Maren’s Reviews > Briefe an Milena > Status Update
Maren
is 30% done
Prag, 19. Juli 1920
Mo.
Du mißverstehst einiges Milena:
Erstens bin ich nicht gar so sehr krank und wenn ich ein wenig geschlafen habe, ist mir sogar so wohl, wie mir in Meran kaum gewesen ist. Lungenkrankheiten sind doch meistens die liebenswürdigsten von allen, gar in einem heißen Sommer. Wie ich mit dem spätern Herbst fertig werde, ist ja auch erst eine spätere Frage. Augenblicklich...
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— Jan 30, 2025 04:36AM
Mo.
Du mißverstehst einiges Milena:
Erstens bin ich nicht gar so sehr krank und wenn ich ein wenig geschlafen habe, ist mir sogar so wohl, wie mir in Meran kaum gewesen ist. Lungenkrankheiten sind doch meistens die liebenswürdigsten von allen, gar in einem heißen Sommer. Wie ich mit dem spätern Herbst fertig werde, ist ja auch erst eine spätere Frage. Augenblicklich...
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Maren
is 29% done
An Milena Jesenská
[Prag, 18. Juli 1920]
So.
Noch zu dem Gestrigen:
Auf Deinen Brief hin versuche ich das Ganze von einer Seite anzusehn, von der es anzusehn ich mich bisher meist gehütet habe. Es sieht von da merkwürdig aus:
Ich kämpfe ja nicht mit Deinem Mann um Dich, der Kampf geschieht nur in Dir; wenn die Entscheidung von einem Kampf zwischen Deinem Mann und mir abhängen würde...
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— Jan 25, 2025 11:51AM
[Prag, 18. Juli 1920]
So.
Noch zu dem Gestrigen:
Auf Deinen Brief hin versuche ich das Ganze von einer Seite anzusehn, von der es anzusehn ich mich bisher meist gehütet habe. Es sieht von da merkwürdig aus:
Ich kämpfe ja nicht mit Deinem Mann um Dich, der Kampf geschieht nur in Dir; wenn die Entscheidung von einem Kampf zwischen Deinem Mann und mir abhängen würde...
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Maren
is 28% done
Prag, 16. Juli 1920
Freitag
Ich wollte mich vor Dir auszeichnen, Willenskraft zeigen, mit dem Brief an Dich warten, zuerst einen Akt erledigen, aber das Zimmer ist leer, niemand kümmert sich um mich, es ist als sagte man: laßt ihn, seht ihr nicht wie ihn seine Sache erfüllt, es ist als hätte er eine Faust im Mund. So habe ich nur eine halbe Seite geschrieben und bin wieder bei Dir, liege ...
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— Jan 14, 2025 01:09AM
Freitag
Ich wollte mich vor Dir auszeichnen, Willenskraft zeigen, mit dem Brief an Dich warten, zuerst einen Akt erledigen, aber das Zimmer ist leer, niemand kümmert sich um mich, es ist als sagte man: laßt ihn, seht ihr nicht wie ihn seine Sache erfüllt, es ist als hätte er eine Faust im Mund. So habe ich nur eine halbe Seite geschrieben und bin wieder bei Dir, liege ...
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Maren
is 28% done
Milena Jesenská
Prag, 15. Juli 1920
Do.
Nachmittag, Myrte im Knopfloch, halbwegs bei Vernunft trotz gequälten Kopfes (Trennung, Trennung!) das Hochzeitsessen zwischen den guten Schwestern meines Schwagers zuende gebracht. Jetzt bin ich aber fertig.
Sieh die Dummheit des Unausgeschlafenen! Der rekomm. Brief für Frau Kohler hatte, wie ich auf der Post erfuhr offen sein müssen, das gierig
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— Jan 11, 2025 12:17PM
Prag, 15. Juli 1920
Do.
Nachmittag, Myrte im Knopfloch, halbwegs bei Vernunft trotz gequälten Kopfes (Trennung, Trennung!) das Hochzeitsessen zwischen den guten Schwestern meines Schwagers zuende gebracht. Jetzt bin ich aber fertig.
