Maren’s Reviews > Briefe an Milena > Status Update

Maren
Maren is 25% done
Prag, 14. 7.1920
Mi.

Du schreibst: "Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda" - ich lese den Satz sehr genau, jedes Wort, besonders beim i bleibe ich stehn, es ist alles richtig, Du wärst nicht Milena wenn es nicht richtig wäre und was wäre ich wenn Du nicht wärest und es ist auch besser dass Du das in Wien schreibst als dass Du es in Prag sagtest, alles das verstehe ich genau

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Nov 12, 2024 01:16PM
Briefe an Milena

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Maren’s Previous Updates

Maren
Maren is 30% done
Prag, 19. Juli 1920
Mo.
 
Du mißverstehst einiges Milena:
Erstens bin ich nicht gar so sehr krank und wenn ich ein wenig geschlafen habe, ist mir sogar so wohl, wie mir in Meran kaum gewesen ist. Lungenkrankheiten sind doch meistens die liebenswürdigsten von allen, gar in einem heißen Sommer. Wie ich mit dem spätern Herbst fertig werde, ist ja auch erst eine spätere Frage. Augenblicklich...

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Jan 30, 2025 04:36AM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 29% done
An Milena Jesenská

[Prag, 18. Juli 1920]
So.

Noch zu dem Gestrigen:

Auf Deinen Brief hin versuche ich das Ganze von einer Seite anzusehn, von der es anzusehn ich mich bisher meist gehütet habe. Es sieht von da merkwürdig aus:

Ich kämpfe ja nicht mit Deinem Mann um Dich, der Kampf geschieht nur in Dir; wenn die Entscheidung von einem Kampf zwischen Deinem Mann und mir abhängen würde...

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Jan 25, 2025 11:51AM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 28% done
Prag, 16. Juli 1920
Freitag
Ich wollte mich vor Dir auszeichnen, Willenskraft zeigen, mit dem Brief an Dich warten, zuerst einen Akt erledigen, aber das Zimmer ist leer, niemand kümmert sich um mich, es ist als sagte man: laßt ihn, seht ihr nicht wie ihn seine Sache erfüllt, es ist als hätte er eine Faust im Mund. So habe ich nur eine halbe Seite geschrieben und bin wieder bei Dir, liege ...

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Jan 14, 2025 01:09AM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 28% done
Milena Jesenská
Prag, 15. Juli 1920
Do.

Nachmittag, Myrte im Knopfloch, halbwegs bei Vernunft trotz gequälten Kopfes (Trennung, Trennung!) das Hochzeitsessen zwischen den guten Schwestern meines Schwagers zuende gebracht. Jetzt bin ich aber fertig.

Sieh die Dummheit des Unausgeschlafenen! Der rekomm. Brief für Frau Kohler hatte, wie ich auf der Post erfuhr offen sein müssen, das gierig

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Jan 11, 2025 12:17PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 27% done
Prag, 15. 7.1920
Donnerstag, später
 
Der Nacht-und-Weiße-Hahn-Brief und der Montagsbrief kamen, der erste ist offenbar der spätere, aber ganz sicher ist es nicht. Ich habe sie nur einmal schnell überlesen und muß Dir gleich antworten, Dich bitten nicht schlecht von mir zu denken. Leerer, abscheulicher Unsinn war, was Staša geschrieben hat, wie kannst Du glauben, dass ich ihr recht gebe?

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Dec 13, 2024 11:08PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 26% done
15.7.1920

Nur in Eile ehe ich ins Bureau gehe, ich wollte schweigen, seit 3 Tagen würge ich daran, wenigstens jetzt während Du diesen schrecklichen Kampfdom kämpfst, wollte ich schweigen, aber es ist unmöglich, es gehört dazu, es ist eben mein Kampf. Du merkst vielleicht dass ich seit paar Nächten nicht schlafe.
Es ist einfach die "Angst".

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Nov 18, 2024 01:16PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 25% done
Nov 12, 2024 01:13PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 24% done
Prag, 13.7.1920
Hier sind Deine zwei Telegramme; ich verstehe, solange Jarmila-Briefe waren hast Du nach Kramer-Post nicht gefragt, es ist alles in Ordnung vor allem mußt Du gar nicht fürchten, dass ich etwas, ohne vorher Deine Zustimmung zu haben, selbstständig tue. Die Hauptsache ist aber dass ich endlich nach einer allerdings fast schlaflosen Nacht vor diesem Brief sitze der mir unendlich

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Nov 05, 2024 02:11PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 23% done
Wie müde Du bist in dem Samstag-Abend-Brief. Ich hätte viel zu dem Brief zu sagen, aber der Müden sage ich heute nichts, bin ja auch müde, eigentlich zum erstenmal seit meiner Ankunft in Wien mit ganz unausgeschlafenem gequälten Kopf. Ich sage Dir nichts, sondern setze Dich nur in den Lehnstuhl (Du sagst Du hättest mir nicht genug Liebes getan, aber gibt es mehr Liebe und Ehrung...

