern setze Dich nur in den Lehnstuhl (Du sagst Du hättest mir nicht genug Liebes getan, aber gibt es mehr Liebe und Ehrung...
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— Oct 30, 2024 11:08PM
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am linken Rand der zweiten Briefseite (Beschriftung von schreiben würde bis ihm dankbar.): Die "Ebene" hast Du mißverstanden, so habe ich es nicht gemeint; nächstens.am rechten Rand der dritten Briefseite (Beschriftung von Allerdings bis Zurück): Vielen Dank für die Bilder, aber Jarmila sieht Dir doch nicht ähnlich, höchstens in irgendeinem Licht, irgendeinem Schein, der über ihr Gesicht geht wie über Deines.
am linken Rand der letzten Briefseite (Beschriftung ab in die Anstalt): Gestern konnte ich nicht schreiben, zu dunkel war mir alles in Wien.
1] das Dorf-Jahr: Kafkas Aufenthalt in Zürau 1917/18. Vgl. Brief vom [2. Juni 1920], Anm. 1.
2] Kisch von der Neuen Freien Presse: Kafkas Klassenkamerad Paul Kisch (1883-1944).
3] Wagneroper: "Siegfried", vgl. "Prager Tagblatt" vom 11. 7. 1920, S. 9.
4] Auslage des dobrá dílo: Auslage der von Josef Florian und Staša Jílovská gemeinsam herausgegebenen Buchreihe in der Lucerna-Passage zwischen Vodičkova/Wassergasse und Štěpáská/Stefansgasse. Vgl. auch 1. Brief vom [9. Juli 1920], Anm. 2.


Warum auf mein dringendes Donnerstag-Abend-Telegramm noch keine Antwort kam, verstehe ich allerdings noch immer nicht. Dann habe ich an Frau Kohler telegraphiert, auch keine Antwort. Daß ich Deinem Mann schreiben würde, fürchte nicht, dazu habe ich auch gar nicht viel Lust. Lust habe ich nur nach Wien zu fahren, aber auch das werde ich nicht tun, selbst wenn nicht solche Hindernisse wären, wie Deine Ablehnung meiner Reise, Paßschwierigkeiten, Bureau, Husten, Müdigkeit, Hochzeit meiner Schwester (Donnerstag). Immerhin, besser wäre es zu fahren als solche Nachmittage zu verbringen, wie den am Samstag oder Sonntag. Am Samstag: ich wanderte herum ein wenig mit dem Onkel, ein wenig mit Max und alle z Stunden ins Bureau um nach der Post zu fragen. Abends war es besser, ich gierig zu Laurin, er wußte nichts Schlimmes von Dir, erwähnte Deinen Brief, der mich glücklich machte, telephonierte an Kisch von der Neuen Freien Presse, der wußte auch nichts, wollte sich aber, nicht bei Deinem Mann, nach Dir erkundigen und heute abend wieder telephonieren. So saß ich bei Laurin, hörte öfters Deinen Namen und war ihm dankbar. Allerdings es ist weder leicht noch angenehm mit ihm zu reden. Er ist doch wie ein Kind, wie ein nicht sehr aufgewecktes Kind, ebenso rühmt er sich, lügt, spielt Komödie und man kommt sich übertrieben schlau und widerlich komödiantisch vor, wenn man so ruhig dasitzt und zuhört. Besonders da er nicht nur Kind ist, sondern was Güte Teilnahme Hilfsbereitschaft anlangt ein großer und sehr ernsthafter Erwachsener ist. Aus diesem Zwiespalt kommt man nicht heraus und wenn man sich nicht immerfort sagte: "noch einmal, nur noch einmal will ich Deinen Namen hören" wäre man längst fortgegangen. Er erzählte auch von seiner Hochzeit (Dienstag) im gleichen Ton.
Der Sonntag war schlimmer. Eigentlich hatte ich auf den Friedhof gehn wollen und das wäre das Richtige gewesen, aber ich lag den ganzen Vormittag im Bett und nachmittag mußte ich zu den Schwiegereltern meiner Schwester, bei denen ich noch nie gewesen bin. Dann war 6 Uhr. Zurück in die Anstalt nach einem Telegramm fragen. Nichts. Was jetzt? Den Teaterzettel nachsehn, denn Jilovský hatte, in seiner Eile ganz flüchtig, erwähnt, dass Staša montag zu einer Wagneroper geht. Nun lese ich, dass die Vorstellung um 6 Uhr anfängt und um 6 Uhr haben wir das Rendezvous. Schlimm. Was jetzt? In die Obstgasse das Haus ansehn. Es ist still, niemand geht ein und aus, man wartet ein wenig, auf der Haus-Seite, dann auf der Seite gegenüber, nichts, solche Häuser sind so viel weiser als die Menschen, die sie anstarren. Und nun? In das Lucerna-Durchhaus, wo früher einmal eine Auslage des dobrá Dílo [das Gute Werk] war. Sie ist nicht mehr dort. Dann also vielleicht zu Staša, was sich ja sehr leicht ausführen läßt da sie jetzt ganz gewiß nicht zuhause ist. Ein stilles schönes Haus, ein kleiner Garten dahinter. Vor der Wohnungstür ein Vorhängeschloß, man kann also ungestraft läuten. Unten noch ein kleines Gespräch mit der Hausmeisterin zu dem Zweck um "Libešic" und "Jílovský" auszusprechen, für "Milena" war leider keine Möglichkeit. Und nun? Jetzt kommt das Dümmste. Ich gehe ins Cafe Arco, in dem ich schon seit vielen Jahren nicht gewesen bin, um jemanden zu finden, der Dich kennt. Glücklicherweise war niemand dort und ich konnte gleich fortgehn. Nicht mehr viele solche Sonntage, Milena!
F
1] Frau Kohlen: Die Vertraute Milenas hatte in Wien eine kleine Pension; bei ihr wohnten häufig Prager Freunde des Ehepaares Pollak. Ein Porträt dieser Frau zeichnet Milena in ihrem Artikel "Moje přítelkyně" ["Meine Freundin"] in der "Tribuna", III. Jg., Nr. 22 (27. 1. 1921), S. 1-3; siehe Anhang S. 382-389.