Sieh die Dummheit des Unausgeschlafenen! Der rekomm. Brief für Frau Kohler hatte, wie ich auf der Post erfuhr offen sein müssen, das gierig
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Maren
is 27% done
Prag, 15. 7.1920
Donnerstag, später
Der Nacht-und-Weiße-Hahn-Brief und der Montagsbrief kamen, der erste ist offenbar der spätere, aber ganz sicher ist es nicht. Ich habe sie nur einmal schnell überlesen und muß Dir gleich antworten, Dich bitten nicht schlecht von mir zu denken. Leerer, abscheulicher Unsinn war, was Staša geschrieben hat, wie kannst Du glauben, dass ich ihr recht gebe?
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— Dec 13, 2024 11:08PM
Donnerstag, später
Der Nacht-und-Weiße-Hahn-Brief und der Montagsbrief kamen, der erste ist offenbar der spätere, aber ganz sicher ist es nicht. Ich habe sie nur einmal schnell überlesen und muß Dir gleich antworten, Dich bitten nicht schlecht von mir zu denken. Leerer, abscheulicher Unsinn war, was Staša geschrieben hat, wie kannst Du glauben, dass ich ihr recht gebe?
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Maren
is 26% done
15.7.1920
Nur in Eile ehe ich ins Bureau gehe, ich wollte schweigen, seit 3 Tagen würge ich daran, wenigstens jetzt während Du diesen schrecklichen Kampfdom kämpfst, wollte ich schweigen, aber es ist unmöglich, es gehört dazu, es ist eben mein Kampf. Du merkst vielleicht dass ich seit paar Nächten nicht schlafe.
Es ist einfach die "Angst".
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— Nov 18, 2024 01:16PM
Nur in Eile ehe ich ins Bureau gehe, ich wollte schweigen, seit 3 Tagen würge ich daran, wenigstens jetzt während Du diesen schrecklichen Kampfdom kämpfst, wollte ich schweigen, aber es ist unmöglich, es gehört dazu, es ist eben mein Kampf. Du merkst vielleicht dass ich seit paar Nächten nicht schlafe.
Es ist einfach die "Angst".
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Maren
is 25% done
Prag, 14. 7.1920
Mi.
Du schreibst: "Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda" - ich lese den Satz sehr genau, jedes Wort, besonders beim i bleibe ich stehn, es ist alles richtig, Du wärst nicht Milena wenn es nicht richtig wäre und was wäre ich wenn Du nicht wärest und es ist auch besser dass Du das in Wien schreibst als dass Du es in Prag sagtest, alles das verstehe ich genau
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— Nov 12, 2024 01:16PM
Mi.
Du schreibst: "Ano máš pravdu, mám ho ráda. Ale F., i tebe mám ráda" - ich lese den Satz sehr genau, jedes Wort, besonders beim i bleibe ich stehn, es ist alles richtig, Du wärst nicht Milena wenn es nicht richtig wäre und was wäre ich wenn Du nicht wärest und es ist auch besser dass Du das in Wien schreibst als dass Du es in Prag sagtest, alles das verstehe ich genau
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Maren
is 24% done
Prag, 13.7.1920
Hier sind Deine zwei Telegramme; ich verstehe, solange Jarmila-Briefe waren hast Du nach Kramer-Post nicht gefragt, es ist alles in Ordnung vor allem mußt Du gar nicht fürchten, dass ich etwas, ohne vorher Deine Zustimmung zu haben, selbstständig tue. Die Hauptsache ist aber dass ich endlich nach einer allerdings fast schlaflosen Nacht vor diesem Brief sitze der mir unendlich
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— Nov 05, 2024 02:11PM
Hier sind Deine zwei Telegramme; ich verstehe, solange Jarmila-Briefe waren hast Du nach Kramer-Post nicht gefragt, es ist alles in Ordnung vor allem mußt Du gar nicht fürchten, dass ich etwas, ohne vorher Deine Zustimmung zu haben, selbstständig tue. Die Hauptsache ist aber dass ich endlich nach einer allerdings fast schlaflosen Nacht vor diesem Brief sitze der mir unendlich
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Maren
is 23% done
Wie müde Du bist in dem Samstag-Abend-Brief. Ich hätte viel zu dem Brief zu sagen, aber der Müden sage ich heute nichts, bin ja auch müde, eigentlich zum erstenmal seit meiner Ankunft in Wien mit ganz unausgeschlafenem gequälten Kopf. Ich sage Dir nichts, sondern setze Dich nur in den Lehnstuhl (Du sagst Du hättest mir nicht genug Liebes getan, aber gibt es mehr Liebe und Ehrung...