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Oct 30, 2024 11:08PM
Briefe an Milena


Maren
Maren is 23% done
Prag, 12. Juli 1920
Montag

Das waren zumindest zwei entsetzliche Tage. Aber jetzt sehe ich dass Du ganz unschuldig daran bist, irgendein boshafter Teufel hat alle Deine Briefe von Donnerstag an zurückgehalten. Freitag bekam ich nur Dein Telegramm, Samstag nichts, Sonntag nichts, heute 4 Briefe - von Donnerstag Freitag Samstag. Ich bin zu müde um eigentlich schreiben zu können,

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Oct 22, 2024 08:05AM
Briefe an Milena


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message 1: by Maren (new) - added it

Maren vielleicht besser als Du und doch, aus irgendeiner Schwäche kann ich mit dem Satz nicht fertig werden, es ist ein endloses Lesen und ich schreibe ihn schließlich hier noch einmal auf, damit auch Du ihn siehst und wir ihn zusammenlesen, Schläfe an Schläfe. (Dein Haar an meiner Schläfe)

Das war geschrieben, als Deine zwei Bleistiftbriefe kamen. Glaubst Du, ich hätte nicht gewußt dass sie kommen würden. Aber nur in der Tiefe habe ich es gewußt und dort lebt man nicht immerfort, sondern zieht es vor in der kläglichsten Gestalt auf der Erde zu leben. Ich weiß nicht warum Du fortwährend Angst hast, dass ich etwas selbstständig tue. Habe ich nicht deutlich genug darüber geschrieben? Und an Frau Kohler habe ich doch nur telegraphiert weil ich fast 3 Tage und schlimme Tage ohne Nachricht war, ohne die Telegrammantwort und fast glauben mußte dass Du krank seist.

Gestern war ich bei meinem Arzt, er fand mich etwa in dem gleichen Zustand wie vor Meran, die 3 Monate sind an der Lunge fast spurlos vorübergegangen, in der linken Lungenspitze sitzt die Krankheit frisch wie damals. Er hält diesen Erfolg für trostlos, ich für ziemlich gut, denn wie würde ich aussehn, wenn ich die gleiche Zeit in Prag verbracht hätte. Auch glaubt er dass ich gar nichts an Gewicht zugenommen habe, nach meiner Rechnung sind es aber doch etwa 3 kg. Im Herbst will er es mit Einspritzungen versuchen, ich glaube aber nicht, dass ich das dulden werde.
Wenn ich mit diesem Ergebnis es vergleiche, wie auch Du mit Deiner Gesundheit wüstest - notwendigster Weise natürlich, das muß ich doch wohl gar nicht mehr hinzufügen - so scheint es mir manchmal dass wir statt zusammenzuleben, uns nur gut und zufrieden zu einander legen werden, um zu sterben. Aber was auch geschehn mag, es wird in Deiner Nähe sein.
Übrigens weiß ich entgegen dem Arzt, dass ich um halbwegs gesund zu werden, nur Ruhe brauche undzwar eine besondere Art von Ruhe oder wenn man es anders ansieht eine besondere Art von Unruhe.

Was Du über Stašas Brief schreibst freut mich sehr, es war aber auch selbstverständlich. Sie hält eben Deinen jetzigen Zustand für eine Kapitulation, erwähnt auch schon Deinen Vater, eine Erwähnung, die aus ihrem Mund genügt mich ihn hassen zu lassen, den ich im Grunde liebe - kurz, sie sagt etwa das Dümmste, was man bei großer Anstrengung - ihr fließt es aber von den schönen Lippen - über den Fall sich ausdenken kann. Und es ist natürlich, das darf man nicht vergessen, durchaus Liebe, sie streckt eben aus ihrem Grab die Arme nach Dir aus.

Es ist französischer Nationalfeiertag, die Truppen marschieren unten von der Parade nachhause. Es hat das fühle ich, in Deinen Briefen atmend - etwas Großartiges. Nicht die Pracht, nicht die Musik, nicht das Marschieren, nicht der alte, aus einem (deutschen) Panoptikum entsprungene Franzose in roter Hose, blauem Rock der vor einer Abteilung marschiert, sondern irgendeine Manifestation von Kräften, die aus der Tiefe rufen: "trotzdem, ihr stummen, geschobenen, marschierenden, bis zur Wildheit vertrauensvollen Menschen, trotzdem werden wir Euch nicht verlassen, auch in Eueren größten Dummheiten nicht und besonders in ihnen nicht". Und man schaut mit geschlossenen Augen in jene Tiefen und versinkt fast in Dir.

Endlich hat man mir den Haufen Akten der sich für mich angesammelt hat gebracht, denke, seitdem ich im Bureau bin, habe ich genau gerechnet 6 Amtsbriefe geschrieben und man duldet es. Die viele Arbeit die auf mich wartet konnte ich bis heute infolge der Faulheit der Abteilung, die sie für mich aufbewahrt, nicht bekommen, zu meiner großen Befriedigung. Jetzt sind sie aber da. Und trotzdem ist es ja nichts, wenn ich ein wenig ausgeschlafen bin. Heute allerdings war es noch recht schlecht.

F


"Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda""ja, Du hast recht, ich habe ihn gern. Aber F., ich habe auch Dich gern"


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