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— Oct 30, 2024 11:08PM
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Maren
is 23% done
Prag, 12. Juli 1920
Montag
Das waren zumindest zwei entsetzliche Tage. Aber jetzt sehe ich dass Du ganz unschuldig daran bist, irgendein boshafter Teufel hat alle Deine Briefe von Donnerstag an zurückgehalten. Freitag bekam ich nur Dein Telegramm, Samstag nichts, Sonntag nichts, heute 4 Briefe - von Donnerstag Freitag Samstag. Ich bin zu müde um eigentlich schreiben zu können,
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— Oct 22, 2024 08:05AM
Montag
Das waren zumindest zwei entsetzliche Tage. Aber jetzt sehe ich dass Du ganz unschuldig daran bist, irgendein boshafter Teufel hat alle Deine Briefe von Donnerstag an zurückgehalten. Freitag bekam ich nur Dein Telegramm, Samstag nichts, Sonntag nichts, heute 4 Briefe - von Donnerstag Freitag Samstag. Ich bin zu müde um eigentlich schreiben zu können,
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Sobald Du Dich hier durchgekämpft hast, könnten wir bei Rilke weitermachen 💪Ohne Handball haben wir ja beide wieder mehr Zeit 🤪
Werde heute S. 100 unserer Ausgabe erreichen (hier ist die Seitenzahl abweichend).
Schauen wir, was sich im weiteren Verlauf ergibt - es kann ja nicht immer nur um die Mutter gehen *g*.
Stimmt!Ich schätze aber, dass seine imaginären Gespräche mit ihr noch weiterhin eine große Rolle spielen werden.
Morgen wissen wir mehr, dann siehe Rilke, "Maltus L. Brigge" falls wir jetzt Mitlesende verwirrt haben sollten
Hier geht es dann auch bald weiter mit Kafka und Milena.
Mir gefallen beide Bücher sehr.
Kafka - Milena ziehe ich wahrscheinlich unterbewusst in die Länge, damit es nie aufhört 😂


Zweitens fehlt es mir gar nicht an Geld, ich habe übergenug, Teile davon, z. B. das Geld für Deinen Urlaub, bedrücken mich geradezu, dadurch dass sie noch daliegen.
Drittens hast Du zu meiner Gesundung schon ein für allemal das Entscheidende getan und tust es außerdem jeden Augenblick von neuem, in dem Du gut an mich denkst.
Viertens ist alles was Du leise zweifelnd über die Prager Reise sagst ganz richtig. "Richtig" ich habe das auch telegraphiert, aber dort bezog es sich auf das Sprechen mit Deinem Mann und das war allerdings auch das einzig Richtige. Heute früh z. B. begann ich plötzlich zu fürchten, in Liebe zu fürchten, herzbeklemmend zu fürchten, Du könntest plötzlich durch irgendeine zufällige Kleinigkeit irregeführt nach Prag kommen. Könnte aber eine Kleinigkeit wirklich bei Dir entscheiden, die Du Dein Leben bis in solche Tiefen wirklich lebendig lebst? Und selbst von den Wiener Tagen dürftest Du Dich nicht irreführen lassen. Verdankten wir selbst dort nicht manches vielleicht Deiner unbewußten Hoffnung ihn am Abend wiedersehn zu können? Nichts mehr davon. Oder noch dieses: Zwei Tatsachenneuigkeiten habe ich aus Deinem Brief letzthin erfahren: ersten den Heidelberger Plan, zweitens den Paris- und Bank-Flucht-Plan, der erste zeigt mir dass ich irgendwie doch in der Reihe der "Retter" und Gewalttäter bin. Aber ich bin doch auch wieder nicht in der Reihe. Der zweite zeigt mir, dass doch auch dort Zukunfts-Leben ist, Pläne, Möglichkeiten, Aussichten, auch Deine Aussichten.
Fünftens besteht ein Teil Deiner fürchterlichen Selbstquälerei - es ist das einzige Leid, das Du mir tust darin, dass Du mir jeden Tag schreibst. Schreibe seltener, ich schreibe Dir, wenn Du willst jeden Tag auch weiterhin einen Zettel. Du wirst auch mehr Ruhe zur Arbeit haben, auf die Du Dich freust.
---------
Dank für die Donadieu. (Könnte ich Dir nicht irgendwie die Bücher schicken?) Lesen werde ich sie augenblicklich wohl kaum können, es ist ein zweites kleines Leid: ich kann nicht lesen und wieder tut mir das gar nicht besonders weh, es ist bloß eine Unmöglichkeit für mich. Ein großes Manuskript von Max (Judentum, Christentum, Heidentum - ein großes Buch) ist zu lesen, er drängt mich schon fast, ich habe es kaum angefangen; heute bringt mir ein junger Dichter 75 Gedichte, manche davon viele Seiten lang, ich werde mir ihn wieder verfeinden wie schon einmal übrigens; den Claudelaufsatz habe ich damals gleich gelesen, aber nur einmal und zu schnell, aber die Gier war weder auf Claudel noch Rimbaud gerichtet, schreiben wollte ich darüber erst bis ich es zum zweitenmal gelesen hätte, es ist bis heute nicht geschehn, es hat mich aber schon sehr gefreut, dass Du gerade dieses - ist es vollständig? - übersetzt hast (was ist das: pamatikální? so heißt es doch dort, wenn ich mich recht erinnere) ganz klar in der Erinnerung blieb mir aber nur in der ersten Spalte das Ave-Maria-Erlebnis irgendeines Frommen.
Den Antwort-Brief des Mädchens, aus dem Du Dir ja auch meinen Brief zusammensetzen kannst lege ich bei, damit Du siehst, wie man mich abweist, nicht ohne Verstand. Ich antworte nicht mehr.
Der gestrige Nachmittag war nicht viel besser als der am letzten Sonntag. Es fieng zwar sehr gut an; als ich aus dem Haus gierig, um zum Friedhof zu gehn, war 36° im Schatten und die Elektrischen strikten, aber gerade, das freute mich besonders, wie ich mich auf den Weg überhaupt fast so freute, wie damals am Samstag auf den Weg zum Gärtchen neben der Börse. Aber als ich dann auf den Friedhof kam, konnte ich das Grab nicht finden, die Auskunftskanzlei war gesperrt, kein Diener, keine Frau wußte etwas, auch in einem Buch sah ich nach aber es war nicht das Richtige, stundenlang wanderte ich dort herum, ich war schon ganz verwirrt von dem Lesen der Aufschriften und kam in einem ähnlichen Zustand aus dem Friedhof (. . .)[ 3 oder 4 Wörter unleserlich gemacht ]
F
am linken Rand der ersten Briefseite (Beschriftung bis "Entscheidende getan und"): Und außerdem sei ganz ruhig was mich betrifft, ich warte am letzten Tag so wie am ersten.
1] Heidelberger Plan, . . . Paris- und Bank-Flucht-Plan: Zwei der zahlreichen Pläne Ernst Pollaks, seine Stellung bei der Wiener Bank aufzugeben.
2] Donadieu: Charles Louis Philippe, "Marie Donadieu" (Paris: E. Fasquelle, 1904); möglicherweise schickte Milena aber auch die deutsche Übersetzung des Romans, der in den "Gesammelten Werken", hrsg. von Wilhelm Südel (Berlin: Egon Fleischel, 1913) erschienen war.
3] Manuskript von Max: Max Brod, "Heidentum, Christentum, Judentum. Ein Bekenntnisbuch". 2 Bde. (München: Kurt Wolff, 1921).
4] ein junger Dichter: Vermutlich der von Gustav Janoueh genannte Dichter Hans Klaus. Vgl. "Gespräche mit Kafka". Erw. Ausgabe (Frankfurt: S. Fischer, 1968), S. 117-119.
5] Claudelaufsatz: Milenas Übersetzung von Paul Claudels Aufsatz "Arthur Rimbaud" erschien in der "Tribuna", II. Jg., Nr. 159 (8. 7. 1920), S. 1 f
6] pamatiální: Druckfehler in dem erwähnten Aufsatz; recte: gramatikáná, also grammatikalisch Der Druckfehler erklärt sich aus Milenas schwer leserlicher Handschrift, die offenbar dem Setzer vorgelegen hat.
7] Antwort-Brief des Mädchens: Vgl. Brief vom [31. Mai 1920], Anm. 3.
8] das Grab: Milena hatte ihn gebeten, auf dem Olschaner Friedhof nach dem Grab ihres früh verstorbenen Bruders Jeníček zu sehen.